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Immer daneben! Warum wir ständig an
die falschen „Traumprinzen“ geraten...

Faktor (Se)x. Warum tappen gerade die attraktiven Frauen im besten Alter so oft in die Liebesfalle? Welche Tricks wenden die falschen Traumprinzen an, und wie kann man ihnen das Handwerk legen? Auf diese Fragen hat Roman Maria Koidl in seinem Buch „Scheißkerle“ gute Antworten.


Immer daneben! Warum wir ständig an
die falschen „Traumprinzen“ geraten...
© Corbis

Warum ausgerechnet attraktive und intelligente Frauen der „thirty somethings“ oft so große Probleme in ihren Beziehungen zu Männern haben, wollte Roman Maria Koidl, 42, wissen. „Viele Frauen mit dreißig sind schon froh, wenn der Mann, der ihnen gegenübersitzt, nicht verheiratet ist, keine Verhaltensauffälligkeiten zeigt, einigermaßen manierlich essen kann, keine ‚Altlasten‘ hat, irgendwie nett ist, ein paar Bücher besitzt, dafür aber keine schwarze Ledercouch mit Chrom, nicht nur über sich redet und vielleicht für irgendetwas Talent hat“, resümiert der in Berlin und Zürich lebende Österreicher in seinem Buch „Scheißkerle. Warum es immer die Falschen sind“.

Sieben Jahre hat sich der Journalist und Dozent für Kommunikation und Wissenstransfer mit der Thematik beschäftigt. „Ich habe einfach zugehört und war neugierig. Irgendwann fiel mir auf, dass sich die Geschichten strukturell ähnelten, aber alle Frauen, mit denen ich sprach, der Meinung waren, sie seien die einzig Betroffenen“, sagt Koidl. „Diese verzerrte Wahrnehmung ist Teil des Problems und verhindert, zu sich selbst, besser gesagt: zu den Lösungen in sich selbst, zu finden.“ Nun hat er seine Erkenntnisse, warum viele Frauen ihre Zeit an den Falschen verplempern, in einem gut lesbaren Mix aus amüsant geschilderten Fallbeispielen und tief greifender psychologischer Hintergrundinformation zusammengefasst. Hier ein Best-of seiner Ausführungen, in welche Fallen Frauen tappen können, welche Arten von „Scheißkerlen“ es gibt und wie man beides vermeiden kann.

Das Glühwürmchen

Der Typ Mann: Er sieht gut aus, ist sehr charmant, witzig und zur Freude seiner neuen Partnerin ein routinierter Gesprächspartner in Gesellschaften. Wie ein Glühwürmchen glänzt er bei seinen Auftritten. „Mit keinem Mann habe ich bisher so gelacht“, sagen Frauen oft. Durch permanente Angebote und Ideen spinnt er ein verführerisches Netz aus Abenteuer, Exotik und Aufmerksamkeit, in das die Angebetete fallen soll. Zusammen wirken sie wie ein Traumpaar. Sie ist ihm aber, bewusst oder unbewusst, intellektuell und mental überlegen.
Wie bei Gabriella, Art-Direktorin bei einem Lifestyle-Magazin, 33, äußerst attraktiv und in Hamburg lebend. Matthias war Makler, 28, mit jungenhaftem Charme und nicht zuletzt einem knackigen Po. Leider war sie nicht seine Einzige. Es stellte sich heraus, dass er während der Beziehung Kontakt zu seiner Exfreundin behalten hatte. Geschickt hatte es Matthias verstanden, Gabriella zu „parken“, wenn ihm nicht nach ihr war, um diese „Liebe“ kurz darauf wieder zu aktivieren. Bei der Frage, warum sie immer wieder nachgegeben hatte, wenn er sie zurückgewinnen wollte, fallen Worte wie „um die Beziehung kämpfen“. Erst als eine dritte Geliebte in einer anderen Stadt auftauchte, kam es zur endgültigen Trennung.

Der Hintergrund: Matthias spielte das Jo-Jo-Spiel, bei dem Männer eine Partnerin nach Belieben zurückweisen und unter Darbietung der tollsten Entschuldigungen wieder für sich gewinnen. Dabei geht es keineswegs um Gefühle, wie die meisten Frauen glauben, sondern um Macht und die Stärkung des eigenen Selbstwertgefühls – für Männer besonders dann interessant, wenn es sich bei dem „Gegner“ (also der Frau) um eine sehr attraktive und stark wirkende Persönlichkeit handelt. So können sich die „Glühwürmchen“-Männer über eine Frau stellen, die sie eigentlich für überlegen halten. Um davon abzulenken, dass sie nicht immer nur glühen und strahlen, sondern auch mal schwächeln, suchen sie Distanz, etwa Partnerinnen in anderen Städten. Durch inszenierten Streit und Trennungen können sie auch ihre Attraktivität immer wieder austesten – und Freiraum für Abenteuer gewinnen. („Wir waren in dem Zeitraum ja schließlich nicht zusammen.“)

Der Alle-2-Wochen-Mann

Der Typ Mann: Er ist sehr nett, aufmerksam, hat einen guten Job und beim Date sicher Blumen mit. Wie Peter, 46, grau gewellter Gewerbetreibender, der seinen Porsche gern für amouröse Abenteuer nützt: Wenn Peter eine attraktive Frau in einem anderen Fahrzeug entdeckt, rammt er beherzt deren Stoßstange, um sich sogleich mit einer eindrucksvollen Visitenkarte und einem Trockenblumensträußchen, das er, angeblich auf dem Weg zu seiner kranken Mutter, dabei hatte, zu entschuldigen. Beim kurz darauf folgenden Abendessen à deux melkt er die Tatsache, dass viele Frauen nur zu gern „an Fügung glauben“.
Wie Isabel, 34. Die attraktive Ärztin ist jetzt schon dreimal von Peter zum Essen ausgeführt worden. Beim zweiten Mal hat sie mit ihm geschlafen, beim dritten auch, und jetzt hat er sich schon über eine Woche nicht gemeldet. Dafür sucht sie nun eine Erklärung. Von „Vielleicht hat er sein Handy verloren“ über „Vielleicht hat es ihn beim letzten Mal körperlich etwas abgestoßen“ bis „Vielleicht hat er gerade wahnsinnig viel zu tun“.

Der Hintergrund: Isabel ist in die „Alle-zwei-Wochen-Falle“ getappt. Ihr Lover hat einfach vergessen, sich an sie zu erinnern. Das klingt für emotional involvierte Frauen höchst irritierend, ist für Männer aber keine allzu große Sache. Er fand die Abende ganz nett, den Sex ganz erfüllend, aber es hat keine Wichtigkeit für ihn. Er wird in ein paar Tagen an Sex mit ihr denken, bei ihr anrufen und so tun, als wäre nichts gewesen. Er will es nicht „langsam angehen lassen“. Er will gar nix. Vielleicht etwas Nähe, etwas Sex oder Unterhaltung, weil Sonntagnachmittag ist und es regnet, und da vögelt man gerne.
Meint ein Mann es ernst mit einer Frau, setzt er Himmel und Hölle in Bewegung, um sie „vom Markt zu nehmen“. Doch vor allem arbeitsbelastete Karrierefrauen verschließen vor dieser Tatsache die Augen – mit Entschuldigungen, wie dass er eigentlich ein netter Kerl, der Sex nicht wirklich schlecht sei, dass man selbst ja schließlich auch nie Zeit habe. „Vielleicht ist das ja immer noch besser als gar keinen Mann zu haben“, meinen sie und leben Monate und Jahre in einer „eingebildeten“ Beziehung. Etwa mit einem „Nicht-bereit-Experten“ …

Der Nicht-bereit-Experte

Der Typ Mann: „Ich bin ein Scheidungskind und habe echte Probleme damit, Vertrauen zu fassen.“ Wer diesen Satz hört, sollte die Notbremse ziehen, und zwar schnell. Unfassbar, welchen Blödsinn sich Frauen von Männern auftischen lassen, wenn diese nicht bereit sind, sich voll zu ihnen zu bekennen. „Ich habe wirklich gerade eine verrückte Zeit. Mein ganzes Leben steht kopf“ oder „Ich muss mich gerade total auf Karriere/Studium konzentrieren“ sind Deklinationen des Klassikers „Ich brauche erst mal Zeit für mich selbst“. Was er wirklich meint, ist: „Ich will dich nicht so oft sehen. Mir genügt es einmal in der Woche.“ Hat der Mann Hemmungen, sich selbst in den Kontext der Lüge zu bringen, schiebt er die Gründe gern auf die Umstände: „Ich komme gerade aus einer schrecklichen Trennung/Scheidung und bin im Moment wirklich nicht bereit, eine neue Beziehung einzugehen.“ Was er meint, ist: „Ich bin nicht bereit, eine neue Beziehung mit dir einzugehen, allerdings würde ich bei Heidi Klum eine Ausnahme machen.“

Der Hintergrund: Leider scheint vielen Frauen jede noch so krude Ausrede besser als das Eingeständnis, dass man eigentlich nicht interessant genug für ihn ist. Ein Vorteil für den „Nicht-bereit-Mann“: Die Frauen bleiben für ihn verfügbar und bemitleiden ihn auch noch. „Vielleicht ist er sensibel oder hat einfach Angst, von einer Frau verletzt zu werden“, lautet ein Ansatz, der Distanz entschuldigt und dem Mann erlaubt, sich bar jeder Verantwortung für die Gefühle der Frau zu verhalten und mehrere Liebschaften parallel zu haben. Diese bindungsunfähigen Männer – oft solche, die sehr jung eine Familie gegründet haben – werden aus einer Lebensangst, zu kurz zu kommen, zu ständig neuen Beutezügen angetrieben. Da es ihnen immer wieder gelingt, ihre Defizite als heilbar hinzustellen, lassen sich Frauen auch noch eine lange Zeit als Krankenschwestern, Lebensretterinnen und Geldautomaten missbrauchen.

Der Bad Boy

Der Typ Mann: Es sind rauschige Gesellen, die Katjas Puls immer wieder schneller schlagen lassen. Ungehobelt, aggressiv, gewalttätig und alkoholisiert, nichts kann die OP-Schwester schrecken – im Gegenteil. Allein schon die Idee, der Mann könnte ein Outlaw sein, bringt sie in Fahrt. Wie Dragan. Dragan schreibt in unregelmäßigen Abständen unmissverständliche Kurznachrichten, die aus einem Wort bestehen – „Ficken“ beispielsweise –, denen Katja sofort folgt. „Ich weiß, dass es falsch ist, aber es fühlt sich so gut an“, rechtfertigt sie ihr Verhalten. Sie macht sich vor, dass Dragan eigentlich „gar nicht so ist“, und ist der Meinung, nur sie könne seinen „guten Kern“ erkennen: „Vielleicht braucht er ja dringend meine Hilfe.“

Der Hintergrund: Katja ist dem hoffnungslosen Versuch erlegen, einen Scheißkerl zu heilen. Sie irrt, wenn sie glaubt, sie hätte auch nur den leisesten Einfluss auf Dragan. Männer wie er sind unfähig und nicht bereit, überhaupt anzuerkennen, dass der eigene Lebensweg falsch ist. Trotzdem halten sie hervorragend in der Partnerin den Glauben wach, dass sie sich verändern können. Vor allem dann, wenn sie es wieder einmal total überzogen haben. Der Funken Hoffnung lässt die Frauen über vieles hinwegsehen.

Warum tut frau sich das an?

Die Grundursache: Frauen wird noch immer eine Erziehung zuteil, die eine Schwächung des eigenen Selbstbewusstseins impliziert. Sie werden in ihrer Entwicklung zumeist vom gegengeschlechtlichen Elternteil geprägt. Das ist gut für die Jungen: Mit dem Erscheinen des Sohnes geht für die Mutter die Sonne auf. „Du bist gut, so wie du bist“, ist das Grundgefühl, das Männern vermittelt wird. Frauen bekommen diesen Grundstoff von ihren Vätern weitaus weniger mit auf den Weg. Durch väterliches Desinteresse oder zu hohe Anforderungen erleiden sie als Mädchen Schäden für kommende Partnerschaften, ohne sich dessen bewusst zu sein. Drei typische Formen:

Die Gefall-Tochter: Mädchen, die von ihrem Vater nicht beachtet werden, registrieren messerscharf, dass es Menschen gibt, die den Vater zu erhöhter Zuwendung bewegen können. Wenn dann alle eigenen Versuche, um seine Aufmerksamkeit zu buhlen, fehlschlagen, wird das als eigener Mangel wahrgenommen. Diese Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht werden im Selbstbild gespeichert. Ihr Leben lang versuchen diese Frauen, Männern auf vielerlei Weise zu gefallen. Manche kleiden sich extrovertiert, gehen joggen, machen Diäten. Häufiger jedoch wird versucht, durch gefälliges Verhalten Zuneigung zu erheischen, es allen – besonders den Männern – recht zu machen. Aus Angst vor der Zurückweisung verliert man die Kraft, sich zu wehren und eigene Bedürfnisse zu formulieren.

Die Leistungs-Tochter: Ihr Verhältnis zum Vater ist „super“ („Daddy ist der Größte!“), doch sie sucht nur nach Fütterung der verhungernden Seele. Oft aus Familien kommend, in denen der Vater die Mutter nicht sonderlich schätzte und seine ganze Energie auf die Entwicklung der Tochter konzentrierte, erreicht sie Aufmerksamkeit und Anerkennung durch Pauken und Leistung. Sie orientiert sich an der Maxime des Vaters, nach der man sich keine Emotionen leisten kann, wenn man Erfolg haben will. Mit dem männlichen Wettbewerb früh vertraut, macht sie große Karriere, ihre eigene Gefühlswelt bleibt ihr aber verschlossen, weil es ihr da schlichtweg an Erfahrung fehlt.

Die Protest-Tochter: Sie erzwingt die Aufmerksamkeit des Vaters, indem sie messerscharf seine Lebensführung und Weltanschauung analysiert und ihn mit ihren Erkenntnissen konfrontiert. Sie bezieht die Beantwortung ihrer Person aus der Konfrontation. Widerstand ist für sie Bestätigung, dass sie atmet, lebt, und die Auseinandersetzungen ihrer Kindheit werden in Beziehungen fortgeführt. Männer fühlen sich von solchen Frauen rasch überfordert, da schon die kleinsten Alltagsdinge wie wichtige Lebensfragen mit großem Ernst durchdiskutiert werden.

Resümee.
Der Grunddialog zum männlichen Geschlecht entsteht für Frauen meistens aus der Beziehung zum Vater. Dessen Versäumnisse werden ein Leben lang kompensiert, was aber weder der Frau noch deren Partner bewusst ist.

Redaktion: Barbara Poche

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