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Vom Büro ins Bett: In der Arbeit verliebt - kann das funktionieren?

Never fuck the Company? Von wegen! Wenn man schon mindestens 40 Stunden in der Woche im selben Büro abhängt, darf doch mal geflirtet werden, oder? Vier Paare, die sich am Arbeitsplatz ineinander verliebt haben, erzählen ihre Geschichte. Mit sooo viel Amore!

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In der Arbeit verliebt - kann das funktionieren?
© iStockphoto.com

Nein, im Büro kann wirklich nix vertuscht werden. Es wird gelacht, getratscht, geschimpft, geheult und manchmal auch geliebt. Dort, wo Menschen nämlich viele, viele Stunden pro Woche aufeinanderkleben, gemeinsam mit Koffein den Montags-Blues bekämpfen, sich mit viel Schokolade durch nicht enden wollende Besprechungen pushen oder für einen leichten Damenspitz immer wieder absurde Gründe zum Köpfen einer Sektflasche finden, genau dort springt auch schnell mal der eine oder andere Liebesfunke über!

DATING-HOTSPOT BÜRO. Hast du gewusst, dass jede vierte Liebesbeziehung am Arbeitsplatz beginnt? Und Expertinnen zufolge sollen genau diese Verbindungen besonders stabil sein. Weil man sich im Idealfall schon wirklich gut kennt und weiß, was man bekommt.

"Im Büro begonnene Partnerschaften können von Dauer sein, weil man schon vorher einiges über den anderen mitbekommt. Man erlebt vieles gemeinsam, hat vielleicht auch gemeinsame Interessen. Gelungene Flirts bescheren sofortige Glücksgefühle, die die Freude an der Arbeit steigern können", weiß Karriereberaterin und Lifecoach Sonja Rieder.

Aber Vorsicht: "Der Grat zwischen Flirtanbahnung und Belästigung kann sehr schmal sein. Vor allem dann, wenn noch nicht feststeht, wie groß das Interesse des Gegenübers ist." Aber auch, wenn für beide Seiten klar ist, dass man miteinander mehr teilen möchte als nur den gemeinsamen Kaffeeklatsch in der Küche, sollte man vor dem Publikmachen der frohen Botschaft noch mindestens drei Monate warten, rät Rieder. "Nicht jedes Strohfeuer muss den anderen zu Ohren kommen. Wenn es dann zu einem raschen Ende kommt, hat man sich eine große Menge an Tratsch und Flurfunk erspart."

BUSSIFREIE ZONE. Ist nach dieser Schweigepflicht das Liebesfeuer noch immer nicht erloschen und hat vielleicht sogar schon der Pizzabote gecheckt, dass sich bei gewissen Kollegen mehr abspielt als rein fachlicher Austausch, müssen Team und Vorgesetzte eingeweiht werden. "Am besten bei einem Gespräch, das man vorher miteinander akkordiert", empfiehlt Rieder. Und was sollte man als Büro-Pärchen so beachten? "Küssen und körperliche Berührungen, erotische Andeutungen und dergleichen sind absolut tabu. Genauso wie Streitereien im Büro."

Auch noch ein wichtiger Punkt, wenn einer der beiden höhergestellt ist: "Es dürfen keine gesonderten Informationsflüsse oder unsachliche Bevorzugungen entstehen." Aber sonst ist alles erlaubt: gemeinsame Kaffeepausen, gemeinsame Mittagspausen, gemeinsame Besprechungspausen, gemeinsame Schokoladepausen - eben alles, was den Joballtag angenehmer macht!

Liebe im Büro
Sandra und Tomasz Karnthaler

Er: Tomasz Karnthaler, 32, Aboservice
Sie: Sandra Karnthaler, 38, Beschwerdemangement
In einer Beziehung seit: 10 Jahren
Tatort: Ein Verlagshaus in Wien

Ein Leben ohne gemeinsame Snackpausen ist für Tomasz und Sandra unvorstellbar. Es passierte beim Kaffeeholen. Tomasz sah seine Sandra im Gang und war sofort hin und weg: "Was für Augen! Was für eine Figur! Und was für Haare -die waren damals noch pink!" Blickkontakt, schüchternes Lächeln, ein Plan: "Wir müssen uns kennenlernen!" Obwohl: So easy war das nicht, denn Sandra war damals frisch geschieden und alles andere als bereit für eine neue Liebe. Trotzdem fasste Tomasz allen Mut zusammen und fragte sie nach einem Date. Filmschauen, DVD-Abend bei ihm zu Hause. "Ich dachte mir: Hast nix zu verlieren", erinnert sich Sandra. "Und es war dann auch wirklich sehr schön mit ihm. Nach ein paar weiteren Treffen stand fest, dass da mehr ist zwischen uns. Und vier Monate später bin ich bei ihm eingezogen." Seitdem sind die beiden Angestellten unzertrennlich. "Er hat nie aufgehört, mich zu lieben, auch wenn ich ihn oft schon in den Wahnsinn getrieben habe", schmunzelt Sandra, die im April das erste Kind von Tomasz erwartet. Zehn Jahre sind die zwei Wiener bereits ein Paar, mittlerweile haben sie ihre Jobs im Verlag aufgegeben und arbeiten jetzt -Überraschung! - wieder im selben Unternehmen. In der Bank sind sie aber in getrennten Abteilungen angestellt. Gemeinsame Mittgspausen und Kaffeepausen gehören für die zwei fix dazu: "Es ist doch schön, mit seiner Frau jeden Tag essen zu gehen. Das war weder für Chefs noch für Kollegen ein großes Thema." Verheimlicht wurde auch nichts, im Gegenteil: "Ich wollte immer, dass jeder weiß, dass er mein Mann ist."

Er: Markus Beer, 33, Elektrotechniker
Sie: Janet Ung, 32, Auftragssachbearbeiterin
In einer Beziehung seit: 8 Jahren
Tatort: Ein Maschinenbauunternehmen in Regau, OÖ

Liebesbeziehung mit einem Kollegen? Aber sicher nicht, dachte sie. Und dann kam doch alles ganz anders "Mit Janet anzubandeln, war definitiv nicht einfach." Sie wollte keine Beziehung. Nicht mit einem Arbeitskollegen! Aber Markus blieb hartnäckig, ließ einfach nicht locker. "Heute bin ich sehr froh darüber", sagt die oberösterreichische Sachbearbeiterin, die mit ihrem Bürofreund bereits zwei Töchter im Alter von ein und drei Jahren hat und zurzeit noch in Karenz ist. Und wie ließ sie sich dann erweichen? Der Icebreaker zwischen beiden war die Faschingszeit. "Wir waren sehr oft mit anderen Arbeitskollegen feiern. Und ich habe bald gemerkt, dass doch mehr zwischen uns war als nur eine Arbeitsbeziehung", lacht Janet. "Nein, es war nicht der Alkohol. Aber vielleicht hat er so manches ein bisschen vereinfacht", erklärt Markus seine schwierige Dating-Mission. Ein offizielles Firmen-Outing gab es nicht. "Als wir jeden Tag gemeinsam mit dem Auto in die Arbeit kamen, gab es schon ein paar Sprüche. Aber es war für alle klar, dass es bei uns wirklich gefunkt hat." Und wie! "Unsere Liebesbeziehung machte das Arbeitsklima zwischen uns noch besser", schwärmt Janet von ihrem zukünftigen Ehemann -im August wird geheiratet. Plan B, falls die Beziehung mal scheitern sollte, gibt es sowieso keinen. "Wir sind mit Plan A überglücklich", grinst Markus.

Liebe im Büro

Er: Andi Sattra, 31, Projektleiter
Sie: Viki Schaberger, 27, Pressearbeit und Filmdispo
In einer Beziehung seit: 3 Jahren
Tatort: Ein Independent-Kino St. Pölten

Nach zahlreichen After-Work-Dates war klar, dass Viki und Andis Herz nicht mehr nur fürs Kino schlägt. "Auf einmal stand da so ein Typ mit Hipster-Brille im Büro. Er war genauso verwirrt wie ich", lacht Viki. Verwirrt, weil beide neu in ihrem Job im Cinema Paradiso waren. "Wir waren Neulinge und somit schon in Verbindung", erinnert sich der heutige Projektleiter des beliebten Idependent-Kinos an den ersten gemeinsamen Moment mit Viki, Pressesprecherin des Hauses. "Da Viki ein soziales Genie ist und sich mit jedem gleich auf Anhieb gut versteht, war auch unsere Arbeitsbeziehung sofort sehr harmonisch." Nur: Bis zum ersten richtigen Date dauerte es ein ganzes Jahr. Viele wichtige "Arbeitsbesprechungen" bis weit nach Feierabend inklusive. "Das ließ sich blendend mit einem Bier kombinieren. Aber keiner traute sich, einen richtigen Move zu machen", lacht er. Nach unzähligen Treffen musste fürs gemeinsame Getränk kein Arbeitsvorwand mehr gefunden werden. "Einmal hab ich Viki bis nach Hause begleitet, vor ihrer Türe hing ein Scooter-Plakat. Wir beschlossen, uns das spaßhalber anzusehen. Und von dem Moment an wusste ich: Wer mit mir zu dieser für viele peinlichen Band geht, der muss auf mich stehen", war Andi überzeugt. Viki: "Irgendwann waren wir einfach ein Paar. Richtig darüber reden mussten wir nicht. Keiner war überrascht." Wie sie ihre Beziehung beschreiben würden?"Wir teilen dieselbe Leidenschaft -Kino! Unsere Arbeit liegt uns wirklich am Herzen. Und wir reden auch ständig drüber", erklärt der Cineast. "Aber wir können auch unterscheiden, ob wir als Paar oder als Kollegen zueinander sprechen. Darauf kommt's an", sagt Viki abschließend.

Er: Markus Hubmann, 27, Sachbearbeiter
Sie: Sabine Hanser, 26, Sachbearbeiterin
In einer Beziehung seit: 3 Jahren
Tatort: Die Krankenversicherungsabteilung in Klagenfurt

Zwischen Sabine und Markus funkte es schon bei der ersten gemeinsamen Firmenparty. "Sie sah so umwerfend aus in diesem schwarzen Kleid bei unserer Weihnachtsfeier. Ich musste die Frau einfach anbaggern! Aber gefallen hat mir Sabine schon ein paar Monate vorher, als sie vom Chef als ,die Neue' vorgestellt wurde", erinnert sich Markus an den Beginn seiner Beziehung zu der Sachbearbeiterin. "Und wir hatten nach der Feier tatsächlich einen One-Night-Stand, aus dem aber bald mehr wurde." Von Anfang an machte er seinem Herzblatt klar, dass das Ganze für ihn mehr ist als ein belangloses "Gschichtl"."Wir trafen uns bald regelmäßig. Es passte einfach, ich konnte mich schnell auf ihn einlassen", erzählt Sabine rückblickend. Vier Monate später machten die beiden ihre Beziehung auf Facebook publik - und somit auch vor allen Arbeitskollegen. "Aber wir sind hier im Büro nicht das einzige Pärchen, das ist also nix Ungewöhnliches," findet Sabine, die vor einem Jahr Mutter eines Sohnes wurde und zurzeit noch karenziert ist. "Wenn man die Beziehung wirklich will, spielt's auch keine Rolle, ob man zusammen arbeitet oder nicht", wären dem Klagenfurter mögliche Schwierigkeiten auch egal. Dazu Sabine: "Genau! Am wichtigsten ist, dass wir gemeinsam lachen können. Ich liebe ihn über alles!" Bei so viel Happyness: Haben sich die zwei bei so viel Nähe auch mal genervt? "Ich kann schon zum Biest werden. Vor allem dann, wenn ich Hunger habe", verrät Sabine und findet es ihrerseits nervig, dass sie für ihren Schatz ständig alles wiederholen muss, weil er nicht richtig zuhört. "Typisch Mann halt! Dafür ist er mein Seelentröster, der immer für mich da ist!" Markus: "Auch ich weiß, dass ich für Sabine nach unserem Sohn Felix das Wichtigste in ihrem Leben bin."