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Die dicke Lippe riskieren?

Ein schöner, voller Mund: Immer mehr Frauen lassen nachhelfen, wenn die Natur zu sparsam war. Mehr Volumen, definiertere Form und weniger Fältchen sind kein Problem für Beauty Docs. Aber was alles sollte man dazu wissen ...?

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Die dicke Lippe riskieren?
© istockphoto.com

Man redet ja nicht drüber, aber: Findest du deine Lippen auch zu schmal? Oder schon ein wenig zu runzelig? Etwas mehr Volumen, ein wenig mehr Schmoll am Mund, das wär schon was. Mit diesem Begehr stehst du nicht allein da. "Seit einigen Jahren steigt die Nachfrage nach Lippenunterspritzungen deutlich", erzählt der Plastische Chirurg Dr. Thomas Aigner. Vor allem, seit die Ergebnisse natürlicher und die Unterspritzung leistbar wurde. Um den Ansturm besser zu bewältigen, hat er kürzlich eine zweite Filiale seiner Ordination (schoenheit2go.at) in der Wiener Lugner City eröffnet. Eine bestimmte Zielgruppe gibt es nicht. "Die Kundinnen reichen von jungen Mädchen bis zu älteren Damen", analysiert Dermatologin Dr. Sabine Schwarz (hautzentrumwien.at). Aber worauf genau muss man bei dem Eingriff achten, und vor allem: Was passiert, wenn es schiefgeht?

Definiert. Drei Teile machen die Lippe aus: der Lippenkörper, das ist der rötliche Teil, den wir gemeinhin als Lippe bezeichnen, der Lippenrand, der diesen Teil begrenzt, und die Ober- und Unterlippe außerhalb. "Mit dem Alter franst der Lippenrand durch natürlichen Volumenverlust oder Fieberbläschen aus. Füllt man ihn wieder auf, sorgt das für eine sehr zarte Betonung und glättet auch die Fältchen rundherum", erklärt Dr. Schwarz. Dann wird der Lippenkörper gefüllt, entweder nur in der Mitte, beim Lippenherz, oder bis zu den Rändern, je nach Volumenswunsch. Füllstoff sind verschiedene Hyaluronsäuren. Dünnflüssigere Präparate bringen ein natürlicheres Ergebnis, halten aber nicht so lange. Nach 6 bis 8 Monaten hat sie der Körper abgebaut. Bei viel Volumensaufbau wird ein dickflüssigeres Produkt verwendet. Die Lippen werden etwas härter, dafür halten sie bis zu einem Jahr.

Trendsetting. "Vor allem junge Frauen kommen. Sie wollen den Istzustand vergrößern, das sind dann die prall gefüllten, sogenannten Kylie-Jenner-Lips. Da darf man auch sehen, dass etwas gemacht wurde. Ältere Damen möchten eher den vergangenen Zustand wiederherstellen", weiß Aigner. Ein aktueller Trend sind die "Da Vinci"- Lippen. Dabei werden diese im perfekten Verhältnis zueinander vergrößert, ähnlich dem Goldenen Schnitt in der Architektur. "Das ist aber nur ein Marketing-Name für etwas, was selbstverständlich sein sollte: dass sich die Lippe ideal ins Gesicht einfügt. Bei einer ganz bestimmten Vorstellung macht es Sinn, ein Foto mitzubringen", so Schwarz. "Dann bespricht man, ob das überhaupt möglich ist." Bei ausgeprägten Falten kombiniert Schwarz die Unterspritzung gerne mit stark verdünntem Botox, um Mimik und hängende Mundwinkel zu reduzieren. Zusätzlich zieht sie dünne Fäden in die Oberlippe. So baut sich eigenes Kollagen auf.

Schmerzhaft. Ganz schmerzfrei geht es übrigens leider nicht. Die Lippe ist extrem empfindlich. Schwarz empfiehlt deshalb eine Betäubung wie beim Zahnarzt. Dadurch erhöht sich aber die Schwellung etwas. Aigner arbeitet lieber mit betäubenden Cremen oder Schmerzmitteln in der Hyaluronsäure. Das bringt weniger Schwellung, dafür keine völlige Schmerzfreiheit. Generell muss man einige Tage mit Schwellungen rechnen. Das kann auch zum berüchtigten "Entenschnabel" führen, weil die Lippen etwas vorstehen. "Das ist aber nur eine Momentaufnahme", so Aigner. "Ist die Schwellung nach drei bis vier Tagen abgeklungen, haben die Lippen die gewünschte Form." Das Modell Entenschnabel als Wunschmund hat es übrigens in unseren Breiten, im Gegensatz zu den USA, kaum je gegeben. Inzwischen ist es auch dort fast nur mehr ein ungewolltes Ergebnis.

Wenn es danebengeht ... Wurde zu viel Volumen gespritzt, kann man Hyaluronidase injizieren. Dieses Enzym löst das Füllmaterial wieder auf. Ist das Volumen nur ein bisschen zu viel, empfiehlt Schwarz eine Behandlung mit Radiofrequenz bzw. gezielte Massage. Die dabei entstehende Wärme sorgt dafür, dass sich das überschüssige Material rascher abbaut.