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Innenministerin Mikl-Leitner im WOMAN-Interview

250.000 Kinder leben in Thailand auf der Straße, Zehntausende davon werden Opfer von sexuellem Missbrauch. Ein Heim in Pattaya versucht, diesen Kindern eine neue Perspektive zu geben. Die Innenministerin Mikl-Leitner im WOMAN-Interview über die Bekämpfung des Sextourismus in Thailand und was jeder von uns tun kann.


Innenministerin Mikl-Leitner im WOMAN-Interview
© Sandra Jungmann

Woman: Sie sind selbst Mutter zweier Töchter. Könnten Sie schreien vor Wut, wenn Sie an Pädophile und Sextäter denken? Oder welche Emotionen empfinden Sie?

Mikl-Leitner: Als Mutter verurteile ich das natürlich aufs Schärfste. Es ist erschütternd, dass es Kinder gibt, die so etwas erleben müssen.

Woman: Würden Sie einen Täter ertappen: Wie würden Sie handeln?

Mikl-Leitner: Das ist eine schwierige Frage. Aber grundsätzlich gibt es null Toleranz gegenüber Sextätern. Man darf nicht wegschauen, muss sofort zur Polizei gehen.

Woman: Es wird in Pattaya schon bald zwei Hilfseinrichtungen für betroffene Kinder geben. Eine davon besuchen wir. Welche Gedanken gehen Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an die 6- bis 17Jährigen denken, die schon so viel Leid erleben mussten?

Mikl-Leitner: Es macht mich traurig und berührt mich zutiefst. Es ist wichtig, dass es solche Hilfseinrichtungen wie das CPDC (Child Protection Development Centre) gibt. Sie geben den Kindern Hoffnung und eine neue Perspektive.

Woman: Die polizeiliche Zusammenarbeit zwischen Österreich und Thailand soll verstärkt werden. Das wurde jetzt mit einem Abkommen besiegelt: Welche Ziele (bei der Bekämpfung von Kinderpornographie und Sextourismus) sollen bis Jahresende noch erreicht werden?

Mikl-Leitner: Mit diesem Abkommen haben wir sichergestellt, dass unser Arm des Gesetzes bis nach Thailand reicht. Wir haben einen Verbindungsbeamten vor Ort, der mit den thailändischen Behörden zusammenarbeitet. Wird ein Sextourist aus Österreich von den thailändischen Behörden verhaftet, stellt dieser Verbindungsbeamte Beweise sicher, anhand derer dem Täter auch bei uns der Prozess gemacht werden kann. Bisher war es immer so, dass die Beweise für die österreichische Justiz nicht ausreichend waren. Aber nun gibt es auch für Sextäter aus Österreich keine Chance mehr, einer Verurteilung zu entkommen.

Woman: Und langfristig gesehen? Ist es realistisch, dass Pattaya jemals ohne Sextourismus sein wird? Oder ist das gar nicht das Ziel?

Mikl-Leitner: Das ist unser Ziel und würde mich sehr glücklich machen. Allerdings ist das ein langer Weg und nur mit einer internationalen Allianz möglich.

Woman: Warum ist dieses Projekt der österreichischen Innenministerin ein Anliegen?

Mikl-Leitner: Weil es null Toleranz gegenüber Sextätern gibt.

Woman: Wie sehr werden Passagiere von Ankunftsflügen aus Thailand am Wiener Flughafen kontrolliert?

Mikl-Leitner: Bei Flügen, die aus Thailand bzw. Pattaya in Wien ankommen, werden stichprobenartige Gepäckskontrollen durchgeführt - auch Laptops, etc. verdächtiger Personen werden auf Dateien und Fotos überprüft.

Woman: Gibt es statistische Aufzeichnungen darüber, wie viel Prozent der Sextouristen in Pattaya aus Österreich kommen? Aus welchen Ländern gibt es die meisten Täter?

Mikl-Leitner: Aus welchem Land die meisten Täter kommen, kann man nicht genau sagen. Es ist auch schwer, eine Dunkelziffer zu benennen. Sextouristen reisen aus ganz Europa an. Laut Informationen der thailädischen Behörden gibt es aber auch immer mehr Sextouristen aus Asien - vor allem aus Japan.

Woman: Wie kann jeder von uns helfen?

Mikl-Leitner: Hinschauen und nicht wegschauen! Man muss die Augen offen halten, gegebenenfalls die Polizei einschalten, die jedem Hinweis nachgehen wird.

Interview: Sandra Jungmann