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"Meine Oma war mein Dealer"

Ein schonungslos offenes Interview mit einer Schokosüchtigen - Nugatine M. erzählt aus ihrem tragisch-zartschmelzenden Leben.

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Schokosüchtig
© Thinkstock

Als wir sie treffen, knabbert Nugatine M. (der volle Name ist der Redaktion bekannt) nervös an einer Karotte - ihre Ersatzdroge, da das knackige Gemüse auch etwas Fruchtzucker enthält. Aber ihre wahre Leidenschaft gilt der Schokolade in all ihren Erscheinungsformen. Egal was, Nugatine hat es bereits probiert. Jetzt aber hat sie ihre Sucht im Griff und möchte ihr Erfahrungen mit uns teilen.

WOMAN: Wie hat deine Sucht begonnen?
Nugatine: Meinen ersten Kontakt zum braunen Gift hatte ich über Smarties - so ein kleines, buntes Zuckerl kann doch nicht schaden, dachte ich mir. Und schließlich haben andere Kinder auf dieser wilden Party zum 5-jährigen Geburtstag eines Kindergartenfreundes auch heimlich die Pillen eingeworfen und hatten einen riesigen Spaß dabei. Den wollte ich ebenso erleben. Es dauerte nicht lange und ich aß mein erstes Überraschungsei. Rasch wollte ich immer mehr und hielt das erste Mal eine ganze Tafel Nußschokolade in Händen. Und irgendwann war ich dann soweit und landete bei der gefürchteten Sachertorte...

WOMAN: Und wie bist du überhaupt an all dies gekommen?
Nugatine: Meine Oma war mein Dealer. Immer, wenn ich bei ihr war, hat sie mir heimlich etwas zugesteckt. Und wenn ich mehr wollte, bekam ich mehr. Ihre Quellen schienen unerschöpflich!

WOMAN: Kannst du uns beschreiben, wie sich so ein Schokorausch angefühlt hat?
Nugatine: Es begann mit dem zartschmelzenden Gefühl auf der Zunge, das sich wohltuend im gesamten Mund ausbreitete. Dein Körper entspannt sich, unwillkürlich beginnst du zu lächeln und dich besser zu fühlen. Aber so richtig gierig war ich nach dem Zuckerflash und dem Serotoninrausch, wo man aufgedreht wirkt und absolut glücklich ist. Da sich der Körper jedoch sehr rasch an eine bestimmte Dosis Schokolade gewöhnt, musste ich die Menge ständig steigern.

WOMAN: Was hat dich bewegt aufzuhören?
Nugatine: Meine Figur! Ich bin ja nun nicht mehr im Kindergartenalter und daher legen sich die Kalorien doch gehörig an! Und als ich mich mit den ganzen Models in diversen Zeitschriften verglichen habe, merkte ich doch erhebliche Unterschiede. In eben solchen fand ich zum Glück aber auch zahlreiche Diätvorschläge und nach aufwändiger Recherche im Internet die Ursache für mein Bäuchlein. Und daher wusste ich: So kann und darf das nicht weiter gehen! Meinem Hintern zuliebe!

Bedauerlicherweise müssen wir berichten, dass Nugatine kurz nach unserem Interview rückfällig geworden ist. Noch im Kaffeehaus, wo wir sie getroffen haben, verschlang sie zwei Schokomuffins, als wir kurz auf die Toilette verschwanden. Vor Ort sahen wir nur ein paar bräunliche Krümel um ihren Mund, wollten jedoch noch keine vorschnellen Verurteilungen aussprechen. Allerdings sahen wir nach der Verabschiedung die offene Rechnung, die sie uns hinterlassen hat. Wir wünschen Nugatine viel Glück auf ihrem Weg weg von ihrem schier ungebrochenen Schokoverlangen!

Thema: Schokolade

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