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So sexy ist Austro-Pop

Er macht leiwanden Dialekt-Jazz. Für sein neues Album hat er alte Danzer-Songs aufgenommen. Norbert Schneider: Diesen Musiker solltest du dir merken! Hier spricht der selbst ernannte Honigbär über dubiose Drogendealer und verrät, warum er so gern in Mikros haucht.

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So sexy ist Austro-Pop
© Stephanos Notopoulos

Eine Melange, dazu ein Bitter Lemon. Eine außergewöhnliche Kombi, die Künstler Norbert Schneider, 36, bei unserem Interview im Wiener Café Jelinek ordert. Er selbst ist eine nicht weniger interessante Mischung: Während er optisch an den lässigen James Dean erinnert, hat er sich musikalisch gerade an Kult-Liedermacher Georg Danzer herangetastet und interpretiert auf seinem aktuellen Album "Neuaufnahme" (erscheint am 7. Oktober) dessen Werke neu. "Mit Respekt und einer gewissen Kaltschnäuzigkeit", beschreibt's Schneider, der selbst schon seit knapp 20 Jahren Musik macht. Und für die Karriere im letzten Jahr sogar die Ausbildung zum Kindergärtner hinschmiss. "Das hat sich bei mir alles ziemlich langsam entwickelt. Zehn Jahre tümpelte ich mit meinen Songs erst mal im Untergrund herum", erinnert sich Schneider. Danach ging's immer weiter bergauf, und jetzt, zwei Amadeus Awards später, ist er sowieso ziemlich stark im Kommen! Ein echt cooler Typ, von dem wir gerne mehr wissen möchten: Wie viel Vorstadtcasanova steckt eigentlich in ihm? Und womit hat er Frauen schon mal unglücklich gemacht?

WOMAN: Auf Ihrer Facebook-Site steht unter "Beschreibung": "Auch bekannt als Sampi, launges Ölend, und Honigbär." Was bedeuten die Spitznamen?

Schneider: Das sind Spitznamen aus meiner Kindheit und Jugend. Sampi nennt mich eigentlich meine ganze Familie. Ich hatte früher so einen Wackelhund, der Sampi geheißen hat. Wenn man mit dem Finger unten reingedrückt hat, ist die Figur in sich zusammengefallen. Wenn du ausgelassen hast, ist er sofort wieder gestanden. Und ich war auch schon immer so ein schlacksiger Typ, der sich gern überall hingelegt hat. Meine Brüder haben mir deshalb den Namen gegeben.

WOMAN: Und was hat's mit "Honigbär" auf sich?

Schneider: Steht das da echt?!

WOMAN: Na, ich hab's nicht erfunden! Wie fühlen Sie sich heute: Eher "launges Ölend" oder doch eher "Honigbär"?

Schneider: (lacht) Dann nehm ich doch den Honigbären!

WOMAN: Eine Danzer-Nummer, die Sie aufgenommen haben, heißt "Vorstadtcasanova". Wie viel Playboy steckt in Ihnen?

Schneider: In mir wahrscheinlich wirklich nicht sehr viel, aber ich hab eine gewisse Affinität zu solchen Menschen. Als ich mit 18 mit der Blues-Musik begonnen habe, gab es in Wien eine richtige Szene. Das war das reinste Panoptikum, und ich fand es irrsinnig toll, weil da so viele verruchte Leute unterwegs waren. Drogendealer, Zuhälter, Huren Ich kannte das vorher so überhaupt nicht, am Land aufgewachsen, in Prottes, in der Nähe von Gänserndorf. Und ich bin ein großer Fan der 50er-Jahre - da haben Leute Blues gesungen, die tatsächlich kleinkriminell waren. Wenn ich mit solchen Menschen selbst verkehrte, fühlte ich mich besonders authentisch.

WOMAN: Was ist das Verruchteste an Ihnen?

Schneider: Ich weiß nicht, ob das verrucht ist!, aber ich kann ein ziemlicher Ego-Player sein. Das Künstlertum hat mich die Jahre über egozentrisch gemacht.

WOMAN: Immerhin sind Sie einsichtig Dann machen wir doch gleich so ehrlich weiter: Womit haben Sie Frauen schon unglücklich gemacht?

Schneider: Ich war in meiner Jugend ein ziemliches Arschloch, was die Damenwelt betrifft. Ganz, ganz fürchterlich! Ich hatte zum Beispiel mehrere Freundinnen gleichzeitig. Heute frag ich mich eh, was mich damals geritten hat. Aber das war wahrscheinlich wieder so ein Ego-Ding.

WOMAN: Also bitte, das spricht jetzt wirklich nicht für Sie!

Schneider: Ich bin damit eh ein paar Mal ordentlich auf die Goschn gefallen. Da haben sich die Damen dann gegen mich verschworen und mich ausgespielt. Und meine Ex-Frau, mit der ich drei Jahre verheiratet war, hat mich auch ganz großartig abserviert. Das reicht fürs Leben. Das brauch ich echt nicht öfter.

WOMAN: Zurück zu Ihrem Heimatdorf Prottes. Laut Wikipedia hat das Dorf gerade mal 1.380 Einwohner. Wie sehr hat Sie das Landleben geprägt?

Schneider: Bestimmt sehr. Und natürlich prägt einen irgendwann auch der Wunsch, aus diesem Mikrokosmos auszubrechen. (lacht) Was aber unbezahlbar ist: die unbeschwerte Kindheit, die ich dort erleben durfte habe. Das war so großartig. Und das schätze ich so wahnsinnig!

WOMAN: Mittlerweile leben Sie in Wien. Was ist typisch großstädtisch an Ihnen?

Schneider: Es ist vielleicht ein bisschen peinlich, das zu sagen, aber ich genier mich nicht! Also ich war schon oft dabei und hab auch schon viel Sekt getrunken. Eine Flasche kann ich bis heute nicht aufmachen. Und ich hab auch noch nie ein Lagerfeuer gemacht. In dieser Hinsicht bin ich ein degenerierter Koffer.

WOMAN: Sie sind in einer Langzeitbeziehung (mehr verrät Norbert Schneider nicht über sein Privatleben) und werden demnächst 37. Wünschen Sie sich Kinder?

Schneider: Ja, und wenn ich's mir aussuchen kann, hätte ich gerne drei. Gleichzeitig macht mir der Gedanke irgendwie Angst, dass ich dem Ganzen nicht gerecht werden könnte. Ich hatte unlängst mit jemandem in meinem Alter eine Diskussion übers Vaterwerden. Er meinte, dass er sich schon so drauf freut, seinem Kind dann viel beizubringen, und ich hab mir gedacht: "Heast, es gibt so wahnsinnig viel, das ich nicht weiß!"

WOMAN: Was ist das Kindischste an Ihnen?

Schneider: Mein dadaistischer Humor. Ich liebe es, skurrile Szenen zu erzeugen, einfach der skurrilen Szenen wegen. Zum Beispiel auf der Bühne zu stehen, nichts zu sagen, sondern nur ins Mikro zu hauchen. Und die Leute denken sich: "Scheiße, für den Trottel hab ich jetzt 25 Euro gezahlt?!" Darauf steh ich total! Humor ist sowieso sehr wichtig. Um mit Schicksalsschlägen, die einem im Leben passieren, umgehen zu können. Und auch die Frauen nimmt man am besten mit Schmäh. Da kannst noch so schiarch sein, mit Humor geht immer was! Das zählt oft viel mehr als Aussehen.

WOMAN: Im Video zu "Jö schau" sind Sie nackt zu sehen. Nur eine Gitarre verdeckt das Nötigste ...

Schneider: Fürchterlich! Das war eine Scheißidee! Und es war meine Idee Der Plan war aber, dass sich meine Bandkollegen ausziehen und ich im Gewand dastehe. Das haben aber alle abgelehnt, und so musste ich es dann selbst machen, weil ich so goschad war.

Themen: Musik, Society