Ressort
Du befindest dich hier:

Interview: Penélope Cruz als Campari-Model

Campari-Kalenders 2012. Wir trafen die Spanierin in London zum Talk über Pläne, hartes Training und Disziplin – und ihre Mutterrolle.


  • Penelope Cruz und WOMAN-Redakteurin Sandra Jungmann in London.

    Bild 1 von 8 © privat
  • Penelope Cruz als Model des Campari-Kalenders 2012.

    Bild 2 von 8 © Christian Schuller/Campari

Klimaanlage sei Dank, hat es gefühlte zehn Grad im Londoner In-Hotel „Berkeley“, wo wir Aktrice Penélope Cruz , 38, zum Interview treffen. Der heißblütigen Spanierin ist das offensichtlich nicht zu kalt – im mintfarbenen ärmellosen Sommerkleid begrüßt uns die Aktrice freundlich auf Spanisch und schlürft nebenbei genüsslich ihren Eiskaffee.

Passend dazu trägt sie schwarze Lackhighheels mit 15cm-Absatz (ja, liebe Damen: die Cruz ist in echt total klein!). Bevor das Gespräch beginnt, schickt sie noch schnell eine SMS an Herzblatt Javier Bardem , 43. Der ist mit Filius Leonardo, 1, daheim in Madrid geblieben – während Mama Penélope in der englischen Hauptstadt mit Regisseur Ridley Scott dreht und nebenbei den Campari-Kalender promotet…

WOMAN: Das Thema des neuen Campari-Kalenders ist „Aberglaube“. Sind Sie abergläubisch?

Cruz: Ich war es in meinen frühen 20ern. Das war verrückt – ich habe sogar selbst Rituale erfunden. Irgendwann dachte ich mir, dass ich meine Kreativität woanders investieren muss. Dann habe ich damit aufgehört. Ich bin übrigens der beste Beweis dafür, dass Aberglaube nichts bringt. Wir shooteten für den Kalender an einem Freitag den 13ten. Und wie Sie sehen: Wir leben alle noch! (lacht).

WOMAN: Sie machen Werbung für ein alkoholisches Getränk. Trinken Sie selbst überhaupt Alkohol?

Cruz: Wenig. Ich trinke gerne Bier oder ein Glas Wein. Unter Tags trinke ich nichts Alkoholisches. Es gibt viele Menschen, die gerne bei einem Glas Wein am Ende des Tages entspannen. Ich trinke aber nur zu besonderen Anlässen.

WOMAN: Apropos entspannen: Sie wurden jetzt für den Campari-Kalender fotografiert, davor drehten Sie mit Woody Allen „To Rome with Love“, jetzt stehen Sie für Ridley Scott vor der Kamera. Wann haben Sie Zeit, um zu entspannen?

Cruz: Ich arbeite ja nicht die ganze Zeit, sondern bin meistens mit meinem Mann und meinem Sohn zusammen. Die längste Zeit, die ich weg war, seit mein Sohn auf der Welt ist, waren dreieinhalb Monate. In dieser Zeit habe ich einen Film gedreht. Sonst war ich immer nur einige Wochen weg. Das Designen nimmt viel Zeit in Anspruch – Mónica ( Cruz’ Schwester, Anm. ) und ich haben gerade einen Vertrag mit einer englischen Modekette unterzeichnet, die wir beide sehr lieben und für die wir ab nächstem Jahr designen. Mehr darf ich dazu aber noch nicht verraten. Das Gute ist aber, dass ich diese Dinge prinzipiell von zuhause aus machen kann.

WOMAN: Sie sind neben Campari auch Testimonial für Mango, Oscarpreisträgern und die Muse von Woody Allen und Pedro Almodóvar. Hätten Sie sich das alles jemals erträumt?

Cruz: Ich wollte entweder Schauspielerin oder Balletttänzerin werden. Irgendwann musste ich mich aber entscheiden – und habe mit dem Tanzen aufgehört. Natürlich habe ich mit diesem Erfolg nie gerechnet. Ich habe es nicht gewagt davon zu träumen, weil das für mich nie realistisch war.

WOMAN: Offensichtlich trafen Sie die richtige Entscheidung…

Cruz: Ja. Ich habe 17 Jahre lang klassisches Ballett gemacht. Das war eine harte Zeit. Ich habe oft so lange trainiert, bis meine Füße bluteten. Wenn ich jetzt Profi-Tänzer auf der Bühne sehe, muss ich immer daran denken, wie viel diesen Menschen abverlangt wird. Unter welchem Druck sie stehen. Irgendwann habe ich begonnen, neben Schauspielstudium und Tanztraining, Castings zu besuchen. Und die Regisseure gaben mir die Rollen. Also habe ich mir gedacht, dass mein Talent wohl eher darin liegt. Es hat mich immer fasziniert, verschiedene Charaktere zu verstehen, in die Haut anderer Menschen zu schlüpfen. Von meinem Tanztraining habe ich aber immer profitiert. Nirgends wurde mir Disziplin besser beigebracht, als dort.

WOMAN: Wie bleiben Sie trotz all des Ruhms bodenständig?

Cruz: Meine Familie hätte es mir nie erlaubt und nie verziehen, ob meines Ruhms abzuheben. Wenn du kein Idiot bist, dir andere Menschen wichtig sind und du glücklich sein willst, dann heißt Glück sicher nicht Ruhm und Reichtum. Das sind leere, hohle Dinge. Natürlich spielt es dabei auch eine Rolle, wie man erzogen wurde. Wenn einem nie jemand vorgelebt hat, was richtige Werte sind – woher soll man sie dann kennen?

WOMAN: Wie war das bei Ihnen?

Cruz: Meine Mutter war Friseurin, mein Vater Verkäufer. Sie haben sehr hart gearbeitet, damit wir uns etwas zu Essen leisten konnten. Und das habe ich täglich gesehen. Man bekommt nichts im Leben geschenkt.

WOMAN: Sie sind seit eineinhalb Jahren Mutter eines Sohnes. Werden Sie ihm die gleichen Werte vermitteln? Schließlich wächst er anders auf als Sie…

Cruz: Natürlich! Die Werte, die man von seinen Eltern lernt, sollte man auch weitergeben. Man weiß ja, das sie richtig und gut sind. Aber man kann auch viel von Kindern lernen, was Werte und Prioritäten betrifft.

WOMAN: Wie haben sich Ihre Prioritäten seit Ihrer Mutterschaft verändert?

Cruz: Vor fünf Jahren habe ich noch so viele Filme gedreht, dass ich kaum zuhause war. Ich habe mein Leben ausschließlich der Arbeit und den Charakteren, die ich gerade spielte, gewidmet. Irgendwann habe ich gesagt: Stop! So kann ich nicht weitermachen. Ich wollte einen Rhythmus, der Zeit für die Familie zulässt. Wenn man ein Kind bekommt, hat dieses kleine Lebewesen natürlich oberste Priorität. Jede Entscheidung die du triffst, triffst du nicht mehr für dich, sondern für einen anderen Menschen. Man muss sich selbst zurücknehmen. Es ist gut so, wie es ist.

Redaktion: Sandra Jungmann