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Iranische Frauen: Befreiung auf Facebook

Sie zeigen sich ohne Hidschāb: Mit einer Facebook-Gruppe proben iranische Frauen um die Journalistin Masih Alinejad einen Aufstand gegen die Verschleierung.


Iranische Frauen: Befreiung auf Facebook

Junge Frauen aus dem Iran zeigen sich unverhüllt

© StealthyFreedom

Es ist eine kleine und leise, aber dennoch eine Revolution. Mehrere tausend iranische Frauen legen ihren Taschador ab und veröffentlichen im Web Bilder, die sie völlig unverschleiert zeigen. Damit wollen sie eine Debatte initiieren. "Jede Frau", so die in England lebende Journalistin Masih Alinejad, "soll frei entscheiden dürfen, ob sie den Hidschāb tragen will oder nicht."

Alinejad ist Gründerin der Facebook-Gruppe Stealthy Freedom (zu deutsch: "Verstohlene Freiheit"), die erst vor wenigen Tagen gegründet wurde und bereits mehr als 181.000 Fans hat. Iranische Frauen posten unter dem Hashtag #StealthyFreedom Bilder von sich – im Park, auf der Straße, am Strand. Befreit von ihrem Kopftuch, mit wehendem Haar und bewegenden Botschaften.

Stealthy Freedom: Sanfter Protest gegen die Verschleierung

"Der Hidschāb soll meine Gedanken, Worte und Taten verbergen. Ich verabscheue es, so kontrolliert zu werden!", schreibt eine Frau. Eine andere, Masooleh, postet zu einem Bild, das sie unverhüllt zeigt: "Mein Mann und ich haben lange nach einem Ort gesucht, an dem er mich ohne Schleier fotografieren konnte. Einen Fleck, an dem keine Beobachter sind. Es gab nur uns, die Sonne, die Frühlingsbrise. Wir sind gesprungen, bis wir müde waren – ein Moment ungewohnter Freiheit!"

"Mein kurzer Moment verstohlene Freiheit ist es, wenn ich ohne Verschleierung in meinem Auto durch die Straßen Teherans fahren kann und der Wind durch mein Haar fährt," so Maryam, eine andere Userin.

Dem britischen Guardian erzählte Initiatorin Masih Alinejad: "Kaum hatte ich die Facebook-Gruppe gegründet, wurde ich mit Fotos und Nachrichten iranischer Frauen regelrecht überschüttet. Ich bin drei Tage lang kaum zur Ruhe gekommen."

Sie überprüfe bei jedem Bild, ob es von einer realen Person geschickt wurde und frage sicherheitshalber nochmals nach, ob die Frau das Bild wirklich veröffentlichen wolle. "Ich stelle es aber jeder frei, ob sie ihren echten Namen angeben will oder nicht."

Es gehe ihr mit der Facebook-Gruppe nicht darum, den Hidschāb völlig abzuschaffen. "Meine Schwester lebt ebenfalls in London," so die Journalistin, "Sie verhüllt sich, weil sie es möchte, nicht weil sie dazu gezwungen wird." Was sie erreichen wolle, sei, dass jede Frau selbst entscheiden könne, ob sie sich verschleiere oder nicht.

Hidschāb: Religionspolizei kontrolliert

In der 40-Grad-Hitze des iranischen Sommers loten bereits jetzt viele Frauen in der Hauptstadt Teheran die Grenzen aus, indem sie den Hidschāb lockern oder modernere, sportliche Kleidung tragen. Doch nach wie vor befinden Teile der Behörde dieses Verhalten für "unislamisch". Eine Religionspolizei patroulliert auf den Straßen,nimmt die Frauen wegen "moralischer Verderbnis" oder aus "mangelndem Respekt vor dem Hidschāb" fest.

Zwar sprach sich der iranische Präsident Hassan Rouhani gegen dieses harte Vorgehen aus – doch seine Regierung hat wenig Kontrolle über diese konservativen Gruppierungen. Diese unterstehen nämlich teilweise anderen politischen Institutionen wie etwa den Sepah, den "Revolutionsgarden" (einer paramilitärischen Organisation).

Hardliner warnten Rouhani vor jedweden Kompromissen in der Verschleierungs-Frage. Erst vor wenigen Wochen protestierten in Teheran mehrere tausend Menschen in Teheran für eine Verschärfung der Regeln für das Tragen des islamischen Kopftuchs.

Thema: Sexismus