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Diese iranische Streaming-Plattform hat alle Musikerinnen vom eigenen Album-Cover gelöscht

Immer, wenn du glaubst, dass das mit der weiblichen Emanzipation eh gut läuft - denk an Länder wie den Iran. Dort wurden auf einer Streaming-Seite einfach alle Bilder von Musikerinnen wegretuschiert.

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Diese iranische Streaming-Plattform hat alle Musikerinnen vom eigenen Album-Cover gelöscht
© Photo by Alice Moore on Unsplash

Die Musik von Lady Gaga, Nicki Minaj oder Lana Del Rey findet man auf der iranischen Streaming-Seite Melovaz ohne Probleme. Doch visuell sind sie nirgends vertreten. Nicht auf Fotos und auch nicht auf ihren eigenen (!) Album-Covern. Von Letzteren wurden die Musikerinnen einfach gelöscht - wegretuschiert.

Aufgefallen ist das einem Twitter-User namens izzi, der schrieb: "Wenn dir gerade langweilig ist, dann kannst du versuchen, auf dieser Streaming-Plattform Bilder der Musikerinnen zu finden."

Irgendwie zu crazy, um wahr zu sein. Doch leider stellt man schon nach kurzem Scrollen über die Startseite von Melovaz fest: Es gibt hier keine einzige Frau zu sehen. Außer man zählt die verschwommene Gestalt auf dem Cover von "Dinner Music (Playlist)" als echte Abbildung einer weiblichen Person.

Wie schon einige UserInnen zuvor, haben auch wir einige der Neuerscheinungen von Musikerinnen abgecheckt. Hier das gruselige Ergebnis - links die Originale, rechts die retuschierten Versionen:

Camila Cabello - "Liar"
Lana Del Rey - "Norman Fucking Rockwell!"
A Star is Born Soundtrack mit Lady Gaga und Bradley Cooper

Nachdem diese Entdeckung auch vom populären Twitter-Account Pop Crave geteilt wurde, meldete sich Rapperin Iggy Azalea mit einem genialen Tweet zu Wort: "Ich habe in jedem einzelnen meiner Songs eine Vagina-Anspielung versteckt. Wer lacht jetzt?"

Doch Spaß beiseite. Warum gibt es keine Musikerinnen auf Melovaz? Im Iran ist die Unterdrückung der Frau seit ungefähr 40 Jahren allgegenwärtig spürbar. Frauen müssen sich verschleiern, dürfen nicht alleine auftreten und singen - schon gar nicht vor Männern. Zensuriert wird alles, das nicht dem Weltbild der Theokratie entspricht. Auch im Netz! Da wird auch vor westlichen Inhalten - wie man in diesem Beispiel gut sehen kann - nicht Halt gemacht.

Außerdem gibt es kaum ausländische Webseiten oder Anbieter im Netz (zB. Spotify), die man im Iran aufrufen könnte. Instagram funktioniert zwar noch, wird aber auch von der Zensurpolizei überwacht. Erst kürzlich wurde Influencerin Sahar Tabar (auch bekannt als Zombie-Angelina) festgenommen. Laut dem Guardian wird ihr vor allem Blasphemie vorgeworfen. Diese ist im Iran strafbar.

Nicky Minaj - "Queen"

Einige Medien haben schon versucht, ein Statement von Melovaz zu bekommen. Und der Druck auf Twitter wächst immer weiter. Doch trotzdem wird sich auf der Streaming-Seite wohl kaum was ändern. Schließlich können die Betreiber sicherlich mit einem Verbot ihrer Dienste rechnen, wenn sie gegen die Zensur-Regeln verstoßen.

Lil' Kim - "9"

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