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Isabelle Sawetz & Eva Wegrostek im Mutter-Tochter-Doppel-Talk: "Ich will Mamas Job!"

Eva Wegrostek & Isabelle Sawetz: Die Beauty-Ärztin bekommt Konkurrenz. Von einer jungen Brünetten mit Modelmaßen, die im weißen Ordinationskittel durch ihre Praxis fegt! Doch gefährlich werden sich diese Frauen nicht – sind sie doch Mutter & Tochter.


Isabelle Sawetz & Eva Wegrostek im Mutter-Tochter-Doppel-Talk: "Ich will Mamas Job!"
© Roland Ferrigato

Eva Wegrostek, 43, ist mächtig stolz auf ihre Tochter. Schließlich hat Isabelle, 18, die gerade mit ihrem Vater Peter Sawetz einen Tauchurlaub im ägyptischen Sharm el Sheickh genießt, die Aufnahmeprüfung für das Medizinstudium mit Bravour bestanden. Und sie verkündet jetzt schon: „Ich will Muttis Ordination übernehmen!“ Dass Isi da in ganz schön große Fußstapfen tritt – immerhin war Wegrostek jahrelang Anästhesistin am Wiener Hanusch-Krankenhaus und gilt jetzt als Grandezza für Unterspritzungen – ist ihr durchaus bewusst. Deshalb hat die Theresianum-Absolventin, die nebenbei modelt und sich selbst als konservativ bezeichnet, auch ein paar Wochen der Sommerferien geopfert, um an der Uni einen Vorbereitungskurs zu belegen und für den fünfstündigen Test zu pauken. Wir sprachen mit den beiden über ihr Verhältnis, eitle Männer & gesunde Geheimnisse...

WOMAN: Isabelle, wie war die Uni-Prüfung?

Isabelle: Es war anstrengend, weil man sich durchgehend konzentrieren muss. Ich musste falsche Buchstaben aus einem naturwissenschaftlichen Text streichen. Meine Augen waren so fokussiert, dass ich danach paar Minuten lang nur verschwommen sah! Man wird auf Herz und Nieren geprüft: dreidimensionales Sehen, Kurzzeitgedächtnis etc. Ich kam zum Beispiel eine Liste mit Patientennamen, Alter, Krankheiten, Charaktereigenschaften. Dazwischen musste ich medizinische Kurztexte lesen. Und nach 45 Minuten prüfen sie dich ab, wie die Patientin mit dem Asthmaleiden heißt und wie alt der Mann ist, der als cholerisch gilt...

WOMAN: Fiel Ihnen das Lernen schwer? Sie haben schließlich vor über einem Jahr maturiert und die letzten Monate als Orientierungsjahr verwendet. Viele junge Leute bringen da genauso genommen nix weiter.

Isabelle: Bei mir war es nicht so! Das war die beste Entscheidung meines Lebens. Ich habe diese Zeit sinnvoll genutzt, arbeite in einem Krankenhaus mit psychisch-kranken Menschen, weil mich Psychologie sehr interessiert. Ich hab in der Praxis von Dr. Artur Worseg mitgeholfen und auch bei der Caritas. Es war alles unentgeltlich, aber die Erfahrungen, die ich dort machen durfte, sind mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen! In der Privatschule, besonders im Theresianum, lebt man in einer Art Kokon. Man ist immer in einer geschützten Umgebung, dort sind nur wohlhabende Leute um einen herum, denen es gut geht. Auch wenn man weiß, dass es anderen nicht gut geht, ist es etwas anderes, wenn man sieht, wie schnell man fallen kann. Ich habe Top-Manager kennen gelernt, die einen hohen gesellschaftlichen Status hatten. Und plötzlich wurden sie durch Alkohol dement, weil das Trinken ihr einziger Weg war, den Druck im Job zu auszuhalten. Wenn man so einen Menschen sieht, wie er im löchrigen Wollpullover vor einem sitzt und die letzten 15 Jahre vergessen hat, dann wird einem echt anders. Es war die beste Vorbereitung auf den Ernst des Lebens.

WOMAN: Hut ab! Sie sind ja bei einer Modelagentur in Wien und hätten auch in London oder Paris Shooting-Jobs annehmen können.

Isabelle: Dort war ich eh zwei Monate lang. Aber nicht zum Modeln. Ich habe an der Rezeption einer Sprachschule gejobbt, um mein Französisch und Englisch aufzubessern, mir selbst eine Wohnung zu suchen und zu schauen, wie ich allein zurecht komme...

WOMAN: Und, wie war’s?

Isabelle: (lacht) Ein paar mal habe ich schon nach Österreich telefoniert. Aber im Großen und Ganzen bin ich stolz auf mich, weil ich es geschafft hab. Hier in Wien lebe ich ohnehin schon seit einem Jahr in meinen eigenen vier Wänden...

WOMAN: Eva, wie geht’s Ihnen mit dem Loslassen? Isi ist Ihr einziges Kind.

Eva: Naja, ich blicke ja nur über den Hof (lacht) ! Dort ist eine kleine Garconniere und wenn Isi Lust hat, kommt sie heraufgewieselt und wir frühstücken gemeinsam oder kochen...

Isabelle: Ja, das ist eine schöne Freiheit. Trotzdem bin ich froh, dass ich in meiner Wohnung meine Ruhe habe. Gott sei Dank lässt mir Mama diese Privatsphäre und kontrolliert mich nicht.

WOMAN: Sie waren nicht dabei, als Isi den ersten Schritt machte oder zum ersten Mal Mama sagte – weil Sie nach der Geburt arbeiten gingen und das Kind bei der Oma war. Macht Sie das schlechte Gewissen zu einer kulanten, coolen Mutter?

Eva: Es war immer mein Bestreben, dass wir auch ein freundschaftliches Verhältnis haben. Ich selbst wurde ja wahnsinnig konservativ und streng erzogen, durfte gar nichts. Das wollte ich für Isi nicht. Ich habe ihr Werte vorgelebt und als sie 16, 17 war, konnte ich sie beruhigt ziehen lassen. Ich kann ja nicht neben ihr auf den Partys sitzen. Die Entscheidung „für oder gegen Drogen“ muss der junge Mensch allein treffen. Ich bin aufgrund meiner strengen Eltern einige Male aus dem beengenden Korsett ausgebrochen...

WOMAN: Wollen Sie darüber reden?

Eva: (lacht) Nein.

WOMAN: Weil es Ihre Mutter bis heute nicht weiß?

Eva: Oja, die suchte mich ja mit der Polizei! (lacht)

Isabelle: Schau her, was sich da für Abgründe auftun! Mami!

Eva: Das war sehr lustig damals. Ich behauptete, ich fahre nach Italien. Doch in Wahrheit für ich mit Zwillingsbrüdern aus Salzburg – beide heute Kieferchirurgen – nach Rovinj campen. Die erste Woche habe ich mich brav zuhause gemeldet, aber ich wusste: wenn ich sage, wo ich bin und ob ich noch länger bleiben kann, hätten mich meine Eltern sofort abgeholt! Die hätten mir das Campen nie erlaubt! Also blieb ich zwei Wochen lang verschollen und wurde von der Polizei gesucht...Deshalb sehe ich auch Streiche meiner Tochter immer mit einem Augenzwinkern.

WOMAN: Haben Sie Geheimnisse vor einander?

Eva: Nur gesunde Geheimnisse. Also Dinge, worüber sich Mutter und Tochter nicht unbedingt austauschen müssen.

WOMAN: Männer, Sex...?

Isabelle: Ja, das auf jeden Fall. Sicher erzähl ich Mama, wer en vogue ist. Aber Details spare ich aus.

Eva: Ich wäre nie die Mutter, die den Liebhaber der Tochter einlädt und ihnen anbietet, nebenan zu übernachten.

WOMAN: Isi, haben Sie einen Freund zurzeit?

Isabelle: Nein, ich bin seit drei Jahren Single. Bin sehr wählerisch. ich ab viele Kumpelfreunde, weil ich mich mit Burschen fast besser versteh als mit schnatternden Mädchengruppen. Ich bin ein ruhiger Typ und das mögen die Burschen. Das sind echte Kavaliere, helfen mir in den Mantel, sind wohlerzogen. Mit Ihnen geh ich aus, fahre auf Urlaub. Aber tiefere Gefühle gibt’s da nicht.

WOMAN: Apropos Männer: Sie erleben ja einen Ansturm an männlichen Patienten, die zu nicht chirurgischen Facelifts kommen. Woran liegt’s?

Eva: Die werden von ihren Frauen geschickt! Wie kommt man als attraktive Dame dazu, dass man neben sich einen ungepflegten Teufel sitzen hat (lacht) ? Oft ist es mit Haareschneiden, Pediküre und Maniküre nicht getan! Wer rennt den gerne mit geplatzten roten Äderchen herum? Das schaut ja nicht sehr fesch aus. Ein russischer Patient, der darunter leidet, sagt mir: „Das kommt vom Vodka trinken. Aber bevor ich damit aufhöre, komm ich lieber lasern!“ Mit leichten Peelings kann man prophylaktisch für eine schöne Haut sorgen. Früher kamen vorwiegend Politiker und Fernsehmoderatoren. Heute lässt sich auch der Installateur und der Taxifahrer unterspritzen. Das Gesicht ist bei jedem die wichtigste Visitenkarte!

WOMAN: Darf Isi eigentlich in der Praxis mithelfen?

Eva: Ja, sie erledigt die Verwaltungsarbeit, macht Fotodokumentationen. Ob ich ihr noch mehr zutraue, hängt davon ab, wie sie sich während des Studiums anstellt. Das gleiche gilt für die Bezahlung.
Isabelle: Ach, ich brauche kein Geld. Mama hat mich eh beim Einrichten meiner Wohnung finanziell unterstützt.

WOMAN: Sind Sie sich eigentlich ähnlich?

Eva: Wir kochen zwar gern miteinander, sporteln und reisen. Aber vom Charakter sind wir unterschiedlich. Auch von der Art sich zu kleiden. Die ist so konservativ, geht ja nur in gedeckten Farben spazieren... und sagt mir immer, ich sei zu progressiv angezogen. Trage ich Lack und Leder, stellen sich bei Isi die Haare auf! (lacht)

Isabelle: Das war so, als ich im Theresianum war. Da kamen alle Mütter in hochgeschlossenen weißen Blusen und mit Perlensteckern. Und Mama stand mit Overknees und bodenlangem Ledermantel da. Na Mahlzeit! Die hat mir alle nervös gemacht! Dabei fällt sie ja auch ohne bunte Kleidung auf... Ich hätte Mama lieber angepasst gesehen.

WOMAN: Ihre Mutter ist zweifach geschieden. Ist für Sie die Ehe eine Option?

Isabelle: Unbedingt! Und ich will nur einmal heiraten, und, dass meine Ehe später einmal hält! Ich wünsch mir einen Mann, drei Kinder, einen Hund – und die Übernahme von Mamas Ordination. Sie hat sich das bestimmt auch einmal gewünscht. Es kam leider anders. Also fragen Sie mich am besten in 30 Jahren wieder. Vielleicht bin ich dann schon fünfmal geschieden.

Interview: Petra Klikovits