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Israel: Heute im Morgenland

60 Jahre und kein bisschen leise. Israel feiert heuer seinen sechzigsten Geburtstag – und erfindet sich noch immer an jedem Tag neu. Wir sind von Tel Aviv ans Tote Meer gereist – und erlebten ein Land zwischen Partytime und Gebetsstunden.


Israel: Heute im Morgenland
© WOMAN/Bertram

Was, du warst in Israel! Hattest du denn keine Angst?“ Ehrlich gesagt: Nein, hatte ich nicht. Zu keinem Zeitpunkt und an keinem einzigen Ort in diesem wunderbaren Land! Obwohl, am Anfang ist es schon ein seltsames Gefühl, wenn in jeder Hotellobby bewaffnete Soldaten herumstehen, Maschinenpistolen tragende Väter den Schulausflug ihrer Kinder begleiten oder zwischen dem eigenen Handtuch am Strand und den Stellungen der Hamas im Grunde nicht mehr als ein paar Raketensekunden liegen … doch „das Leben geht weiter“ – kein Tag, an dem ich diesen Satz nicht in irgendeinem Straßencafé gehört hätte.

Und kein Tag , an dem die Israelis nicht nach diesem Motto leben würden. Wahrscheinlich kann man deshalb nirgendwo auf der Welt besser feiern als hier. Die absolute Partyhochburg des Landes ist Tel Aviv, mit seiner Beachpromenade, den Wolkenkratzern und dem kosmopolitischen Lifestyle. Besonders angesagt: das alte Hafenviertel im Norden der Stadt. Einst landeten an den langen Holzstegen die Einwandererschiffe. Heute residieren in den Lagerhallen entlang der Kais durchgestylte Restaurants, chice Bars und In-Clubs (unbedingt ausprobieren: die Burger im Agadir, die Seafood-Pasta im Mul Yam und die Drinks im Whiskey a Go-Go).

Wäre man sich nicht ganz sicher , erst an diesem Nachmittag am Ben-Gurion-Flughafen gelandet zu sein, man könnte sich ebenso gut auch in Miami oder Barcelona wähnen. Doch dann flaniere ich im Morgengrauen an den letzten Lagerfeuern und Spontanpartys vorbei den Strand hinunter und bin mir spätestens im Hotel sicher, tatsächlich in Israel zu sein. Über Nacht ist es nämlich Sabbat geworden – der wöchentliche Feiertag, an dem den frommen Juden das Arbeiten verboten ist. Und da selbst das Betätigen eines Hotelaufzugsknopfs eine Art Arbeit darstellt, hält der Sabbat-Lift an diesem Morgen einfach selbständig und ohne Drücken in jeder Etage. Tür auf, Tür zu vom Erdgeschoß bis in den 14. Stock – da bleibt genügend Zeit, über die unorthodoxen Methoden der Orthodoxen zu schmunzeln.

Reise durch 5.000 Jahre Geschichte. „Wenn Tel Aviv rockt, dann wippt Jerusalem höchstens mit dem Fuߓ, erklärt der Busfahrer später am Nachmittag auf dem Weg in jene Stadt, die Juden, Christen und Muslimen gleichermaßen heilig ist. Und tatsächlich weht rund um den Tempelberg ein ganz anderer Wind als unten am Meer. Überall sind Jerusalems 5.000-jährige Geschichte und seine tiefe Religiosität lebendig – egal ob man die Via Dolorosa entlangläuft, den weit gereisten Gläubigen beim Gebet an der Klagemauer zuschaut oder dem Ruf des Muez­zins von der Al-Aqsa-Moschee lauscht. Tipp: Bleiben Sie über Nacht, und erkunden Sie die Altstadt, nachdem die Pilgermassen verschwunden sind. Man muss kein sonderlich spiritueller Mensch sein, um den Spirit dieses Ortes in diesem Moment zu spüren und um erahnen zu können, warum ein Quadratkilometer Gassengewirr zum Sehnsuchtsziel der halben Menschheit wurde.

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