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Ist eine heimliche Abtreibung ein Scheidungsgrund?

Du bist schwanger, aber noch nicht bereit für ein Kind. Ist eine heimliche Abtreibung ein Scheidungsgrund? Und welche Rechte hat der Partner?

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Ist eine heimliche Abtreibung ein Scheidungsgrund?
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Es ist logisch: Wenn eine Frau sich aus triftigen Gründen (zB wegen gesundheitlicher Risiken für Mutter oder Kind) für einen Schwangerschaftsabbruch entscheidet, liegt keine Eheverfehlung vor.

Was aber ist, wenn eine verheiratete Frau das gemeinsame Kind abtreibt, ohne ihren Mann vorher davon zu informieren? Mit dieser Frage war neulich der Oberste Gerichtshof (OGH) beschäftigt. Das Urteil der Höchstrichter: Ein grundloser und nicht einverständlich vorgenommener Schwangerschaftsabbruch kann im Scheidungsverfahren ein Scheidungsgrund sein. Rechtsanwältin Carmen Thornton (thornton-law.at) informiert für WOMAN über die Rechtslage.

Rechtsanwältin Carmen Thornton ist auf Scheidungsverfahren und Familienrecht spezialisiert

Eine heimliche Abtreibung ist ein schwerwiegender Vertrauensbruch

Das Gesetz verlangt von den Ehepartnern, dass sie ihre Lebensführung einvernehmlich gestalten. Daher müssen sie grundlegende Entscheidungen wie etwa die Familienplanung gemeinsam besprechen und sich zumindest bemühen, eine Lösung zu finden. In einer funktionierenden Ehe sollte es auch eine Selbstverständlichkeit sein, dass die Entscheidung, ein Kind nicht zu bekommen, von beiden Elternteilen getragen wird. Wenn die Frau das gemeinsame Kind abtreibt, ohne vorher mit ihrem Partner darüber zu sprechen, ist das ein schwerwiegender Vertrauensbruch.

Was geschieht, wenn sich die Ehepartner bei der Familienplanung nicht einigen?

Aber was passiert, wenn sich die Ehepartner bei der Kinderplanung nicht einigen können?

Natürlich kann kein Mann seine Ehefrau zu einem Schwangerschaftsabbruch zwingen. Wenn der Ehemann seine Frau ohne wichtigen Grund massiv zu einem Schwangerschaftsabbruch drängt, kann das ein Scheidungsgrund sein. Umgekehrt kann der Mann es aber auch in einer Ehe nicht verhindern, wenn sich seine Frau zu einer Abtreibung entschließt. Letztendlich entscheidet also immer die Frau, ob sie das Kind bekommen möchte oder nicht.

Wer ist schuld, wenn es ob der Kinderfrage zur Trennung kommt?

Ein unerfüllter Kinderwunsch kann aber eine echte Zerreißprobe für ein Paar sein. Wenn die Ehe daran scheitert, stellt sich im Scheidungsverfahren natürlich die Schuldfrage. Kann man einer Frau vorwerfen, dass sie keine Kinder bekommen möchte? Oder ist kein Ehepartner schuld, wenn es aus diesem Grund zur Trennung kommt, weil beide einfach zu unterschiedliche Vorstellungen vom Leben hatten? Der OGH hat dazu noch nicht Stellung genommen. Wahrscheinlich lässt sich diese Frage auch nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten.

Auf der einen Seite hat eine Schwangerschaft massive Auswirkungen auf den Körper der Frau. Das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung bedeutet auch, dass jede Frau selbst entscheiden kann, ob sie Kinder bekommen möchte oder nicht. Auf der anderen Seite basieren viele Ehen auf der Erwartung, gemeinsam Kinder zu haben. Wenn sich dann herausstellt, dass der Kinderwunsch nicht erfüllt wird und die Lebensplanung völlig über den Haufen geworfen wird, ist es auch verständlich, wenn der Partner die Ehe hinterfragt. Wenn ein Partner unbedingt Kinder möchte, der andere auf keinen Fall, wird man kaum auf einen gemeinsamen Nenner kommen.

Hier wird es wahrscheinlich auch darauf ankommen, worauf sich die Ehepartner zu Beginn der Ehe verständigt haben. Wollten die Ehepartner eigentlich kinderlos bleiben, wird man der Frau sicherlich keinen Vorwurf machen können, wenn der Mann plötzlich seine Meinung ändert.

Was denkt IHR darüber? Wenn der Mann ein Kind möchte, die Frau sich aber für eine Abtreibung entscheidet – ist das ein Scheidungsgrund? Ja oder Nein?

Über die Autorin: Mag. Carmen Thornton ist selbständige Rechtsanwältin in Wien. Ihre Kanzlei ist spezialisiert auf Scheidungen, Obsorge und Unterhaltsverfahren. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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