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Istanbul: Minirock-Protest gegen Frauenmorde

Nach dem Mord an einer Studentin schließen sich nun auch Männer den Frauen-Demos in Istanbul an. Im Mini-Rock protestieren sie gegen die Gewalt an Frauen. #sendeanlat


Istanbul: Minirock-Protest gegen Frauenmorde

Kaan Vural protestiert im Minirock gegen die Gewalt an Frauen

© Reuters/Murad Setzer

Wenn seine Mutter ihn normalerweise so sehen würde, dann wäre sie nur mäßig begeistert. Aber heute, sagt der Student Kaan Vural, heute ist sie stolz auf ihn. Stolz, dass er in einem Minirock demonstrierend durch die Straßen von Istanbul zieht.

Kaan ist einer von hunderten türkischen Männern, die bei einem Protestmarsch in Miniröcken gegen die Gewalt gegen Frauen in ihrem Land protestierten. Der Fall der 20-jährigen Studentin Özgecan Aslan, die im südtürkischen Tarsus nach einem Vergewaltigungsversuch von einem Minibusfahrer ermordet wurde, hat in der Türkei eine heftige Debatte über die Ursachen der weit verbreiteten Sexualstrafttaten und Misshandlungen von Frauen ausgelöst.

Seit dem Mord an Özgecan Aslan gehen die Frauen in der Türkei auf Straße

Menschenrechtsorganisationen und Frauenrechtlerinnen beklagen seit Jahren zunehmende Gewalt gegen Frauen in der Türkei. Allein 2014 wurden (die Angaben variieren) zwischen 250 und 323 Frauen von Männern ermordet. Vor allem in islamisch-konservativen Kreisen taucht dabei immer wieder der Vorwurf auf, die Frauen hätten die Gewalttaten durch ihre allzu freizügige Kleidung nur provoziert.

Für die Demo zogen sich die protestierenden Männer deshalb Röcke an. Viele hatten auf Twitter Bilder von sich im Minirock veröffentlicht - unter dem Hashtag #ozgecanicinminietekgiy .

#sendeanlat: Türkische Frauen berichten über ihre Erfahrungen mit Gewalt

Zwar verurteilen auch Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und Premierminister Ahmet Davutoglu die Tat aufs Schärfste. Doch Kritiker machen auch ihre streng konservative AKP-Partei für die frauenfeindliche Haltung vieler Männer verantwortlich. Erdogan hat mehrfach gefordert, eine türkische Frau solle früh heiraten und mindestens drei Kinder zur Welt bringen. Eine Haltung, die dazu beitrage, die Frau als dem Mann untergeordnetes Wesen zu betrachten.

"Gewalt an Frauen und Sexismus sind ein grundlegendes Problem der türkischen Gesellschaft," so Demonstrantinnen zur Nachrichten-Agentur Reuters. Unter dem Hashtag #sendeanlat ("Erzähl auch du") berichten auf Twitter plötzlich viele Frauen über ihre Erfahrungen mit sexueller Gewalt.

Protestmarsch im Minrock

Dass sie nun Unterstützung durch junge Männer erhalten, sehen sie als positives Signal: "Es gibt in der Türkei auch viele weltoffene Männer, die nicht wollen, dass ihre Töchter, Schwester oder Mütter als leichte Beute und mindere Wesen betrachtet werden."

Thema: Sexismus