Ressort
Du befindest dich hier:

Würdest du das schaffen? Ein Jahr ohne Spiegel

Uns ist oft gar nicht bewusst, wie oft wir tatsächlich täglich in den Spiegel sehen – aber wie würde es uns erst gehen, wenn wir gleich 12 Monate gar keinen Spiegel mehr verwenden würden?

von

Spiegelbild
© iStockphoto.com

Unser Spiegelbild begegnet uns täglich: in der Früh beim Zähneputzen und Schminken, im Rückspiegel des Autos, eine Reflektion in einer Fensterscheibe – kannst du dir daher vorstellen, dass du dein gespiegeltes Alter Ego ein ganzes Jahr nicht sehen kannst? Kjerstin Gruys hat diesen Selbstversuch gewagt und diesen sogar bei ihrer eigenen Hochzeit nicht unterbrochen.

Eigentlich wäre es so ein schöner Anlass gewesen: Kjerstin Gruys hat sich verlobt und war dabei ein Brautkleid zu shoppen. Irgendwann verspürte sie dabei aber einen so immensen Druck, dass sie überhaupt keine Vorfreude mehr empfand. Eher das Gegenteil. Der Druck jedoch kam aus ihr selbst: Schließlich würden sie bei der Hochzeit ja alle ansehen und sie müsste doch perfekt sein. Und somit würde der eigene Blick auf sich selbst immer kritischer und selbstzerstörerischer. Also setzte sie dem ein Ende und sich selbst auf Entzug vor sich selbst.

Sie verhängte die Spiegel in ihrer Wohnung, verzichtet auf Window-Shopping aufgrund der Reflektion in den großen Schaufenstern, bat Freundinnen reflektierende Sonnenbrillen abzunehmen und sah bei Spiegelungen in Displays einfach nicht hin.

365 Tage sollte dieser Verzicht anhalten und ihre Erfahrungen hat sie in dem Buch „Mirror, Mirror... Off the Wall“ niedergeschrieben. Erkenntnisse wie, dass der Verlust des eigenen Spiegelbildes zunächst so ist, „als würde man einen sehr vertrauten Freund verlieren“.

Kein Wunder, denn Studien belegen, dass Frauen bis zu 71 Mal am Tag in den Spiegel sehen – Kjerstin jedoch wollte ihre Zeit besser nutzen und allein schon die Make-up-Reduktion in der Früh verschaffte ihr mehr Zeit und damit mehr Energie für Wesentlicheres. Sie fokussierte statt auf sich selbst, mehr auf die Arbeit und ihren Freundeskreis.

Ihre Freunde und Freundinnen waren nun ihr Spiegel: Von banalen Dingen, wie „Du hast da etwas zwischen den Zähnen.“ bis zu „Du siehst heute aber gut aus!“ Sie gaben ihr tatsächlich das Gefühl, gut auszusehen - vor allem bei ihrer Hochzeit!

Sie lernte anderen Menschen und ihren Komplimenten wieder mehr zu vertrauen und diese nicht mehr „bescheiden“ ab zu tun, wobei wir uns ja nur wieder selbst kleiner und hässlicher machen. Familie und Freundeskreis haben einen weitaus liebevolleren Blick auf einen und davon sollten wir durchaus mehr übernehmen um unser Selbstvertrauen zu stärken. Das Experiment ist schließlich ein Beweis, dass wir selbst am kritischsten mit uns ins Gericht gehen.

Nach 12 Monaten war der erste Blick in den Spiegel laut Kjerstin übrigens komplett unspektakulär – sie war ja längst mit sich im Reinen. Und meidet Spiegel immer noch bewusst. Ihr missfällt die Art, wie wir ihn nutzen: Denn wir ignorieren das Schöne an uns und heben meist nur das Negative hervor.

Spiegelbild

WOMAN Community

Deine Meinung ist wichtig! Registriere dich jetzt und beteilige dich an Diskussionen.

Jetzt registrieren!

Schon dabei? .