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Japan: Sind wir in Österreich betroffen? Atom-Expertin Eileen Radde im Interview

Sind wir hier in Österreich von den Vorkommnissen in Japan direkt betroffen? Ändern sich im Falle einer Kernschmelze unsere Essgewohnheiten? Und was tun, wenn es hierzulande zu einem Strahlenalarm kommt? Wir haben für Sie die sechs wichtigsten Fragen zusammengestellt. Eileen Radde, Vorsitzende der „Jungen Generation“ der Österreichischen Kerntechnischen Gesellschaft hat die Antworten...


Japan: Sind wir in Österreich betroffen? Atom-Expertin Eileen Radde im Interview
© privat

Wie sicher sind wir in Österreich?
„Relevante Auswirkungen hierzulande durch die Situation in Japan sind nicht zu erwarten“, so Radde. Folglich sind die Einnahme von Kalium-Jodidtabletten oder andere Gegenmaßnahmen nicht notwendig.

Soll man bestimmte Lebensmittel in der nächsten Zeit vermeiden?
Radde schließt aus, dass verstrahlte Nahrungsmittel auf unseren Tellern landen: „Das Österreichische Lebensmittelministerium führt sehr strenge Importkontrollen durch.“ In einer aktuellen Meldung gibt auch das Bundesministerium für Gesundheit Entwarnung: „Nach Österreich kommen aus Japan Spezialitäten wie getrocknete Pilze, Tee, Saucen und spezielle Gewürze. Davon nur geringe Mengen. Alle Produkte, die jetzt in Österreich erhältlich sind, sind nicht radioaktiv kontaminiert und können daher problemlos konsumiert werden.“ Man sichert zu, die Lage auch weiterhin genau zu beobachten und zu analysieren.

Ab welcher Dosis ist radioaktive Strahlung gesundheitsgefährdend?
Ein gewisses Level an radioaktiver Strahlung ist überall zu messen. „Das ist ganz natürlich und unbedenklich“, erklärt Radde. Symptome machen sich erst ab einer Strahlendosis von einem Sievert bemerkbar: „Viele klagen dabei über Übelkeit und Erbrechen. Ab fünf Sievert kommt Durchfall dazu. Die Gefahr zu kollabieren, ist ebenfalls gegeben.“ Die Dosis, die für den Menschen tödlich ist, liegt bei cirka acht Sievert. Generell gilt: Je mehr und je länger man radioaktiver Strahlung ausgesetzt ist, umso wahrscheinlicher sind die Spätfolgen.

Wie gefährlich ist es, im Pazifik (z.B. Mexikos Küsten, Kalifornien) zu schwimmen?
Die Strahlung stellt im Pazifik momentan keine Gefahr da. Wesentlich bedenklicher sind weitere Tsunamis durch Nachbeben. „Selbst wenn es zu einer Kernschmelze käme, ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Küsten Kaliforniens und Mexiko davon betroffen sind.“

Auch wenn derzeit keine unmittelbare Gefahr für Österreich besteht – wie schützt man sich im Falle eines Strahlenalarms?
Als generelle Maßnahme nennt Radde die Einnahme von Kalium-Jodidtabletten. Diese verhindern, dass sich radioaktives Jod in die Schilddrüse einlagert. „Es ist aber abzuraten, vorsorglich Kaliumjodid einzunehmen, da dies zu unerwünschten Nebenwirkungen führen kann.“ Außerdem wichtig: Sich nicht unnötig ins Freie zu begeben, sondern lieber bei verschlossenen Fenstern und Türen zu Hause bleiben.

Wie erdbebensicher sind die Kraftwerke in der Schweiz, in Tschechien, Deutschland, Slowenien, Ungarn und der Slowakei, die uns unmittelbar umgeben?
Radde: „Je nach Standort werden verschiedene Maßnahmen für die Erdbebensicherheit des Kraftwerks gesetzt. Grundsätzlich werden alle Komponenten der Kraftwerke auf Erdbebensicherheit überprüft. Aus unserer Sicht sind alle in einem ziemlich guten Zustand.“

Für weitere Fragen sind die Nuklear-ExpertInnen vom Atominstitut unter folgender Email-Adresse erreichbar: info@ati.ac.at

Katharina Domiter