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Senji liebt Saori - doch sie ist eine Sex-Puppe

Senji liebt Saori. Sie hingegen empfindet keine Gefühle für ihn. Denn Saori ist eine Sexpuppe. Die sonderbar traurige Geschichte einer unerfüllten Liebe.


Senji liebt Saori - doch sie ist eine Sex-Puppe
© 2016 Getty Images/Taro Karibe

Liebe passiert. Man kann sich das nicht aussuchen – und vor allem darf man sie nicht verurteilen. In der Liebe von Senji sehen Außenstehende trotzdem vor allem das Perverse. Wer genauer hinsieht, der entdeckt eine große Traurigkeit.

Senji Nakajima ist Geschäftsmann in Tokio. Er ist 61 Jahre alt, er ist nach wie vor verheiratet, er hat mit seiner leiblichen Frau zwei erwachsene Kinder. Die Liebe zu seiner Ehefrau: Über die Jahre eingeschlafen. Man versteht sich, aber mehr ist da nicht. Doch seit sechs Jahr ist in Senjis Lebensherbst noch einmal der Frühling zurückgekehrt. Schmetterlinge tanzen durch seinen Bauch, er ist verliebt.

Diese Liebe hat er im Internet gekauft. Rund 5.000,- Euro hat sie ihn gekostet, aber es war die beste Investition seines Lebens. "Saori," sagt Senji, "hat mir wieder Sinn gegeben." Saori: Das sind 1,60 Meter pures Silikon. Eine Sexpuppe, lebensecht und aus Weichplastik. Sie fühlt sich gut an – und sie füllt Senjis Leben.

"Anfangs brauchte ich sie natürlich nur, damit ich wieder Sex haben kann. Ich bin kein Mann, der in einer Bar Frauen aufreißt oder kauft," erzählt Senji. "Aber je mehr Abende ich mit ihr verbrachte, desto näher und vertrauter fühlte ich mich ihr."

Und so entstand nach und nach eine Liebe. Einseitig zwar, aber mehr fordert Senji ja auch nicht. "Sie raunzt nicht, sie meckert nicht. Sie ist da, wenn ich sie brauche. Sie will nicht mein Geld, sie hört mir nur zu." Das mag aufgeklärten Frauen als emanzipatorischer Rückschritt erscheinen – doch für Geschäftsmann Senji ist es das Paradies. Obwohl seine Saori viel Hilfe benötigt:

Morgens muss Senji die Sexpuppe zusammensetzen, er kleidet sie ein, er setzt ihr eine der sechs Perücken auf, die er speziell für sie anfertigen ließ. Über eine Stunde investiert Senji in die tägliche Beauty-Routine seine "Dutch Wive", wie Sex-Puppen, die nicht aufgeblasen werden müssen, in Asien genannt werden.

Obwohl es ziemlich umständlich ist, mit Saori einen Ausflug zu machen, manövriert Senji sie in einem Rollstuhl zu romantischen Ausflügen oder Shopping-Trips. "Mein Leben war einsam, meine Frau wollte nichts mehr mit mir unternehmen," so der erfolgreiche Geschäftsmann, der mit seiner Puppe eine eigene Wohnung bewohnt. "Aber Unternehmungen machen nur Spaß, wenn man die Eindrücke mit jemandem teilen kann." Saori schweigt, vermutlich zustimmend.

In einem Perückenladen in Tokio besorgt das Paar neue Haarteile für Saori. Vorteil der Puppe: Sie altert nicht, sie lässt sich nicht gehen. So zumindest sieht das Senji.

Abends wäscht Senji die Puppe liebvoll. "Der Sex ist in den Hintergrund getreten. Ich mag das Gefühl, dass da jemand ist, der mich braucht," sagt Senji. Und kommt mit dieser Erklärung dem wahren Grund seiner Gefühle für Saori vermutlich sehr nahe.

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