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Plus Size-Model: "Mager ist hässlich!"

Jennie Runk war das erste Plus-Size-Bikinimodel für H&M. In einem Interview spricht die 25-Jährige nun über ihre Figur, Magerwahn und Feminismus.

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Plus Size-Model: "Mager ist hässlich!"

Wunderschön und selbstbewusst: Jennie Runk

© PR

Jennie Runk ist eine wunderwunderwunderschöne Frau. Langes braunes Haar, blitzblaue Husky-Augen, perfekte Rundungen. Designer wie Karl Lagerfeld würden das vermutlich anders sehen. Denn mit ihren Kurven passt Plus Size-Model Jennie Runk in kein Size-Zero-Fähnchen. Aber sie repräsentiert damit den überwiegenden Schnitt jener Frauen, die ihre Kleider nicht in der Kinderabteilung suchen wollen.

Große Retailer wie H&M oder Designerin Marina Rinaldi haben mittlerweile erkannt, dass die "normale" Frau kein Hungergestell ist und buchen Plus-Size-Models wie Jennie Runk für ihre Kampagnen.

In einem Interview mit der amerikanischen "Cosmopolitan" sprach die 25-Jährige nun über ihre Figur, falschen Magerwahn und falschverstandenen Feminismus.

»Ich besitze nicht mal eine Waage!«

So stelle sie sich etwa niemals auf eine Waage, besitze gar keine, erzählt Jennie: "Die Kunden interessieren nur die Maße, der Taillen-, Po- und Brustumfang, nicht die Kilos." Auch der Begriff "Plus-Size" sei widersprüchlich, da jede Marke andere Maßstäbe ansetze. "Ich besitze Kleidungsstücke in den Größen 10 (31, 32, XL) und 14, aber auch ein paar Teile in Größe 8 (30, L) und sogar eines in 16. Es kommt ganz auf den Schnitt an. In Geschäften greife ich meistens zu den Größen 12 bis 14, die passen eigentlich immer recht gut."

Jennie Runk in der letztjährigen Sommer-Kampagne eines Mode-Retailers

Als Model entdeckt wurde Runk bereits im Alter von 13 Jahren. Damals trug die Amerikanerin Kleidergröße 8 (Jennie: "Für ein Plus-Size-Model war ich damals fast mager!"). Man habe sie vor die Wahl gestellt: Abzumagern und dann für die internationalen High Fashion-Designer zu defilieren – oder Größe 10 zuzulegen und eine Karriere als Plus-Size-Model zu starten. "Ich habe nicht einmal eine Sekunde nachgedacht! Mich in eine kleine Kleidergröße zu hungern und auf Genuss zu verzichten – das kam für mich nicht in Frage," erzählt Runk der Cosmopolitan .

»Meine Mutter litt unter Magersucht. Das hat mich geprägt«

Denn Jennie Runks Mutter litt vor der Geburt ihrer Töchte Jahre unter schwerer Anorexie, besuchte lange Zeit Selbsthilfegruppen für Magersüchtige. "Heute bemüht sich meine Mutter um ein normales, gesundes Verhältnis zum Essen. Aber als ich klein war, habe ich ihre Kämpfe miterlebt. Das hat mich geprägt und meine Abneigung gegen Hungerkuren und Diäten bestärkt und dazu geführt, dass ich großen Wert auf ausgewogene und gesunde Ernährung lege."

Mittags gäbe es oft einen großen Salat ("Der macht mich satt!"), abends schlage sie dann öfter über die Strenge. Schwierig sei es im Mittelwesten, der Heimat des Models. "Überall gibt es Drive-In-Lokale und leckeres Fast Food. Wenn ich nach Hause fahre, dann muss ich einfach ein paar Burger und Donuts essen. Da führt kein Weg dran vorbei..."

»Lass' dir von niemanden ein Schönheitsideal vorschreiben«

Sich selbst bezeichnet Runk als "Feministin", die erst lernen musste, im auf Oberflächlichkeiten ausgerichteten Model-Business mitzuschwimmen. "Ich war immer anders: größer, schwerer, mein Haar lockig und wild. Außerdem wurde ich eher wie ein Junge erzogen – viele Model-Booker, Kolleginnen und auch Designer fanden mich irgendwie sonderbar, aber in meiner Andersartigkeit auch amüsant." Sie habe sich damit arrangiert, so Jennie. "Ich führe ein glückliches Leben, mag meinen Job und habe eine Bekanntheit erreicht, die es mir ermöglicht, Dinge anzusprechen und von einer breiteren Masse gehört zu werden."

Sie habe nämlich eine Botschaft an alle Frauen: "Lasst euch von niemanden vorschreiben, was Schönheit ist. Zwängt euch nicht in ein Korsett, um den Bildern der Beauty-Industrie zu entsprechen. Schaut euch lieber in den Spiegel und sagt euch: Das, was ich hier sehe – das ist schon ziemlich perfekt."