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Dieses alte Interview von Jennifer Aniston und David Letterman hat uns verstört – aus gutem Grund

Das Interview aus 1998 von Showmaster David Letterman und einer sehr jungen Jennifer Aniston ist plötzlich Gesprächsthema. Wir fragen uns nämlich, wie diese Art von "Humor" je okay sein konnte ...

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Dieses alte Interview von Jennifer Aniston und David Letterman hat uns verstört – aus gutem Grund
© Getty Images

Erst kürzlich machten Gespräche von Paris Hilton und Lindsay Lohan bei David Lettermans "Late Night" die Runde. Die Interviews der frühen Nuller-Jahre halten dem prüfenden Blick aus 2021 nicht stand und zeigen, dass Britney Spears längst nicht die einzige war, die unter dem wahnsinnigen Druck der Medien litt: Letterman löcherte die It-Girls mit Fragen über ihre Drogensucht, Gefängnisstrafen und (ohnehin längst) medial ausgeschlachtete Fehler der beiden. Am Ende waren Hilton und Lohan den Tränen nahe.

Und auch ein Interview mit Schauspielerin Jennifer Aniston aus dem Jahr 1998 wurde jetzt ins Jahr 2021 katapultiert. Wie konnte diese Art von "Gespräch" jemals durchgehen?

Eigentlich war die damals 29-Jährige zur Promotion ihres neuen Films "Liebe in jeder Beziehung" zu Gast bei Talkmaster Letterman. Gleich zu Beginn des Interviews verriet die Schauspielerin, dass sie sich bei solchen Fernseh-Auftritten nicht wirklich wohl fühlen würde: "Besonders bei dir. Ich liebe dich. Aber ich fürchte dich." Im Nachhinein wirkt es fast, als hätte sie hellseherische Fähigkeiten gehabt ...

Nachdem Letterman fragte, ob sie oft von Fans belagert wird, beschreibt Aniston eine schräge Begegnung in einem Dampfbad. Eine Anekdote, die vor allem dadurch lebte und für Lacher sorgte, weil in der Szene sämtliche Charaktere – inklusive Aniston – nackt waren. Sekunden später fanden sich Jennifer Anistons Haare plötzlich im Mund von David Letterman wieder.



Es gibt keine Erklärung dafür, warum sich der Talkshow-Master von hinten an die Schauspielerin heranmachte und versuchte, eine ihrer Haarsträhnen wie Spaghetti zu essen. Er behauptete danach, es hätte "etwas mit dem Dampfbad" zu tun gehabt. Auch Aniston selbst wusste offensichtlich nicht, wie sie reagieren sollte und wies sogar darauf hin, dass das Publikum bei der Aktion nach Luft schnappen musste und alles andere als begeistert schien.

"Das ist etwas, das ich niemals vergessen werde", murmelte Jennifer, nachdem sie das Taschentuch einsteckt, mit dem sie versucht hatte, Lettermans Spucke von ihrem Haar zu wischen. Letterman lachte. Und setzte im Abgang noch eins drauf in dem er ihr eine Therapie empfahl, weil sie "gar so fertig dreinschaue".

Heute ist es körperlich unangenehm, diese Szenen anzuschauen. Da ist sich das Internet einig:

Was die Interviews von Hilton, Lohan und Aniston mit der Paparazzi-Hysterie der Neunziger und Nullerjahre und der jüngsten Britney-Spears-Doku deutlich machen? Berühmte Frauen wurden damals weder ernst genommen noch für ihre Arbeit respektiert. Sie wurden entweder wie Sex-Symbole, verrückte Süchtige oder auch brave Hascherl behandelt.

Es gab gar keinen Platz und Bedarf für komplexe und multi-dimensionale Frauen, die ihre eigene Geschichte – ohne Scham – schreiben. Klatschmagazine erfanden die Storys und formten die Celebritys genau so, wie sie sich am besten verkaufen würden.

David Letterman war Teil dieser Maschinerie und benutzte Interviews mit Frauen, um sich selbst ins Gespräch zu bringen. Was damals gelang, mutet heute, mehr als 20 Jahre später, ekelhaft und bizarr an. 2021 würde ein Moderator nach solchen Auftritten wolhl hochkant rausfliegen. Völlig zurecht ...