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Jessica Biel im Interview

Am 15. März startet die Verfilmung des Lebens von Regie-Genie Alfred Jessica Biel zum Interview.


Jessica Biel im Interview
© Getty Images

Sie hat ihren eigenen Kopf - und verließ deshalb sogar einmal ihren heutigen Ehemann Justin Timberlake : Jessica Biel. Am 15. März sieht man sie in der Verfilmung "Hitchcock", wo sie als Vera Miles nach der Pfeife des Meisterregisseurs tanzen muss.

Er war der berühmteste Filmemacher der Geschichte. Doch Alfred Hitchcock sorgte nicht nur mit Schockern wie "Psycho“ für Schlagzeilen, sondern auch mit seinen Obsessionen und den Beziehungen zu seinen Hauptdarstellerinnen. Ein Wunder eigentlich, dass sein Leben erst 33 Jahre nach seinem Tod ins Kino kommt: Anthony Hopkins ist Hitchcock, der sich zunehmend mit dem Mörder von "Psycho“ identifiziert, Helen Mirren seine treue Frau und Mitarbeiterin Alma. Scarlett Johansson wird als Janet Leigh in der legendären Duschszene erstochen, Jessica Biel gibt Vera Miles, die dem Regisseur als einer der wenigen Stars Kontra gab.

Eine Rolle, die gut zu Biel passt: In den Bergen Colorados als Tochter naturverbundener Hippies aufgewachsen - "die bauen noch heute ihr Gemüse selbst an“ -, wurde sie zu Selbständigkeit erzogen und in allen Ambitionen unterstützt. Sie war sechs Jahre lang Mittelfeldspielerin in einem Fußballteam und absolvierte eine Gesangsausbildung, ehe ihre interessanten Gesichtszüge (sie hat deutsche, französische und indianische Vorfahren) die Aufmerksamkeit der Filmindustrie erregten - und 2007 die ihres heutigen Ehemannes Justin Timberlake. Uns erzählte sie, warum sie weder ein Frauenschwarm noch ein dominanter Regisseur aus der Ruhe bringen kann.

Jessica Biel im Interview

WOMAN: Alfred Hitchcock wird ja als ziemlicher Tyrann beschrieben …

Biel: Ja, er hat seine Hauptdarstellerinnen schikaniert und einige sogar sexuell belästigt. Vera Miles war eine der wenigen, die sich ihm nie untergeordnet haben. Für seine wahre Leidenschaft, den Film, war ihm jedes Mittel recht, das Letzte aus seinen Schauspielern herauszuholen. Eine eigenartige Arbeitsweise, aber eine wirkungsvolle.

WOMAN: Hätten Sie damit leben können?

Biel: Ich denke, ich hätte mir wie Vera Respekt verschaffen können. Was mich mehr stört, ist, dass Stars damals "gemacht“ wurden. So wie Hitchcock alle Hauptdarstellerinnen zu blonden Sexbomben machte. Ich brauche Freiheit.

WOMAN: Jeder kennt Vera Miles aus "Psycho“. Wie war sie privat?

Biel: Man weiß wenig über sie als Ehefrau und Mutter, sie hat immer sehr zurückgezogen gelebt. Sicher ist, dass sie sich nicht den Erwartungen anderer unterordnete. Hitchcock wollte sie als großen Star aufbauen, ihr war Familie wichtiger. Das hat er ihr nie verziehen.

WOMAN: Sie sind seit Oktober auch verheiratet. 2011 waren Sie und Justin Timberlake nach vier Jahren Beziehung für einige Monate getrennt. Warum eigentlich?

Biel: Ich musste eine Zeit lang unabhängig sein. Wir bleiben bei jemandem so oft nur aus Gewohnheit. Ich wollte sicher sein, dass unsere Beziehung meine eigene Entscheidung ist. Aber wir sind immer in Kontakt geblieben.

WOMAN: Sie brauchen also auch hier Freiheit! Wie hat Justin Sie dann überzeugt?

Biel: Er musste nichts Großartiges tun. Dass er der Beste ist, hab ich schnell gemerkt. Wir können einfach so gut miteinander reden - ein großes Geschenk, wo Männer und Frauen doch verschiedene Sprachen sprechen. Dass wir uns im Alltag so gut verstehen, ja, das war das Ausschlaggebende.

WOMAN: Sie starten im Kino durch, er bringt nach sieben Jahren ein neues Album heraus. Bleibt da Zeit füreinander?

Biel: Schwer. Wenn ich arbeite, bekomme ich so eine Art Tunnelblick. Auch haben wir beide einen dichtgedrängten Zeitplan, wobei ich auf meinen gar keinen Einfluss habe, da lässt sich alles schwer koordinieren. Aber es hilft natürlich, wenn der andere im selben Job ist und weiß, was man durchmacht.

WOMAN: Sie sind letztes Jahr dreißig geworden. Ein Einschnitt?

Biel: Na, ich bin nicht ausgeflippt. Aber schließlich blieb mir keine Wahl - ich musste ja dreißig werden, oder? Ich fühle mich so … nicht jung, so jugendfrisch wie nie! Bin so neugierig auf das Leben, so begeistert von allem! Ich will reisen, unbekannte Orte kennenlernen, Berge erklimmen, snowboarden …

WOMAN: Sind Sie so sportlich?

Biel: Ich hab als Kind viel geturnt, war immer draußen auf der Suche nach Abenteuern. Meine Eltern waren Naturvögel, und mein Vater hat mir Überlebensstrategien beigebracht. Etwa, dass man sich ausziehen muss, wenn man bei klirrender Kälte in einen Fluss gefallen ist, oder wie man einen Iglu aus Ästen baut. In der Familie meiner Mutter waren alle Jäger, sie wurde mit Wild aufgezogen. Wenn sie kein Wild geschossen hatten, gab’s nichts zu essen!

WOMAN: Sie haben als kleines Mädchen also nicht mit Puppen gespielt und sich als Prinzessin verkleidet?

Biel: Ich hatte natürlich mein Barbie-Set, aber besonders interessiert hat’s mich nicht. Meine Mutter hatte auch nie Modemagazine daheim. Erst seit einigen Jahren lege ich mehr Wert auf ein bisschen Glamour. Wahrscheinlich auch, weil ich mir all die netten Dinge im Gegensatz zu früher leisten kann.

WOMAN: Ihr Leben klingt so perfekt. Gibt es etwas, das Sie gern ändern würden?

Biel: Ja. Ich wünschte, ich hätte das College beendet. So ein Abschluss in der Tasche ist gut fürs Selbstbewusstsein. Und ich hätte ein bisschen mehr Erfahrung im Umgang mit Menschen, denn dafür ist das College in Wahrheit da: ein paar Jahre mit Freundinnen in einer verrückten Bude wohnen, vielleicht ein Jahr nach Frankreich gehen …

WOMAN: Sie haben französische Vorfahren. Sprechen Sie die Sprache?

Biel: Am besten, wenn ich betrunken bin, dann trau ich mich endlich.