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Jessica Schwarz: Road-Trip durch Indien

Schauspielerin Jessica Schwarz und ihr Freund, der Wiener Kameramann Markus, auf Abenteuer-Tour quer durch Indien. Das Interview über ihren Road-Trip.


Jessica Schwarz: Road-Trip durch Indien

Jessica Schwarz' Road-Trip durch Indien

© Copyright Craig Pusey 2012

Die meisten Promis bereisen Indien zwecks Selbsterfahrungs-Trips oder um eine Ayurveda-Kur in Anspruch zu nehmen. Nicht so Schauspielerin Jessica Schwarz. Die schöne Deutsche entschied sich statt für Detox für PS-geladene Action. Im Rahmen der diesjährigen „Land Rover Experience Tour“, die zum bereits zehnten Mal stattfand, klemmte sich die Schauspielerin mit ihrem Freund, dem österreichischen Kameramann Markus Selikovsky, hinters Steuer des neuen Range Rover Evoque , um Land und Leute von einer Seite jenseits luxuriöser Hotelburgen kennenzulernen.

Jessica Schwarz und Freund Markus Selikovsky während des Indien-Trips

Insgesamt 1518 Kilometer legten Jessica Schwarz und ihr Lebensgefährte im 4x4-Tross in diesen Tagen zurück. Los ging es in der Hauptstadt Delhi, dann über dicht befahrene Straßen weiter nach Jaipur und das als „Venedig des Ostens“ bekannte Udaipur: mit Stopps am weltberühmten Taj Mahal, dem imposanten 58 Meter hohen und 56 Meter breitem Mausoleum in der Millionenstadt Agra, am „Roten Fort“ in Delhi und dem „Palast der Winde“ in Jaipur. Glücklich, erschöpft und um viele Erfahrungen und Erlebnisse reicher erreichten sie dann in dem Geländewagen der britischen Traditionsmarke das Ziel, die 18-Millionen-Metropole Mumbai.

Dort haben wir mit Jessica Schwarz über ihre einzigartigen Erlebnisse während des Indien-Trips gesprochen. Der wegen der lebhaften Verkehrsverhältnisse des Landes zu einer echten Challenge wurde: denn ein Tierkarren mitten auf dem Highway oder „Gegenverkehr“ in Gestalt einer Kuh sind in Indien keine Seltenheit, wie sie im Interview erzählte.

WOMAN: Glückwunsch Frau Schwarz, Sie sind im Ziel in Mumbai angekommen. Wie war die Reise durch Indien?

Jessica Schwarz: Es war ein einzigartiges und unglaubliches Erlebnis. Jeder Mensch trägt eine Sehnsucht nach Abenteuer in sich, aber plötzlich ist man nun selbst in Indien und sitzt am Steuer. Man ist sofort mittendrin. Ich
habe noch nie so viele Menschen gesehen, die uns mit so großen Augen angesehen haben. Menschen, die mitten auf der Straße angehalten haben und uns Fragen gestellt haben. Es stand immer irgendwo eine Kuh auf der Straße. Und Lämmer und Hunde! Und auch Kinder. Deshalb hieß es immer: Runter vom Gas. Es ist unglaublich, was ich alles gesehen habe: prachtvolle Gebäude, Paläste und wunderbare Hotels. Großstädte, Dörfer, Villages, die trotzdem noch zwei Millionen Einwohner haben. Unglaublich viele Menschen. Aber auch eine unglaubliche Armut. Und einen unglaublichen Verkehr. Ich habe zehn Tage lang die gleiche Kleidung getragen. Man hat uns Sachen gegeben, in denen man nicht schwitzt und auch nicht riecht. Man hätte sie auch nachts tragen können, was wir allerdings nicht getan haben.

WOMAN: Welches war das beeindruckendste Erlebnis der Reise?
Schwarz: Das Taj Mahal war natürlich beeindruckend. Da man es aber auf Fotos und in Filmen bereits mehrfach gesehen hat, war der „Wow Effekt“ nicht mehr ganz so groß wie zum Beispiel bei den wahnsinnig beeindruckenden Palästen Red Fort in Agrar oder auch beim Palast in Udaipur. Wir haben in einem großartigen Hotel übernachtet, dem „Taj Lake Palace“ in Udaipur. Dort wurde auch der James Bond-Film „Octopussy“ gedreht. Wir sind abends angekommen und die Paläste leuchteten golden und das Hotel weiß. Ich bin bei Sonnenuntergang in den Pool gesprungen. Ich habe mich gefragt: „Was kann danach noch kommen - außer dass ich meinen Führerschein verliere?“ (lacht) . In Indien Auto zu fahren ist in der Tat sehr besonders.

WOMAN: Inwiefern?
Schwarz: Neben dem Linksverkehr ist man immer umgeben von etwas: von Hunden, Kühen, Autos, Bussen, LKWs…. In Indien gibt es keine Ampeln, keine Schilder und nachts keine Beleuchtung, auch nicht bei den Autos oder LKWs. Die Inder fahren sehr nach dem inneren Sinn. Man muss beim Fahren alle Sinne beisammen haben. Das Adrenalin springt einem die ganze Zeit entgegen. Weniger schön war der Gestank an manchen Orten. Es gibt viele Orte, an denen es unangenehm riecht, so dass man das Gefühl hat, nicht mehr einatmen zu können. Aber auch was das angeht gibt es große
Unterschiede. Hier in Mumbai ist es sehr sauber – im Gegensatz zu Jaipur, wo die Kühe auf dem Mittelstreifen schlafen. Selbst die Menschen schlafen auf dem Mittelstreifen. Sie schlafen dort wo sie gerade sind. Man wird mit vielen Dingen konfrontiert und ist einfach
sprachlos..

Jessica Schwarz vor dem Taj Mahal

WOMAN: Was hat sie an der Tour besonders gereizt?
Schwarz: In erster Linie natürlich Indien! Viele Freunde von mir waren schon dort und sehr begeistert. Normalerweise ist man bei Indien-Reisen mit dem Flugzeug oder mit dem Bus unterwegs. Wenn man sich auf den Bus einlässt, dann kann es sein, dass man zwei, drei Tage wartet bis der Bus auch wirklich kommt. Das kann sehr anstrengend sein. Insofern war ich Feuer und Flamme für die Idee, Indien mit dem Evoque zu entdecken, denn so lernt man das Land am besten kennen.

WOMAN: Welches Erlebnis der Reise werden Sie nie vergessen ?
Schwarz: Es war auf dem Weg von Jaipur nach Udaipur. Markus und ich haben uns etwas von der Gruppe entfernt, um in etwas abgelegenen Dörfern Fotos zu machen. Wir wollten die Menschen dort näher kennenlernen. Anfangs standen sie uns erstaunlicherweise sehr skeptisch gegenüber, das hatte ich nie gedacht. Sie hatten Angst vor den Kameras und sind erst einmal vor uns davon gelaufen. Später wollten sie und nicht mehr gehen lassen. 40 Kinder haben uns beim Gehen hinterher gewunken. Das hat mich sehr berührt. Oder wir haben uns abends öfter ein Tuk-Tuk-Taxi (Auto-Rikscha) genommen und sind zu verschiedenen Gewürzbasaren gefahren. Während unseres Aufenthalts fand gerade eine neun Tage dauernde Festivität statt, die heute zu Ende ging: Navaratri, das Fest der Göttlichen Mutter. Es gab jeden Tag Getrommle und Gesänge, und alle Züge waren festlich geschmückt. Es war ein Erlebnis, so ein Fest hautnah mitzuerleben.

WOMAN: Manch anderes Paar würde sich bei einer solchen Fahrt in die Haare bekommen...
Schwarz: Wir haben uns wirklich gut verstanden. Aber natürlich: Wenn man so lange gemeinsam im Auto sitzt, dann kann es schon einmal vorkommen, dass man kurz einen Lagerkoller bekommt. Und man, nur damit einmal etwas anderes passiert, einen kleinen Streit anfängt. Aber nach fünf Minuten war das wieder vorbei und vergessen.

WOMAN: Wie haben Sie sich als europäische Frau in Indien gefühlt ?
Schwarz: Natürlich geht man mit gemischten Gefühlen heran. Eine der Reiseführerinnen hat erzählt, dass es in Indien über 6000 Kasten gibt, aber nur wenige Kasten, in der Frauen so agieren können wie die Frauen in Europa. Ich war einmal im Kino und habe mir einen Bollywood-Film angesehen. Dort laufen kaum amerikanische Filme. Man hat schon das Gefühl, dass man fremd ist. Man hat blaue Augen und hellere Haare und auch eine hellere Haut. Was mich fasziniert hat ist, dass es nicht erlaubt ist, dass Männer und in der Frauen in der Öffentlichkeit Gefühle zeigen: Arm in Arm gehen oder Händchen halten. Aber die Menschen haben natürlich ein Bedürfnis nach Nähe. Und deshalb ist es so, dass die Männer miteinander Händchen halten. Ich habe viele Männer gesehen, erwachsene Männer, die Arm in Arm durch die Straßen gegangen sind und sich an den Händen hielten. Zuerst war ich irritiert und dachte: Die gehen aber gut mit der Sexualität um. Dabei tun sie es aus einem Bedürfnis nach Nähe heraus.

WOMAN: In der letzten Zeit gab es in Indien eine Welle der Gewalt, mit schlimmen Vergewaltigungen. Hat Sie das beschäftigt?
Schwarz: Es gab in der letzten Zeit große Aufklärungskampagnen. Es ist vielmehr so, dass wenn einem einer zu nahe kommt, er sofort von einem anderen verscheucht wird. Ich hatte nie das Gefühl, dass jemand zu nah an mir dran war. Es wird viel geschaut und aufgepasst. Es gibt Züge, in denen es nur Frauenabteile gibt, die von der Polizei überwacht werden. Insofern war diese Angst relativ schnell verschwunden.

WOMAN: Was werden Sie von dieser Reise mit nach Hause nehmen?
Eine tiefe Bescheidenheit. Zu wissen, wo man geboren wurde, was man alles hat und wie man lebt. Dass man eben nicht zu fünft auf drei Quadratmetern wohnen muss. Dass man genug zu essen hat. Die Kühe, die in Indien leben, essen den ganzen Tag Plastik. Auch die Menschen ernähren sich von dem, was sie gerade bekommen. Sie sind in ganz andere Lebensumstände hinein geboren worden. „Es geht um die Liebe – und um sonst nichts“, das hat mir ein Inder mit einem roten Punkt auf der Stirn und langen weißen Haaren gesagt. Aus seinem Mund klang es alles andere als klischeehaft. Zu schätzen wissen, dass man sich und seine Lieben hat.

Thema: Reise