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Jetzt spreche ich! Sprech-Profis geben Tipps, wirkungsvoll das Wort zu ergreifen

Zeigen Sie anderen, was Sie wissen und draufhaben: Drei Sprech- Profis geben Tipps, wie Sie wirkungsvoll das Wort ergreifen.


Jetzt spreche ich! Sprech-Profis geben Tipps, wirkungsvoll das Wort zu ergreifen
© Corbis

In Meetings, bei Vorträgen, Diskussionen und Medienauftritten beanspruchen Frauen weniger Redezeit als Männer. Die Folge: Sie werden weniger gehört. "Frauen sind auch im Beruf oft mit Rollenzuschreibungen konfrontiert“, sagt Marie-Theres Euler-Rolle, Geschäftsführerin der Kommunikationsagentur Female Forces, "zum Beispiel damit, es allen recht machen zu müssen.“

Bild: News/Zach-Kiesling
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Marie-Theres Euler-Rolle, Rhetorik- und Medientrainerin, Chefin von Female Forces: "Vergleichen Sie sich nicht mit anderen, und erlauben Sie sich, nicht perfekt zu sein!"

Vergessen Sie es: Erstens ist dieser Anspruch unmöglich zu erfüllen, zweitens bleiben Sie dabei auf der Strecke. Tipp: Machen Sie es sich selbst recht! Und nützen Sie die Chance, Ihr Wissen zu zeigen, Ihre Persönlichkeit sichtbar zu machen, über Ihre Ideen und Erfahrungen zu sprechen. WOMAN hat Experten befragt, wie Sie vor Publikum erfolgreich wirken!

Ich mag mich!
An oberster Stelle der Voraussetzungen für einen gelungenen Auftritt steht eine positive Einstellung zu sich selbst. "Vergleichen Sie sich nicht mit anderen, seien Sie so, wie Sie sind“, sagt Euler-Rolle. Ewige Vergleiche machen Druck und untergraben Ihre ganz individuelle Persönlichkeit.

"Mit einer positiven Grundhaltung zu sich selbst ist das meiste gelungen: Sie können sich von Ihren Ängsten befreien, Wünsche artikulieren und Grenzen überschreiten“, so Euler-Rolle.

Seien Sie verbindend. Auch Ihre Haltung zum Publikum und zu Ihrem Thema ist entscheidend bei der Frage, ob Ihr Auftritt klappt: Haben Sie Angst vor den Menschen, weil Sie denken, dass diese Sie nicht mögen? Oder sehen Sie Ihre Inhalte und Ihre Präsenz als "Geschenk“ für eine neugierige Menge? "Eine wertschätzende Beziehung zu sich und Ihrem Gegenüber garantiert das Gelingen“, weiß Euler-Rolle. Und: An dieser Einstellung lässt sich arbeiten!

Gut geplant.
Gute inhaltliche Vorbereitung gibt Sicherheit. Überlegen Sie: Was sind Ihre wichtigsten Argumente, was bestätigt Ihre Thesen, welche Beispiele führen Sie an? Legen Sie sich einen interessanten, positiven Einstieg zurecht und einen entspannten, positiven Ausstieg!

Erwarten Sie sich keine Perfektion: "Menschen wollen Menschen sehen, keine Roboter. Verzeihen Sie sich vorher, nachher und vor allem währenddessen Ihr Herzklopfen. Nehmen Sie sich an, wenn Ihnen kleine Fehler unterlaufen.“

Im guten Ton.
Die Stimme hat enormen Einfluss darauf, was Sie ausstrahlen. Studien zufolge nehmen wir bei anderen zu 38 Prozent die Stimme und Sprechweise wahr und nur zu sieben Prozent den Inhalt. "Hören wir eine Stimme, wird sofort ein Kopfkino aktiviert, und wir schreiben der Person bestimmte Eigenschaften zu“, sagt Sprechtrainerin und Radioprofi Daniela Zeller.

Bild: Leitner/First Look/picturedes.com
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Daniela Zeller, Sprechtrainerin: "Mit der Atmung können Sie Ihren Klang erheblich verbessern. Trainieren Sie jeden Tag!"

So drücken die oberen, hohen Bereiche der Stimme etwa Lebendigkeit, Freundlichkeit, Kreativität, Kontaktfreude, Liebenswürdigkeit und Hingabe aus und die unteren Kompetenz, Souveränität, Erfahrung, Vertrauen und Standfestigkeit.

"Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen nicht ihre authentische, natürliche Stimme nützen“, sagt Zeller weiter. "Besonders Frauen neigen zu zu hohem Sprechen.“ Das ist problematisch, denn Frauen mit Piepsstimme im Singsang-Tonfall werden selten ernst genommen.

"Sie wirken zwar liebenswürdig, aber nicht glaubwürdig“, sagt Daniela Zeller. Stimmtrainerin Ingrid Amon rät: "Frauen sollten ihr Voice-Design mindestens genauso wichtig nehmen wie ihr Styling, um beruflich erfolgreicher zu sein.“ Die Qualität Ihrer Stimme ist nämlich nicht, wie viele meinen, angeboren: Sie lässt sich trainieren!

Durchatmen.
Folgende Übung können Sie jederzeit, z. B. im Auto oder beim Kochen, durchführen: Entspannen Sie Ihre Bauchmuskulatur. Legen Sie eine Hand auf den Bauch unterhalb des Nabels, und lenken Sie Ihre Atmung in diesen Bereich. Atmen Sie auf einem langen "ffff“ aus – so lange, bis Ihre Ausatmung wirklich zu Ende ist und der Körper sich von alleine einen neuen Atemzug holt.

"Sprechen ist schließlich nichts anderes als Ausatmen. Die Qualität des Tons hängt von der Ausatmung ab“, sagt Daniela Zeller. Tönen Sie auch ein langes, entspanntes und genussvolles "mmmm“. Das massiert Ihre Stimme und wirkt gegen den berühmten "Frosch im Hals“.

Sprechen Sie laut.
Viele Menschen haben Angst vor der Kraft ihrer Stimme. An das eigene Potenzial muss man sich erst gewöhnen - und zwar alleine! "Stellen Sie sich in den Raum, stemmen Sie die Hände in die Hüften, und reden Sie hörbar laut und leise“, sagt Ingrid Amon.

Bild: Trend/Michel Debor
© Bild: Trend/Michel Debor
Ingrid Amon, Stiimm- und Sprechtrainerin: "Frauen sollten ihr Voice-Design für den Joberfolg genauso wichtig nehmen wie ihr Styling!"

"Wechseln Sie auch zwischen sachlich und emotional. Fühlen Sie, wie die Stimme in Bauch, Schulterblättern und Hals vibriert.“

Mit wem Sie auch kommunizieren: Mit der Stimmsicherheit steigt Ihr An-Klang!

Redaktion: Susanne Prosser