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Diese Frau sucht nach 16 Jahren die Leiche ihres Freundes

2001 wurden Joanne und Peter im Outback überfallen. 16 Jahre später sucht sie immer noch seine Leiche - und will die australische Staatsbürgerschaft.


Diese Frau sucht nach 16 Jahren die Leiche ihres Freundes

Joanne und Peter bei ihrem Trip durch Australien

© REUTERS

Es sollten die "Reise ihres Lebens" sein, für die Joanne Lees und ihren Freund Peter Falconio. Die beiden Briten hatten einen alten Camper gemietet, mit dem sie das australische Outback erkunden wollten. Eine mehrwöchige Reise, ein Trip eines verliebten Paares durch die Natur.

Er endete am 14. Juli 2001, einer Nacht voller Schrecken, einer Nacht, die das Leben zweier junger Menschen für immer zerstört hat. Joanne und Peter waren spät auf dem Stuart Highway von Alice Springs nach Darwin unterwegs, als der Mechaniker Bradley Murdoch sie anhielt, um ihnen zu sagen, dass Funken aus ihrem Auspuff kämen. Die Briten stiegen aus dem Van, um nachzusehen.

Der Van von Joanne und Peter

Was dann geschah, ist bis heute nicht restlos geklärt. Joanne gab an, einen Schuss gehört zu haben. Plötzlich sei Murdoch vor ihr aufgetaucht, habe sie mit einem Gewehr bedroht, ihre Hände gefesselt und sie zu seinem Geländewagen geschleppt.

Als er nochmals verschwand, konnte die junge Urlauberin fliehen. Panisch floh sie in den Busch, versteckte sich in der Dunkelheit, während Murdoch mit seinem Hund nach ihr suchte. Erst Stunden später wagte sich Joanne Lees wieder aus dem Dickicht und hielt zwei LKW-Fahrer an, die der Frau halfen.

Peter Falconios Leiche wurde nie gefunden

Was ihrem Freund Peter Falconio zustieß ist seitdem Ursache für Spekulationen. Murdoch, der nach einer großangelegten Polizeiaktion festgenommen werden konnte, beteuert seitdem seine Unschuld. Die Leiche des jungen Urlaubers wurde nie gefunden, dennoch überführten DNA-Spuren von einem Blutfleck auf dem T-Shirt Joanne Lees den als Drogenkurier bekannten Murdoch. Er wurde wegen des Mordes an Peter Falconio verurteilt.

"Mein Leben endete in dieser Nacht"

Joanne Lees erholte sich nie wieder von den schrecklichen Ereignissen dieser Nacht. Sie hat überlebt, aber, so sagt sie: "Mein Leben war vorbei." Denn Medien und öffentliche Meinung zweifelten die Geschichte der schüchternen Frau an und stellten ihre Unschuld in Frage – obwohl nie etwas darauf hingewiesen hätte, dass sich Joanne Lees in irgendeiner Weise falsch verhalten hätte. "Peters Tod war die Hölle. Doch was danach geschah, hat mich endgültig zerbrochen."

Joanne Lees heiratete nie, bekam keine Kinder. "Was damals vorfiel, hat mich nie mehr losgelassen. Ich wäre vergewaltigt und vermutlich auch getötet worden, trotzdem fühle ich mich schuldig, weil ich weggerannt und Peter alleine gelassen habe." Zusammen mit einem TV-Team rund um die australische Reporterin Liz Hayes reiste Joanne Lees 15 Jahre später erstmals wieder nach Australien. Mit Hilfe der lokalen Aborigine-Bevölkerung versuchte sie, den Leichnam von Falconio aufzuspüren. "Er muss irgendwo hier draußen sein," so Joanne Lees. "Ich werde nie ganz im Frieden mit mir sein, wenn Peters Körper nicht gefunden wird und ich ihn nach Hause bringen kann."

Joanne Lee bei ihrer Rückkehr nach Australien

Doch auch wenn sie die Gebeine ihres Freundes bislang nicht finden konnte: Mit dem Land Australien hat sich Joanne Lees mittlerweile versöhnt. Nach dem Tod ihrer Mutter stellte sich heraus, dass ihr australischer Vater (zu dem Lees keinen Kontakt hatte) eine weitere Tochter hatte. Ihre acht Jahre jüngere Schwester traf die Britin im letzten Jahr. "Ich fühle mich nun weniger alleine," so Joanne. "Ich möchte mich um die australische Staatsbürgerschaft bewerben und eine Gedenkstätte für Peter bauen." Errichtet werden soll diese in Ti Tree am Stuart Highway, wo das Paar die letzten glücklichen Stunden seines Lebens verbracht hatte....

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