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Job-Falle Internet: Wie gut ist Ihr Ruf im World Wide Web? - Der Reputations-Check

Viele ahnen nicht, welche Daten über sie im Netz kursieren - denn das WWW hat ein sehr gutes Gedächtnis, und das kann besonders bei der Job-Suche heikel werden... Wir machten mit einer Leserin den Versuch: Wie viel weiß das Internet über Nora S.?


Job-Falle Internet: Wie gut ist Ihr Ruf im World Wide Web? - Der Reputations-Check
© Corbis

Vor sechs Jahren hat sich Nora S. auf der Internetseite des Online-Versandhauses www.amazon.at eine Bücher-Wunschliste zusammengestellt: "Der kleine Prinz" ist da zu finden oder ein Buch zum Thema "Kulturschock Australien". Was die 28-Jährige längst schon vergessen hatte, deckt die Google-Suche nach ihrem Namen sofort auf. "Wow, daran kann ich mich gar nicht mehr erinnern!", ist die Event-Managerin überrascht. "Ich hätte nie gedacht, dass die Liste nach so langer Zeit noch abrufbar ist!"
Gefinkelte Suchmaschinen spüren eben auch bereits lang zurückliegende Online-Aktivitäten auf. Ob positive oder negative, bleibt offen! Manchmal kommt so leider auch die eine oder andere Jugendsünde zum Vorschein: Fotos und Videos von durchzechten Nächten oder verwerfliche Blog-Einträge. Solch "virtuelle Missgeschicke" können unser Image negativ beeinflussen. Denn was andere über uns bei Google & Co finden, prägt zunehmend unseren Ruf - etwa beim zukünftigen Chef, bei Kreditgebern oder Arbeitskollegen. Reputationsmanagerin Susanna Wieseneder warnt daher: "Was im Web einmal publiziert wurde, kann nicht mehr rückgängig gemacht werden!"

Websuche.
Dessen ist sich Nora S. bewusst: "Auf Netzwerkseiten wie Facebook oder Xing gebe ich relativ wenig von mir preis. Ich passe auf, dass keine heiklen Daten von mir im Internet sind." Dennoch finden wir bei der Online-Suche nach ihrem Namen ziemlich viel über die Wienerin: Neben ihrem Büchergeschmack erfahren wir auf einer anderen Internetseite mehr über Noras Hobbys - sie ist in der Pfadfindergruppe in Wien als Guide tätig. "Das zeigt Engagement und Verantwortungsbewusstsein, keine schlechten Eigenschaften, wenn sie in Führungspositionen arbeiten will!", beurteilt Expertin Wieseneder die Online-Ergebnisse von Nora S. In diesem Fall kann das Bild, das sich ein zukünftiger Chef machen will, per Internet durchaus positiv beeinflusst werden.
Auch Noras Familie lernen wir online kennen! Ihr Vater - ein ehemaliger ORF-Journalist, wie wir herausfinden - führt eine eigene Homepage mit Gruppenfoto und E-Mail-Kontakten zu Familienmitgliedern.

Doppelgänger.
Über die Personensuchmaschine 123people.de finden wir noch folgende Fremdbeurteilung über Nora: "Sie war supernett und hilfsbereit." Das vermittelt einen sehr sympathischen Eindruck von der Geschäftsfrau, doch S. stellt sofort klar, dass es sich hier um eine Namensvetterin handelt, die aber "Gott sei Dank keine schlimmen Nachrichten über mich bzw. uns in Umlauf bringt." Die Gefahr bei Personensuchmaschinen: Die gefundenen Daten, vor allem Mailadressen, sind oft falsch.

Profi-Rat.
Wer seinen Online-Ruf nicht dem Zufall überlassen will, kann sich aktiv selbst darum kümmern. Auf myON-ID.de hat jeder die Möglichkeit, sein eigenes Profil zu erstellen, welches dann bei Suchmaschinen-Abfragen ganz vorne gereiht wird. "So kann sich jeder günstig, schnell und optimal selbst vermarkten!", erklärt der Gründer der Website, Mario Grobholz. Das Angebot ist kostenlos, optional gibt es jedoch ein Premiumangebot mit erweiterten Services um 5,99 Euro im Monat. In Deutschland gibt es sogar eigene Reputationsmanager, die darauf spezialisiert sind, den persönlichen Web-Ruf ihrer Klienten auf Hochglanz zu bringen. Und wer ganz auf Nummer sicher gehen will, dass über ihn keine Negativschlagzeilen im Web erscheinen, für den hat Expertin Susanna Wieseneder noch einen Tipp: "Die einfachste Möglichkeit, einen Überblick über sein Web-Erscheinungsbild zu behalten, sind Google Alerts. Wer sich hier einmal angemeldet hat, wird bei jeder neuen Nachricht über seine Person sofort per Mail verständigt!"

Fazit.
Auch Nora S. wird weiterhin kontrollieren, was man im Web alles über sie ausgraben kann. Mit der Ausbeute zu ihrem aktuellen Ego-Googeln steht sie auf jeden Fall schon mal gut da. Das Resümee der Wienerin: "Ich bin total zufrieden mit meiner Präsenz im Netz. Man erfährt, wo ich arbeite, was ich in meiner Freizeit mache und welche Bücher ich gerne lese - da ist nichts Verfängliches dabei!"

Redaktion: Melanie Zingl