Ressort
Du befindest dich hier:

Jobprofil: Headhunterin

Was macht eine Headhunterin? Welche Ausbildung braucht's? Und wie familienfreundlich ist der Job? Kerstin Roubin ist eine der erfolgreichsten in ihrer Branche – uns liefert sie wissenswerte Antworten.

von

Headhunterin
© iStock

Kerstin Roubin, 47, arbeitet seit 20 Jahren als Unternehmensberaterin und Headhunterin. Gemeinsam mit drei weiteren Kollegen hat sie 2009 das Unternehmen "Boyden Österreich" gegründet. Die Gruppe ist in 43 Ländern präsent und sucht weltweit für ihre Kunden die besten nationalen und internationalen Führungskräfte.

Für uns beantwortet sie die wichtigsten Fragen rund um den Job: Was verdient man? Wie ist's um die Aufstiegschancen bestellt? Wie wird man überhaupt Headhunterin? Und was unterschätzen in dieser Branche viele?

Kerstin Roubin, Headhunterin
Kerstin Roubin, 47, arbeitet seit 20 Jahren als Unternehmensberaterin und Headhunterin (c) Jenni Koller

Was sind Headhunter?

"Sie sind Executive Search Consultants, das heißt, sie sprechen geeignete Führungskräfte im Industrieumfeld direkt auf eine Stelle bei Ihrem Kunden an. Im Anschluss evaluieren sie die KandidatInnen, ob diese auch wirklich auf die Stelle passen. Sie schalten keine Inserate oder bearbeiten Bewerbungen – das macht die klassische Personalberatung, aber sie begleiten auch Ausschreibungen und Hearings."

Wie wird man Headhunterin?

"Ich zum Beispiel begann 1998 als Teilzeitkraft während meines Wirtschaftsstudiums im Back Office. Damals gab es kein Internet und Telefon, das Fax war unser Hauptkommunikationsmittel. Die Berater hatten noch Sekretärinnen und diktierten ihren Schriftverkehr. Ich hatte aber Glück, die Beratung war damals schon sehr international tätig und ich konnte später im Research viele internationale Projekte abwickeln. Ich habe morgens mit asiatischen KandidatInnen gesprochen und abends mit Kontakten in USA. Und obwohl ich ursprünglich nur in der Beratung begonnen hatte, um Geld zu verdienen, bin ich letztendlich seit dem nicht mehr von Executive Search weggekommen und es fasziniert mit noch heute.

Ich würde nicht behaupten, dass man ein Studium benötigt – eine sehr erfolgreiche deutsche Beraterin hat zum Beispiel Sinologie studiert. Manche Berater haben gar kein Studium. Es hilft aber natürlich, ein wirtschaftliches Verständnis und interkulturelle Kompetenz mitzubringen. Für das Partnerlevel benötigt man dann auf alle Fälle verkäuferisches Geschick."

Was sind die Aufgaben als Headhunterin?

"Man hilft Kunden, deren offene Manager-Positionen über internationale und nationale Direktansprache von potentiellen Kandidaten zu besetzen. Dafür werben sie geeignete Kandidaten für ihre Kunden aus deren Industrieumfeld ab."

Welche Eigenschaften sind wichtig, welche eher hinderlich?

"Wichtig ist hohe Flexibilität – jede Kundin und jeder Kunde ist anders. Eine gute Auffassungsgabe ist ebenfalls essentiell: Man muss das Kundenunternehmen, dessen Industrie und Problemstellungen schnell erfassen. Hartnäckigkeit, eine hohe Frustrationsgrenze, Menschenkenntnis und Empathie helfen außerdem. Als Partner sind Abschlussfähigkeit, absolute Verlässlichkeit und Kompetenz oberstes Credo.

Wenig förderlich ist es, wenn man geordnete Strukturen, feste Arbeitszeiten sucht, mit Komplexität und 24/7 Erreichbarkeit nicht umgehen kann."

Worauf muss man sich in diesem Job unbedingt einstellen?

"Wir verändern Menschen und deren Familien, weil unsere Kandidatinnen und Kandidaten zumeist auch übersiedeln für die neue Stelle und es ist kein Job, bei dem man um 18.00 den Bleistift fallen lässt. Aber das Schöne ist, dass man Leben verändert."

Was unterschätzen viele in dieser Branche?

"Es ist ein emotional sehr fordernder Job, in dem man hohem Druck ausgesetzt ist."

Wie familienfreundlich ist der Beruf als Headhunterin?

"Die Arbeitszeiten sind flexibel. Bis zum Consultant Level ist das gut vereinbar.
Wenn man für Kundenprojekte hauptverantwortlich, also Partner ist, ist man international unterwegs und das Zeitmanagement wird schwieriger: Es ist wie in jedem Verkaufsjob, wenn man länger weg ist vom Markt verliert man die Kontakte."

Welche Karriere-Chancen hat man in der Branche?

"Die Beratung ist sicher ein guter Einstiegsjob, um umfassende Marktkenntnisse und verschiedene Unternehmungen und deren Abläufe kennen zu lernen. Meistens entwickelt man sich dann in die Personalabteilung. Karriere – im Sinne von Führungspositionen – in der Beratung ist schwierig aufgrund der flachen Hierarchien. In unserer Branche gibt es jedenfalls sehr viele 'Old Grey Hair Men's'-Netzwerke, Frauen in der obersten Liga im Executive Search sind in Österreich generell selten. Im Vergleich dazu gibt es in der klassischen Personalberatung viele Frauen."

Wie sind die Verdienstmöglichkeiten?

"Das kommt auf den Aufgabenbereich an. Unsere Mitarbeiter sind auch prämienbeteiligt und erhalten entlang der Projekterfolge auch entsprechende Bonuszahlungen. Gemeinsam mit dem Grundgehalt kann man schon gut verdienen, abhängig davon wie viele Projekte man erfolgreich parallel managen kann. Im Durchschnitt würde ich circa 50.000 Euro im Jahr schätzen. Headhunter verdienen auf Partnerlevel sehr gut – es gibt Beratungen, die Fixgehälter von 180.000 Euro zahlen oder so wie wir ein unternehmerisches Prämienmodell haben, bei dem der Großteil des Bonus ebenfalls von den Projekterfolgen abhängt."

Was wäre dein beruflicher Plan B gewesen?

"Es hat mir immer so viel Spaß gemacht, dass ich auf Angebote von Kunden immer ablehnend reagiert habe. Nach über 20 Jahren Beratung bin ich heute sicher auch nicht mehr vermittelbar in die Industrie."

Warum macht dir dein Job Spaß?

"Ich lerne jeden Tag neue Menschen und Unternehmen, Produkte, Branchen, und vieles mehr kennen. Ich betreue ganz tolle Kunden mit toller offener, lustiger, professioneller und respektvoller Gesprächskultur. Umso leichter fällt es mir, den potentiellen Interessenten unser Mandat spannend und auch detailliert zu präsentieren."

Bei der Auswahl von Personal: Was ist dir am wichtigsten?

"Neben der tatsächlichen Qualifikation und einem nachhaltigen Werdegang – vor allem ein wertschätzender Umgang miteinander, Aufrichtigkeit, Lachen und dass sich jemand nicht dauernd zu ernst nimmt.

Was beeindruckt dich gar nicht?

"Arrogante und schwafelnde Blender, die sich selbstbeweihräuchern und glauben, sie sind das Zentrum der Welt."