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Was kostet deine Welt? Eine Journalistin über ihren Kontostand

Arbeiten, zahlen, leben: Wie viel verdient eigentlich eine Journalistin? Und wie viel bleibt am Ende des Monats übrig? Wir haben im Rahmen unserer neuen Serie nachgefragt.

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Was kostet deine Welt? Eine Journalistin über ihren Kontostand
© Privat

"Über Geld spricht man nicht" - das gilt besonders in Österreich. Das eigene Gehalt halten die meisten von uns geheim. Dabei sind wir tagtäglich mit unseren Finanzen konfrontiert. Wo ist der 100er im Geldbörsl schon wieder geblieben? Wie soll ich die Reparatur des Autos bloß bezahlen? Wie schaffen es andere Leute, etwas auf die Seite zu legen? Und wie viel verdienen eigentlich die KollegInnen, die mit mir im Büro sitzen? Nicht zuletzt diese unnötige Verschwiegenheit ins Sachen Einkommen trägt dazu bei, dass Frauen immer noch nicht gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen. Wir sagen: Schluss damit, über Geld spricht man! Deshalb fragen wir in unserer neuen Serie Frauen mit den unterschiedlichsten Berufen: Was kostet deine Welt? Wie viel verdienst du? Was bleibt am Monatsende übrig? Im zweiten Teil der Serie, haben wir eine Journalistin zum Interview gebeten.

Elisabeth Schwenter ist 35 Jahre alt , alleinerziehende Mutter eines 11-jährigen Sohnes, lebt in Wien im 14. Bezirk und hat nach der Matura Kultur- und Sozialanthropologie und Politikwissenschaften studiert. Danach hat sie eine Journalismusausbildung an der KMA (Katholische Medienakademie) absolviert. Sie arbeitet seit einigen Jahren als Redakteurin für die Regionalmedien Austria, zuerst für die Bezirksblätter Kitzbühel, seit 2 Jahren für die Wiener Bezirkszeitung. Dort ist sie für 40 Stunden angestellt und trägt die Verantwortung für drei Bezirksausgaben (13., 14., und 23. Bezirk). Das heißt, sie liefert den Wienerinnen und Wienern die relevanten und interessanten Geschichten aus ihrer unmittelbaren Umgebung.

WOMAN: Wie viel verdienst du monatlich - brutto bzw. netto?
Elisabeth: Ich verdiene 2.000 Euro brutto und bekomme monatlich bzw. vierteljährlich noch einen Bonus und Aufwandsentschädigungen. Damit komme ich netto auf nicht ganz 1.800 Euro monatlich.

Wie hoch sind deine Fixkosten?
Elisabeth: Ich habe glücklicherweise eine recht günstige Genossenschaftswohnung, die kostet ca. 500 Euro monatliche Miete. Plus Strom, Internet und Fernwärme komme ich auf 650 Euro. Dazu kommen rund 100 Euro weitere Gebühren für Versicherungen und Betriebskosten. Für Lebensmittel gebe ich im Monat rund 350 Euro aus. Die Fixkosten für mein Kind (Nachmittagsbetreuung, Essen in der Schule, Taschengeld, Kleidung und sein Handy) belaufen sich im Monat auf 350 bis 400 Euro. Für Freizeit und Kleidung gebe ich ca. 300 Euro aus. Insgesamt komme ich also auf rund 1.700 bis 1.800 Euro, die monatlich fix weg gehen. Wobei ich dazu sage, dass ich kein Haushaltsbuch oder dergleichen führe.

Hast du eine private Pensionsvorsorge? Wenn ja, warum und wie viel gibst du dafür monatlich aus?
Elisabeth: Ich hab eine Lebensversicherung.

Sparst du Geld? Wenn ja, wie viel und wie legst du es an?
Elisabeth: Nein, denn am Ende des Monats bleibt nicht viel zum Sparen über.

Wie viel bleibt am Monatsende übrig?
Elisabeth: Nichts bis nicht viel. Jedenfalls zu wenig, um große Sparpläne zu schmieden.

Bist du zufrieden mit deinem Gehalt?
Elisabeth: Nein. Ich bin Journalistin und möchte dementsprechend nach dem Kollektivvertrag für JournalistInnen bezahlt werden. Aber der gilt für uns nicht, denn wir sind eine Gratiszeitung. Würde ich danach bezahlt, stünde mir mehr Geld zu, nachdem ich schon viele Jahre an Berufserfahrung und eine gute Ausbildung habe. Ich arbeite viel und gebe mir bei allem, was ich mache, wirklich Mühe.

Weißt du, was deine KollegInnen verdienen?
Elisabeth: Ja, zum größten Teil schon. Es gibt KollegInnen, die weniger und welche, die mehr verdienen. Ich finde aber auch, dass jenen, die wesentlich besser verdienen, weil sie schon ewig im Unternehmen sind, das zusteht. Und ich finde, dass sie noch mehr verdienen sollten. Wir sind zum größten Teil AkademikerInnen und machen unseren Job in der Redaktion richtig gut.

Wofür gibst du gern Geld aus?
Elisabeth: Ich gebe in der Freizeit immer wieder mal zu viel Geld aus. Da denke ich mir im Nachhinein oft, dass das wesentlich teurer gekommen ist, als geplant. Und natürlich auch hin und wieder beim Ausgehen oder für Kleidung. Aber das hält sich in Grenzen.

Wofür würdest du gern mehr Geld haben?
Elisabeth: Für spontane Dinge: Ein Wochenendtrip oder um etwas Neues für die Wohnung zu kaufen. Ich besitze eine kleine Eigentumswohnung, die im vergangenen Jahr von vorne bis hinten saniert werden musste. Dafür hatte ich das Geld nicht. Ich hab versucht, das so günstig wie möglich zu machen, aber ohne Kredit wäre es nicht gegangen. Die Wohnung steht jetzt schon seit fast einem Jahr leer und ist noch immer nicht ganz fertig saniert. Aber schneller wäre es nicht gegangen. Ich hatte einen riesigen Wasserschaden und jede Menge anderer Probleme mit der Wohnung.
Ich hätte aber auch gern mehr Geld für größere Pläne. Unabhängigkeit, Hausbau, Zukunft.
Wenn es immer wieder recht knapp ist, denkt man viele Wünsche gar nicht zu Ende, weil man sowieso kein Geld dafür hat.

Elisabeth Schwenter, 35, Journalistin.


Redest du mit deinem Freundeskreis übers Geld?
Elisabeth: Ja, klar. Ich weiß zwar nicht von jedem genau, was er oder sie verdient. Aber wir reden immer wieder darüber, was die Dinge kosten und wie schwer es ist, mit dem, was man hat, klar zu kommen. Ich glaube, das ist auch ein Problem meiner Generation. Ich kenne kaum jemanden, der oder die vor dem 30er einen fixen Job hatte und sich ein "Erwachsenenleben" leisten konnte. Meine Generation hat tausend Ausbildungen und Praktika gemacht, aber anstellen wollte uns trotzdem niemand. Wir haben ein Jahrzehnt mit Werkverträgen verbracht und waren dann natürlich heilfroh, wie der erste (mies bezahlte) fixe Job daherkam.

Gibt es sonstige Einnahmen?
Elisabeth: Ich bekomme Familienbeihilfe und ich hatte bis vor einem Jahr Mieteinnahmen. Aber wie gesagt, zur Zeit hab ich mehr Ausgaben als Einnahmen für meine Wohnung.

Was ist dein größter Luxus?
Elisabeth: Meine Wohnung seit einem Jahr nicht mehr zu vermieten. Und Zigaretten...

Würdest du von dir selbst behaupten, dass du gut mit Geld umgehen kannst?
Elisabeth: Puh. Ich glaube, im Grunde schon. Ich habe zumindest immer mein Konto im Überblick, sodass die wichtigsten Dinge bezahlt werden können. Aber ich könnte auch nicht schlafen, wenn Mitte des Monats kein Geld mehr da wäre. Das war früher, ohne Kind, anders. Da mussten dann halt einfach die paar Euro, die noch irgendwo in der Jackentasche waren, reichen, um die nächsten Tage zu überbrücken. Das geht einfach nicht mehr, wenn man ein Kind hat.

Kannst du dir die Dinge leisten, die du gerne haben möchtest oder musst oft auf was verzichten?
Elisabeth: Na ja, wenn mir jetzt jemand seine Kreditkarte für ein paar Tage geben würde - ohne Rahmen und Bedingungen, dann wüsste ich schon, wofür ich ein paar hundert oder eher tausend Euro ausgeben würde. Da wären sicher einige Dinge dabei, die ich nicht unbedingt brauche, die aber schön sind - und teuer. Ich kaufe keine besonders teure Kleidung, hab aber schon immer wieder ein paar Stücke im Auge, die ich mir gerne leisten würde. Aber so dramatisch ist es nicht. Ich lebe ganz gut - vor allem auch, weil meine Wohnung nicht teuer ist. Müsste ich eine 3-Zimmer Wohnung am freien Wohnungsmarkt finanzieren, würde es sicher anders aussehen. Da müsste ich bestimmt mit 400 Euro mehr rechnen. Das wäre nicht leistbar. Und das ist grundsätzlich ein Wahnsinn. Aber das ist ein anderes Thema...

Würdest du lieber mehr verdienen oder eher weniger arbeiten und dafür halt auch weniger verdienen?
Elisabeth: Ich möchte weniger arbeiten und trotzdem mehr verdienen. Ich möchte ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle. Ich möchte, dass jede/r von seinem Einkommen gut leben kann und sich Alleinerzieherinnen, alte Menschen, junge Familien und grundsätzlich all jene, die nicht männlich, weiß, Mitte 50 und in Vorständen sind, keine Sorgen um ihre finanzielle Zukunft machen müssen. Ich möchte mir auch nicht von einem gut verdienenden Mann sagen lassen müssen, dass es im Leben ja um mehr geht, als um das Geld. Ich möchte Frauen in Vorständen und Führungspositionen und solidarische Netzwerke. Das möchte ich. Und aktuell will ich will meiner Arbeit und meiner Leistung entsprechend verdienen. Und das ist meiner Meinung nach zur Zeit nicht so.

Und wie wichtig ist dir Arbeit generell? Welchen Stellenwert nimmt sie in deinem Leben ein?
Elisabeth: Sie nimmt viel Zeit ein. Ich mache auch immer wieder Überstunden und das möchte ich eigentlich nicht. Aber es ist mir schon wichtig, eine berufliche Herausforderung zu haben. Ich kann mir nicht vorstellen, als Hausfrau zu Hause zu sein. Das konnte ich noch nie. Ich habe, seit ich 16 Jahre alt war, neben der Schule oder dem Studium und auch danach immer gearbeitet. Nur in der Karenz, nachdem mein Sohn auf die Welt gekommen ist, hab ich nicht gearbeitet. Das war gar nicht so leicht für mich. Ich wusste, ich gehe so bald wie möglich wieder arbeiten. Das hab ich auch gemacht, obwohl da natürlich eine Menge Familienmitglieder und Freunde ihren Senf dazu gegeben haben. Wenn man ein Kind hat, ist man plötzlich nur mehr von Experten umgeben, die die einzig richtige Herangehensweise kennen. Manche waren schockiert, dass ich meine Sohn so früh in den Kindergarten "abgeschoben" habe, wie sie es nannten. Na ja. Mein Sohn liebt mich trotzdem.

Was kostet deine Welt? Alle Teile der Serie

Hier findest du alle bisher erschienen Teile der Serie.