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Joy Milne kann Parkison riechen

Ihre Nase ist Gold wert, zumindest was die Parkinson-Forschung anbelangt. Denn Joy Milne kann die Krankheit riechen.

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Joy Milne
© youtube.com/BBCNews

Stell dir vor, du lebst ein normales, nettes Leben. Du hast einen Mann, den du liebst, ein Haus und alles geht seinen gewohnten Weg. Bis sich eines Tages etwas verändert. Du hast keine Ahnung was da los ist, aber irgendwie riecht dein Mann plötzlich komisch. Du bekommst diesen Geruch auch nicht aus der Nase. Er bleibt immer da, selbst, wenn er frisch aus der Dusche kommt.

Und dann, viele Jahre nach dem sich dieser merkwürdige Geruch eingeschlichen hat, kommt ihr drauf, dass dein Mann die Parkinson Krankheit hat. Ihr bleibt stark, ihr haltet zusammen und geht gemeinsam zu einem Selbsthilfe-Treffen für Betroffene und ihre Verwandten. Und da ändert sich dein Leben ein drittes Mal.

Dies ist die absolut kürzeste Fassung von Joy Milnes Leben. Sie ist Britin, hat mittlerweile ihren Mann an die Krankheit verloren, doch eins ist ihr geblieben: Ihr unglaublicher Geruchssinn. Und mit diesem ist sie für die Parkinson-Forschung ein wertvoller Schatz. Doch zurück zum Selbsthilfe-Treffen, zum dritten Wendepunkt ihres Lebens: Als Joy Milne den Saal betrat, lag der merkwürdige Geruch ihres Mannes in der Luft.

Und nicht nur das: Viele der Anwesenden rochen genauso, manche stärker, manche schwächer. Milne verstand, dass der Geruch etwas mit der Parkinson Krankheit selbst zu tun hatte. Bei einem Event der Parkinson-Forschung sprach sie Dr. Tilo Kunath, einem der Forscher, darauf an. Und so begann ihre wissenschaftliche Karriere. Denn Kunath gingen die Fragen der Frau nicht aus dem Kopf. Er lud sie ein, Tests zu machen und es stellte sich heraus, dass Joy einwandfrei kranke von gesunden Menschen unterscheiden konnte - und das nur vom Geruch eines T-Shirts.

Sie hat die Krankheit gerochen, schon 10 Jahre vor der Diagnos.

Mit der Hilfe von Joy Milne war es dem Forschungsteam möglich, zehn Moleküle zu bestimmen, die mit der Krankheit in Verbindung stehen. Diese Erkenntnis erlaubt es, Tests zu entwickeln, die Parkinson in einem viel früheren Stadium erkennen können. Denn bis jetzt konnte man die Krankheit nur in einer sehr späten Stufe genau bestimmen, wenn schon bleibende Schäden entstanden und die Degeneration weit fortgeschritten ist.

Leider können auch die neuen Tests die Krankheit nicht aufhalten oder gar heilen, aber sie erlauben es, die Schübe besser zu kontrollieren und den Verlauf rauszuzögern. Joy Milne hat ihren Mann an eine Krankheit verloren, die ihre Nase schon zehn Jahre lang kannte, bevor er überhaupt diagnostiziert wurde. Das würde jeden Menschen in Verzweiflung stürzen, doch die britische Frau bleibt stark: "Wenn der Test funktioniert, dann werden wir nie mehr in die Phase kommen, wo die Krankheit schon die meisten Schäden verursacht hat. (...) Und das wäre einfach großartig!"