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Juergen Maurer: "Ich bin ein Häferl"

Im neuen Film "Harri Pinter, Drecksau" spielt Juergen Maurer einen abgehalfterten Eishockey-Star, der seine Freundin nervt. Privat hatte der lebenslustige "Vorstadtmann" niemals eine Midlife-Crisis. Uns verrät er, was einen richtigen Mann ausmacht.

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Juergen Maurer

In "Harri Pinter, Drecksau" spielt Juergen Maurer einen Eishockey-Trainer, der die Jungs hart rannimmt. Bis sich einer verletzt.

© Graf Film/ Pedro Domenigg

Beim Eishockey ist es wie im richtigen Leben: Es gibt die Harten, und es gibt die Weichen. Und die Weichen haben überhaupt keine Meter!" Mit solch banal-derben Sprüchen stolpert der ehemalige Eishockey-Star Harri Pinter durchs Leben. Juergen Maurer, 50, spielt den in den 1980er-Jahren berüchtigten Macho (ab 1.12. im Kino), der mit Sagern wie "Eine Drecksau genießt und schweigt" zu imponieren suchte. Doch obwohl die glorreichen Zeiten vorbei sind, lebt er geistig noch immer in der Vergangenheit, in der Zeit großer Triumphe. Der "Master" trainiert den Eishockey-Nachwuchs, gibt Fahrstunden und trinkt zu viel mit den alten Kumpels. Das nervt seine Freundin Ines (Julia Cencig). Als sie ihn mit ihrem Uni-Professor betrügt, zieht es Harri komplett den Boden unter den Füßen weg. Aber aufgeben geht nicht...

Der Kärntner Juergen Maurer spielt diesen tollpatschigen Polterer, der in einer permanenten Midlife-Crisis steckt, mit totalem Einsatz und liebevoller Hingabe. Wenn er über das Eis tänzelt, ist es offensichtlich, dass seine Bühnenkarriere eigentlich beim Ballett begonnen hat. Am Burgtheater hat der Vater einer Teenager-Tochter alles gespielt, von Shakespeare bis Thomas Bernhard, doch nach fünf Jahren wollte er frei sein und Filme drehen. Einige "Tatort"-Produktionen waren dabei, wobei der durchtrainierte Schauspieler vom Typ eher Täter als Opfer spielt. Dass er Letzteres aber ebenso gut beherrscht, beweist Maurer in der TV-Serie "Vorstadtweiber", wo er ebenfalls einen Mann in der Krise spielt: Als schwulen Georg haben ihn die Familie sowie der Lover verlassen, und das Geld ist auch dahin. Wie Juergen Maurer mit Krisen umgeht, wann er ausrastet und wie er Haltung zeigt, erzählt er WOMAN.

WOMAN: Kennen Sie persönlich so etwas wie eine Midlife-Crisis?
MAURER: Eine klassische Midlife-Crisis in den 40ern hatte ich nicht. Ich glaube auch, dass die eher den Männern aus der Generation unserer Väter zuzuschreiben ist. Die waren sehr jung verheiratet, frühe Väter und in vielen Bereichen mit ihren Verantwortungen überfordert. Ich musste aus so einer Situation nie ausbrechen, bin erst mit Mitte 30 Vater geworden und habe auch sonst nicht wirklich irgendetwas versäumt. Und außerdem, und das verbindet mich sehr mit dem Harri-Pinter-Modell, bin ich auf eine besondere Art aus der postpubertären Phase sogar mit 50 immer noch nicht ganz herausgewachsen. Das hält die groben Existenzkrisen recht zuverlässig von mir fern...

WOMAN: Im Film gibt es eine Menge Herrenabende. Was zeichnet echte Männerfreundschaften aus?
MAURER: Ja was weiß ich? Vielleicht, dass sie nicht verhandelbar sind.

»Ich bin aus der postpubertären Phase sogar mit 50 immer noch nicht ganz herausgewachsen, das hält die groben Existenzkrisen zuverlässig von mir fern.«

WOMAN: Lachen Sie über sich selbst?
MAURER: Dauernd. Lachen ist auch ein Mittel gegen die Krise. Über mich selbst und andere Lächerlichkeiten, wie zum Beispiel Wahlergebnisse Manchmal ist Lachen die letzte Rettung. Aber über mich selbst im Arbeitsergebnis lache ich nicht. Da seh ich immer nur den Fehler, selten den Spaß.

WOMAN: Was muss ein Mann noch können, außer fesch sein und Schmäh haben?
MAURER: Wo muss ein Mann denn fesch sein? Und wenn er es doch ist: Was hat er denn da gekonnt? Da halte ich es wie die Tante Jolesch (von Friedrich Torberg, Anm d. Red.):"Was ein Mann schöner is' wie ein Aff', is' ein Luxus!" Schmäh allerdings hilft wirklich. Das verhält sich bei den Frauen aber nicht anders. Schön ist meinetwegen schön, aber Schmäh macht sexy. Sonst: Wort halten. Haltung zeigen. Motorradl fahren, im Idealfall.

WOMAN: Wann mutieren Sie zur Drecksau? Wann rasten Sie aus?
MAURER: Ich versuche, mich im Zaum zu halten. Aber ich könnte ausrasten wegen der gesellschaftlichen Entwicklung auf der Welt, wie die selbstabsorbierten Herrenmenschen nach der Macht greifen und es schaffen, sich in demokratischen Systemen auch zu etablieren. Es ist schlimm, wenn es nur noch um Personalien und überhaupt nicht mehr um Inhalte geht. Und: Wie sich die Gesellschaft wieder entsolidarisiert. Am schlimmsten ist, dass es wieder salonfähig wird, hierarchisch und elitär zu denken, und das auch mit mehrheitlicher Zustimmung zum Besten zu geben. Ich habe den Eindruck, dass es für die Warnung "Wehret den Anfängen" längst zu spät ist. Deswegen sollte man ausrasten.

WOMAN: Welche schlechten Eigenschaften haben Sie denn selbst?
MAURER: Jede Menge! Ich bin ein Häferl, manchmal. Und natürlich eitel. Auch schlampig, da würde schon die Hälfte der Schlampereien reichen. Das ließe sich beliebig fortsetzen. Dem Vernehmen nach gibt's aber auch die eine oder andere angenehme Eigenschaft an mir. Ich hoffe auf eine ausgewogene Balance.

Seit Ewigkeiten befreundet, seit Kurzem ein Paar: Maria Köstlinger und Juergen Maurer. Gemeinsam stehen sie auch bei den "Vorstadtweibern" vor der Kamera.

Thema: Kino & TV