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Jürgen Melzer im WOMAN-Talk über seine sanfte Seite, den Wunsch nach Kindern & Co.

Er ist Österreichs Nummer Eins: im Tennis & auf der Liste der begehrtesten Junggesellen. WOMAN zeigte er seine sanfte Seite und verriet, warum er so an seiner Kumpelfreundin hängt...


Jürgen Melzer im WOMAN-Talk über seine sanfte Seite, den Wunsch nach Kindern & Co.
© Ernst Kainerstorfer

„Was halten Sie davon, wenn wir nicht über Tennis reden?“, schlagen wir Jürgen Melzer, 30, beinhart vor, als wir ihn zum Interview treffen. Uns ist nämlich egal, ob und warum das hochbezahlte Tennis-Ass auf der ATP-Weltrangliste von Platz 20 auf 25 abgerutscht ist. Was wirklich zählt, sind ja doch menschliche Qualitäten. „Das sehe ich auch so“, sagt der Deutsch Wagramer, zeigt mit seinem Daumen nach oben und beißt in sein Salzstangerl. Zum Genießen bleibt gerade nicht viel Zeit, schließlich dreht sich beim „Erste Bank Open“ in der Wiener Stadthalle alles um Spiel, Satz und Sieg. Da scheint dem Single-Mann – die Trennung von Ex- Schwimmerin Mirna Jukic erfolgte im Juli - ein Gespräch über Liebe und die Frauen und sogar willkommen…

WOMAN: Herr Melzer, für welche Eigenschaft verdienen Sie die Goldmedaille?

Melzer: Gutmütigkeit. Das wird oft ausgenutzt. Nur von richtigen Freunden nicht. Ich mache oft Dinge für andere, auch wenn ich dann selbst ins Strudeln komme. Zum Beispiel bei Interviews, die sich zeitlich eigentlich nicht ausgehen. Aber weil ich zugesagt habe, halte ich mein Wort, bin verlässlich. Dafür stelle ich meine Interessen und mich selbst oft hintenan. So wurde ich schon geboren. Das hat mir niemand anerzogen.

WOMAN: Versuchen Sie sich nun selbst umzuerziehen und sich wichtiger zu nehmen?

Melzer: Nein. In meinem Beruf muss ich es sowieso machen – da stellt sich kein anderer für mich in die erste Reihe. Und sonst lebe ich damit, dass meist zu nett bin.

WOMAN: Aber Ihre Freunde tanzen auch mal nach Ihrer Pfeife. Ich weiß, dass Ihr bester Freund seine Hochzeit im Juli extra nach Ihrem Terminkalender geplant hat, weil Sie Trauzeuge waren.

Melzer: Das stimmt. 40 Wochen im Jahr bin ich ja nur unterwegs. Also habe ich meinen Timer gezückt und gesagt: „An diesem Wochenende könnte ich“. Das haben wir dann so festgelegt, komme was wolle. Dafür habe ich sogar auf ein Turnier verzichtet, das ich in dieser Zeit hätte spielen können, einfach weil da der große Tag war.

WOMAN: Sie mussten Tags darauf nach Washington fliegen. Mit feucht-fröhlicher Stimmung und Alkohol in rauen Mengen war auf der Hochzeit wohl nix!

Melzer: Ich habe kaum etwas getrunken, aber trotzdem ordentlich gefeiert. Und sogar mit der Braut getanzt! Ich kann mich zu Musik ja halbwegs gut bewegen, glaub ich (schmunzelt) …

WOMAN: Sagen Sie bloß, Sie haben die Silberne Tanznadel!

Melzer: (lacht) Nein, die bekam ich nie verliehen. Aber zwischen 15 und 19 ging ich vier Jahre lang in den Tanzkurs. Das Schnelle liegt mir genauso wie der Lamourhatscher.

WOMAN: Gutes Stichwort: Sie waren drei Jahre lang mit Mirna Jukic liiert. Jetzt wieder vergeben?

Melzer: Nein. Aber eigentlich bin ich ein Beziehungsmensch. Ich war nie allein...

WOMAN: Wie lange dauerte Ihre längste Partnerschaft?

Melzer: Fünf Jahre, das war vor Mirna. Aber wir waren sehr jung, entwickelten uns auseinander. Ich hoffe sehr, dass ich mal eine wirklich lange Beziehung führen kann. Deshalb versuche ich Dinge, die mich belasten, nicht auf die lange Bank zu schieben, sondern sie möglichst schnell zu lösen. Indem ich zum Beispiel eine Aussprache herbeiführe. Auch leidige Banküberweisungen erledige ich gleich. Ich mag mir nicht unnötig den Kopf zerbrechen.

WOMAN: Das heißt, Sie brauchen eine gewisse Ordnung in Ihrem Leben.

Melzer: Genau, nur ist das nicht meine Stärke! (lacht) In dieser Disziplin kann ich mich noch verbessern.

WOMAN: Chaospilot also…

Melzer: So schlimm ist es nicht. Aber zuhause muss nicht immer alles am gleichen Fleck sein.

WOMAN: In Ihrer Etagenwohnung gibt es ein „Trophäenzimmer“. Oder besser gesagt ein umfunktioniertes Abstellkammerl, wo Ihre Pokale lieblos herumkugeln. Das erweckt den Eindruck, dass Sie sich nach mehr als bloß symbolischer Anerkennung sehnen. Oder sind Sie nur notorisch unzufrieden?

Melzer: Ich bin happy mit dem, was ich erreicht habe. Die Mühe, die Auszeichnungen chronologisch zu ordnen, erspare ich mir. Dieses Trophäenzimmer zeige ich auch nicht wirklich her. Beruflicher Erfolg ist nämlich nicht der einzige Sinn meines Lebens. Zwei, drei Pokale haben eh einen speziellen Platz.

WOMAN: Wo? Im Schlafzimmer?

Melzer: (lacht) Nein. Im Wohnzimmer. Da zählt der erste Wien-Pokal dazu. Wimbledon im Doppel bzw. im Mixed. Und dorthin wird auch der US Open Titel kommen. Wenn ich zuhause bin, liege ich am liebsten im Whirlpool auf der Terrasse oder knotze auf meiner Wohnzimmercouch.

WOMAN: Liegen Sie allein am Sofa? Ohne Frau, ohne Haustiere?

Melzer: Ja. Ich bin allergisch gegen ziemlich alle Tiere. Liebe Hunde, kann aber leider nichts mit ihnen anfangen, weil ich sofort zum Niesen beginne und meine Augen tränen. Also liege ich allein herum und schaue amerikanische Serien im Fernsehen. „Entourage“, „Suits“ etc. Alles in Englisch.

WOMAN: War Englisch in der Schule Ihr Lieblingsfach?

Melzer: Nein, gar nicht. Das war Mathe. Das war immer logisch für mich, ich musste nie was lernen. Aber sonst bin ich kein Kopfmensch, handle meist aus dem Bauch heraus. Obwohl…

WOMAN: Testen wir’s! Wie sollte die Idealfrau sein, die mit Ihrem Wertesystem und Lebensstil korreliert?

Melzer: Sie sollte sportlich sein und sich ein bisschen im Tennis auskennen. Sie muss meine Scherze verstehen. Sie kann auch selbst lustig sein, für einen guten Schmäh wird niemand gehauen! Sie muss aber auch Witze einstecken können, und darf natürlich zurückschießen. Und sie sollte auch mal den ganzen Nachmittag einfach nichts tun und nur mit mir auf der Couch liegen können. Ohne Freizeitstress!

WOMAN: Und was, wenn Sie sich in eine ganz andere verlieben?

Melzer: Dann haue ich alle diese Vorstellungen über den Haufen, probier es aus und schau ob’s funktioniert. Aber sportlich sollte sie trotzdem sein. Ich würde gerne mit meiner Freundin Golf spielen gehen…

WOMAN: Sie wissen, was man über Golfspieler sagt?

Melzer: (lacht) Dass Sie keinen Sex haben. Blödsinn! Na oder eben Beachvolleyspielen im Urlaub. Da wär’s schön, wenn eine nicht zwei linke Hände hat.

WOMAN: Sie sind selbst Linkshänder! Haben Sie handwerklich zwei linke Hände?

Melzer: Nagel in die Wand schlagen, Glühbirne wechseln, Lampe montieren, Zimmer ausmalen – das krieg ich alles hin. Aber zum Parkettboden verlegen, brauche ich schon den Fachmann.

WOMAN: Welches Männerbild vermittelte Ihnen Ihr Vater, der ja mal SPÖ-Bürgermeister in Deutsch Wagram war?

Melzer: Ein gesundes, würde ich sagen. Er ist jetzt auch kein Tim Taylor aus „Hör mal, wer da hämmert“, aber zumindest ein Bild kann er aufhängen…

WOMAN: Im Buch „Die fünf Sprachen der Liebe“ werden fünf Kommunikationskanäle beschrieben, wie man Zuneigung ausdrücken kann: durch Lob und Anerkennung, Zweisamkeit, persönliche Geschenke, Hilfsbereitschaft und Zärtlichkeit. Was brauchen Sie, um sich geliebt zu fühlen?

Melzer: Körperliche Nähe. Ich brauche es, neben jemand zu sitzen, ihn zu umarmen. Kopf an die Schulter lehnen, Streicheln, Berühren, das alles. So schenke auch ich Liebe. Das ist für mich wichtig und normal. Ich bin keiner, der Zuwendung abblockt. Geschenke sind mir hingegen völlig egal. Liebe kann man nicht erkaufen! Und wenn mir jemand etwas Materielles schenkt, ist es nur bedeutungsvoll für mich, wenn es eine persönliche Note trägt.

WOMAN: Welcher Gegenstand hat so tiefen emotionalen Wert für Sie?

Melzer: Ich habe einmal von einer Kumpelfreundin einen selbstgebastelten Bilderrahmen bekommen. Sie hat viel Zeit da hineininvestiert und viele verschiedene Materialen verarbeitet, so dass es zum Schluss aussah wie ein Sandstrand. In der Mitte hängen Bilder von mir.

WOMAN: Wie nahe stehen Sie dieser Kumpelfreundin?

Melzer: Sehr nahe. Sie begleitet mich schon seit vielen Jahren. Wir haben uns mit 13 auf einem Tenniscamp kennengelernt. Seither verstehen wir uns blind. Wir ticken ganz gleich. Gleiches Gehirn. Aber sexuell lief da nie was: mit seinem besten Freund geht man nicht ins Bett! Heute ist sie verheiratet. Im Moment Hausfrau und Mutter. Ich verstehe mich auch sehr gut mit ihrem Mann. Bei ihnen bin ich allerdings nicht Trauzeuge. Das werde ich nur noch einmal: Wenn mein Bruder Gerald heiratet. Aber nur, wenn ich wirklich überzeugt bin von der Beziehung. Man setzt ja seine Unterschrift drunter, hält die schützende Hand darüber. Wenn ich Bauchweh als Trauzeuge hätte, würde ich es nicht tun.

WOMAN: Wie würden Sie sich in der Rolle des Bräutigams fühlen?

Melzer: Ich würde gerne heiraten. Aber nur einmal. Da bin ich altmodisch und wünsche mir, dass es für ein Leben lang hält. Ich will nicht nur einen Lebensabschnittspartner. Leider ist Scheidung manchmal notwendig. Wenn man absolut unglücklich ist, sich aus irgendeinem Grund nicht mehr ausstehen kann und auch mehrere Neustarts nicht fruchten. Ein Kind bekommt ja doch alles mit, auch wenn einem die Eltern heile Welt vorspielen. (Ein Bub namens Gabriel kommt zum Tisch und bittet um ein Autogramm. Melzer plaudert mit ihm und malt noch einen Smiley auf den Zettel) Ich mag Kinder. Sehr gern. Meine beste Freundin hat eine zweijährige Tochter. Mit ihr gehen wir oft spazieren oder ich spiele mit ihr.

WOMAN: Was ist für Sie privater Erfolg?

Melzer: Eben das: Ein Haus bauen mit der Frau, die man liebt. Und mit der man ein Kind hat, das gesund ist. In der Früh aufstehen, und glücklich sein mit dem, was ich habe. So ein Glück misst man nicht am beruflichen Erfolg. Und glauben Sie mir, es gibt Tage, wo ich aufwache und mir denke: „Was mache ich eigentlich gerade…?“

WOMAN: Aber noch macht er Ihnen Spaß, dieser ganze…

Melzer: … Tenniszirkus. Ja! Sonst hätte ich schon aufgehört. Das ist wie eine große Familie. Wie eine eigenen Welt. Die restlichen 12 Wochen im Jahr kann ich ganz ich selbst sein.

Interview: Petra Klikovits