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Kabarettistin Monica Weinzettl über Beziehungen: "Mein Glücksgeheimnis: Loslassen"

Monica Weinzettl, 51, beißt sich am Pärchenalltag mit Lebens- und Bühnenpartner Gerold Rudle, 56, „Zum x-ten Mal“ die Zähne aus (Premiere: 25.2. Wien, Orpheum). Daheim geht sie mit so etwas pragmatischer um. Wir fragten die seit acht Jahren verheiratete Schauspielerin und Kabarettistin, wo die größten Hoppalas der Liebe lauern und was man dagegen tun kann.

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Kabarettistin Monica Weinzettl über Beziehungen: "Mein Glücksgeheimnis: Loslassen"
© Manfred Halwax/ haliklik.at

Woran erkennt man eine gute Beziehung?
Monica: Daran, dass man den Menschen so lässt, wie man ihn kennengelernt hat. In den hat man sich nämlich verliebt.

Woran merken Sie, dass Sie verliebt sind?
Monica: Daran, dass ich ungefähr 27 Mal am Tag seufze.

Der wichtigste Rat, damit eine Beziehung überlebt/funktioniert?
Monica: Einer Frau würde ich den Rat geben, dem Mann seine Freiheiten nicht wegzunehmen. Wenn der Mann gern Fußball schaut, dann macht er das in der Beziehung auch. Dieses „Ab jetzt müssen wir alles gemeinsam machen“ ist der Tod jeder Beziehung. Bei einem dreiwöchigen Segeltörn mit sieben Männern muss keine Frau die Angst haben, dass der nicht mehr zurückkommt.

Was haben Sie im Lauf der Jahre über die Liebe gelernt?
Monica: Der Kern allen Glücks ist das Loslassen. Wenn du jemanden liebst, musst du auch das Vertrauen haben, dass er wieder zurückkommt. Es gibt nichts Tödlicheres als Eifersucht. Kein Mensch ist frei davon, aber mit ihr umzugehen ist eine ständige Arbeit.

Was hält eine Liebe zusammen, wenn sonst gar nichts mehr geht?
Monica: Das weiß ich nicht, weil ich so eine Beziehung nie hatte. Ich kenn Menschen, die zusammen sind und keiner weiß warum. Wahrscheinlich wegen Geld oder, weil der gewohnte Schmerz der bessere ist. Dass Menschen sich lieben, wenn sonst nichts passt, das passiert doch eher bei Eltern oder Geschwistern, aber nicht bei Paaren.

Was sind die größten Stolpersteine in langen Beziehungen?
Monica: Das, was man sich anfangs wünscht, kann später zu einem Stolperstein werden. Man will am Anfang mit dem Menschen alles. Auf Urlaub fahren, zusammenleben, die unromantischsten Dinge findet man romantisch: Lass uns gemeinsam Erlagscheine zur Bank bringen! Aber irgendwann streitet man sich, weil er oder sie den Erlagschein nicht zur Bank gebracht hat. Das kommt nicht plötzlich, es schleicht sich ein und man redet oft erst darüber, wenn es schon zu spät ist.

Viele Paare leben sich auseinander, ohne, dass sie es merken. Welche Warnsignale muss man ernst nehmen?
Monica: Ich weiß, wenn der Gerold nicht mit mir spricht, dann war was. Wir sind beide eher so, wenn uns was nicht passt, dann halten wir den Mund. Das muss jeder erst für sich ausformulieren – dann können wir drüber reden. Wir haben uns noch nie angebrüllt.

Wie bringt man neuen Pepp in eine Beziehung?
Monica: Weiß ich nicht. Diese aufgezwungene „Jetzt machen wir wieder was für unsere Beziehung“-Vorhaben scheitern ja schon am Start. Liebe wieder aufheizen klingt nach gewissen Lebensmitteln, die man nicht aufwärmen soll, weil sie dann giftig werden.

Streitthema Haushalt & Co.: Wie wichtig ist Ihnen eigentlich 50:50?
Monica: Ich hatte früher sogar Freunde, die meinten, es wär schon meine Aufgabe, die Hemden zu bügeln. Oder wo ich mir dachte: Muss das sein, dass der seine Socken auszieht und irgendwo liegen lasst? Will er sein Revier abstecken mit dem, was am meisten Geruch hat? So etwas ist bei uns überhaupt kein Streitthema, im Gegenteil, wir bedanken uns immer beim anderen. Wenn ich den Geschirrspüler ausräume, sagt der Gerold: „Danke fürs Geschirrspüler-Ausräumen.“ Dabei hab ich das ganz unbewusst nebenbei beim Telefonieren gemacht.

Was würden Sie sich von der guten Fee lieber herbei zaubern lassen? Die verliebte Romantik oder den leidenschaftlichen Sex der ersten Zeit?
Monica: Ich will nicht entweder oder. Ich lebe auch nicht entweder oder!

Wie bleibt man für den Partner interessant?
Monica: Wenn ich interessant bleiben muss, dann denk ich mir: Was ist denn das für eine Beziehung? Aber ganz furchtbar ist schon, wenn man sich gehen lässt. Weil man beschließt, das war’s jetzt. Einmal ja gesagt und ab jetzt kann ich 20 Kilo zunehmen. Man muss sich selbst treu bleiben in einer Beziehung.

Fitter, schneller, frischer, jünger wirken. Womit haben Sie sich da schon Druck gemacht?
Monica: Ich versuche, mir keinen Duck zu machen, aber ich merke ihn sehr wohl. Mit 40 haben Rollenangebote langsam nachgelassen.

Haben Sie sich auch schon mal gefragt: Genüge ich noch?
Monica: Natürlich. Auch in Bezug auf den Partner. Weil es die Gefahr der Gewohnheiten gibt. Man fragt sich: Mögen wir das denn noch, was wir hier leben? Wir versuchen auch immer wieder, Neues auszuprobieren. Nicht alles mit Erfolg! Ich hab unlängst vorgeschlagen: „Machen wir einen Tanzkurs?“ Da bin ich gescheitert. „Gehen wir Badminton spielen“ kam super an. Und wenn der Gerold sagt: „Fliegen wir einmal nach …“, sag ich schon „Ja“, bevor ich noch weiß, wohin.

Soll man sich für den anderen überhaupt verändern? Wie viele Kompromisse darf man da eingehen? Sind Veränderungen wichtig? Was ist zu viel?
Monica: Ich hab eher immer das Gefühl, es ist umgekehrt: Die Frauen richten sich die Männer her. Sowas find ich ganz furchtbar. Natürlich gibt es Frauen, die sich nach einer Zeit den Busen richten lasen, aber da leidet die Seele schon. Und das dem Partner umzuhängen – „Ich mach das ja nur wegen dir“ – ist eigentlich eine Frechheit. Wenn das eine Beziehung rettet, dann war’s keine.

Liebe hat auch viel mit Selbstliebe zu tun. Was fällt Ihnen leichter? Andere zu lieben oder sich selbst ...
Monica: Sicher andere! Da tun sich sicher viele leichter, als in den Spiegel zu schauen: „Wow, ich liebe meine dicken Oberschenkel! Oh, schön! Ich hab totale Augenringe!“ Das ist echt schwierig (lacht).

Was killt die Romantik in einer Beziehung?

Monica: Ich bin nicht unbedingt der romantische Typ. Der Gerold ist viel romantischer als ich. Ich leb von Tatsachen. Ich finde einen Sonnenuntergang schön, aber das ist ein Naturschauspiel und hat nichts mit meiner Beziehung zu tun. Meine Gefühle weichen in dem Moment nicht auf und ich rinne ins Meer.

Wie kann man Romantikkillern gegensteuern?
Monica: Ich tu mir schon schwer mit der Definition. Wenn ich sage: „Ich liebe dich“ – ist das jetzt romantisch oder ein Tatsachenbericht?

Was erwarten Sie sich von ihm am Valentinstag / Hochzeitstag oder Jahrestag?
Monica: Das ist mir vollkommen wurscht. Ich brauch keinen Valentinstag, ich brauch keine Blumen. Ich vergess auf unseren Hochzeitstag und unseren Kennenlerntag, will keine Zwangsverpflichtung draus machen. Mein Vater hat über 20 Jahre lang den Hochzeitstag vergessen und meine Mutter hat sich gekränkt.

Mit welchem Kompliment kann Ihr Partner Ihnen eine Freude machen?
Monica: Wenn ich im Jogging-Anzug auf der Couch liege, einen Bad-Hair-Day habe, krank oder verspannt bin und mir denke: Wieso krieg ich da ein Wimmerl!? Und dann kommt der Mann und sagt: Mein Gott, wie hübsch du bist! Und das meint er auch so!

Und was würden Sie lieber nicht so oft hören?
Monica: (Denkt lange nach) Naja, wenn er recht hat. Wenn er sagt: „ Merkst du, dass du pausenlos sagst, du musst? Hör auf, so streng zu dir zu sein!“ Dann ärgere ich mich, dass er recht hat – aber eigentlich über mich selber.

Wie romantisch finden Sie Liebesbekundungen via SMS oder online?
Monica: Das braucht man am Anfang. Man hungert man nach jeder Zeile und denkt sich: Meint er’s eh auch so, wie ich das mein? Heute ist ein Zwinker-Smiley mit Herzerl beim Wegfliegen einfach sehr praktisch, aber nicht wahnsinnig wichtig. Das wird es vielleicht wieder am Ende einer Beziehung: Wieso hab ich jetzt kein Herzerl gekriegt am Schluss, wie früher?

Liebesbriefe: Schon mal welche bekommen bzw. schreiben Sie selbst welche?
Monica: Ja, schon! Ich komm ja auch aus einer Zeit, in der es keine Handys gab. Es gab Brieferln, Faxe. Ich war ganz verliebt in einen Typen, der nach Amerika gegangen ist, und war froh, wenn ich am Abend beim Heimkommen die am a immer wieder so kleine handschriftliche Zetterln gegeben.

Was hilft gegen Liebeskummer?

Monica: Liebeskummer ist furchtbar, du willst nur sterben, und zwar so schnell wie möglich. Und der andere soll dabei zuschauen müssen oder auch sterben. Da kann dir auch niemand helfen. Es gibt nichts dagegen. Einfach durch.

Wann trennen Sie sich bzw. wann merken Sie, dass es einfach nichts mehr bringt?
Monica: Es gibt dieses Gefühl: Also, einmal noch, aber dann … und noch einmal und noch einmal. Man wartet, bis das Fass wirklich voll ist. Wenn dir die Beziehung noch was wert ist, dann versuchst du, es nicht zum Überlaufen zu bringen. Aber wenn die Seele zu sehr leidet, geh ich.

Was haben Sie, im Nachhinein, von früheren Beziehungen gelernt?
Monica: Dem Partner seine Freiheit lassen. Und ihn bei der Trennung, auch wenn ich ihn noch so geliebt habe, als Liebesbeweis gehen zu lassen. Nicht noch Dramen aufzuführen, stalken, anrufen, auf Facebook zumüllen. Das Loslassen ist die größte Übung, die ich in meinem Leben geschafft habe.

Was funktioniert bei Ihnen besser: mit dem Partner verschmelzen oder sein eigenes Leben weiterleben?

Monica: Verschmelzen ist das Schlimmste, das man tun kann. Es gibt in einer Beziehung kein WIR. Es gibt ein DU und ein ICH. Mit Betonung auf UND. Aber man wird nicht eins. Wir sind zwei Individuen, die die Abmachung getroffen haben, zusammenzubleiben, solange wir wollen.

Wie wichtig ist Treue?
Monica: Für mich schon. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen würde, wenn jemand sagt: „Du, da war was.“ Auch wenn es heißt: „War ja ohne Gefühl!“ Was ist ohne Gefühl? Was ist ohne Grund? Nichts!

Sind Sie ein eifersüchtiger Mensch?
Monica: Nicht mehr. Als ich jung war, war ich nicht selbstsicher genug, darauf zu vertrauen, dass ich einem Mann reiche. Und genau da setzt blöderweise die Eifersucht an. Und wenn du dann bestätigt wirst in deiner Eifersucht, ist es noch blöder. Dann brauchst du noch länger, bis du dich da wieder rausholst.

Wer ist der Mensch, der Sie am besten kennt? Muss das zwangsläufig der aktuelle (Ehe)-Partner sein?
Monica: Nicht unbedingt. Aber jetzt würd ich schon meinen, der Gerold. Und meine Mutter – die kann mich auch immer gut einschätzen.

Was bringt der Beziehung auf Dauer mehr: Dinge ausdiskutieren oder einfach auch mal stehen lassen?

Monica: Ich finde es gut, Dinge anzusprechen. Nicht zwangsläufig in der Sekunde. Ich denk gern alles vorher durch – und dann kann ich mit jeder Antwort des Partners umgehen. Wenn ich merke, dass Gerold was hat, frag ich erst mal: „Hat das was mit mir zu tun?“ Sagt er „Nein!“, dann sag ich: „Cool. Ich geh mit dem Hund.“ Aber wenn’s beide angeht, kann man es nicht totschweigen, denn dann stolpert man immer wieder drüber.

Wie gut kann man mit Ihnen streiten?
Monica: Ich bin nicht konfliktscheu und kann schnell mal meine Meinung sagen, die nicht immer erwünscht ist. Da kann man dann auch drüber streiten. Und ich kann schon mal unfair werden und sagen: „Na, komm, komm, ich hol dich aus der Höhle, jetzt sag einmal was.“ Aber eine Schreierei finde ich nicht befreiend. Gerold und ich haben uns noch nie angebrüllt.

Welche Sätze/Worte sollte man bei Diskussionen vermeiden?
Monica: Wir haben eher diese liebenswerte: „Hast du schon wieder? Machst du schon wieder?“ Der Gerold kann in irgendetwas reinkippen. Wenn wir einen Film mit Schafen sehen und er sagt „So, wir brauchen jetzt auch zwei Schafe. Das ist im Garten superpraktisch, die können rasenmähen“, dann müssen wir uns mit dem Thema Miet-Schafe auseinander setzen. Vielleicht würde eine andere Frau sagen: Hast du einen Huscher? Ich liebe das! Manche Dinge erledigen sich eh von selbst. Zum Beispiel der Gedanke des Auswanderns, da hab ich gesagt: „Baby, gerne. Hast du einen Plan?“ „Nein.“ „Gut!“

Was nervt Sie an einem Partner?
Monica: Da gibt’s vieles! Was ich zum Beispiel nicht aushalte, ist, wenn mir jemand ständig ins Gesicht greift. Wahnsinn, mag ich das nicht! Ich hatte einmal eine kurze Beziehung, der hat mich immer mit zwei Händen an den Backen genommen wie eine Mutter. Oder wenn jemand an mir dranklebt. Da denk ich mir: „Weg! Ich muss atmen.“

Und mit welcher Eigenschaft können Sie manchmal nervig sein?
Monica: Wenn ich jemand nicht ausreden lasse, weil ich eh weiß, was er meint. Dann muss er den Satz ja nicht fertig sagen.

Kann man bei Streit auch mit Humor punkten? Oder bleibt Ihnen das Lachen da im Hals stecken?
Monica: Du kannst mit Humor alles! Lachen hat ja mit Loslassen zu tun. Es heilt auch in einer Beziehung.