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Kaiserschnitt ... was nun?

Klar! Eine natürliche, komplikationslose Geburt ist das Ideal. Doch was, wenn ein Kaiserschnitt medizinisch notwendig ist? Oft leiden dann Mutter und Kind. Sectio-Bonding, Craniosacral-Therapie und Darmbakterien können das wieder ausgleichen. Alle Infos gibt es hier.

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Kaiserschnitt ... was nun?
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Die natürliche Geburt befindet sich auf dem Rückzug. Rund 30 Prozent aller Babys kommen in Österreich per Schnitt im Bauch auf die Welt. Einige dieser Operationen sind geplant. Doch eine beträchtliche Anzahl davon sind Notkaiserschnitte, weil bei der Entbindung Komplikationen auftreten. "Die Diagnostik ist besser geworden und die Ärzte wollen natürlich so wenig Risiko wie möglich eingehen", sieht Kinderärztin Dr. Monika Resch einen Grund für die gestiegene Zahl an Eingriffen. Davon betroffene Frauen bleiben oft mit einem sehr frustrierenden Geburtserlebnis zurück. Und auch das Neugeborene kann gesundheitliche Nachteile davontragen. Doch diese sind zum Glück nicht unumkehrbar. WOMAN Mom hat mit Kinderärztin Dr. Monika Resch und Craniosacral-Therapeutin Linda Steinbauer von der Kinderarztpraxis Schumanngasse über die Folgen einer Sectio gesprochen und was sie Müttern raten.

Bonding im OP

Was genau sind jetzt die größten Unterschiede zwischen natürlicher Niederkunft und Kaiserschnitt? Zuerst mal klarerweise die Geburtsumstände. Hier muss man zwischen geplanter und Not-OP differenzieren. Bei Ersterer stehen Tag, Uhrzeit und das Team fest, man kann sich gut vorbereiten, und die meisten Schwangeren sind mit dieser Entscheidung im Reinen. Kommt es zu Problemen, und dann wird geschnitten, ist das eine potenziell bedrohliche Situation, dementsprechend ist auch die Stimmung im Kreißsaal. Wegen der relativ niedrigen Temperaturen im OP und für die medizinische Untersuchung wird das Kind oft schnell von der Mutter weggenommen. Dadurch kommt das Bonding, der Erstkontakt, bei dem große Mengen des Bindungshormons Oxytocin ausgeschüttet werden, zu kurz. Dieses Hormon ist aber verantwortlich für die Euphorie und die Befriedigung nach der Geburt. "Gibt es von diesem Erstkontakt zu wenig, kann das für beide sehr frustrierend sein. Gott sei Dank setzt sich der Trend zum Sectio-Bonding durch", erklärt Dr. Resch. Will heißen: "Ist das Kind offensichtlich außer Gefahr, wird es in vorgewärmte Decken gehüllt und der Mutter auf die Brust gelegt. Dort bleibt es dann so lange, wie diese es will. Die Hebamme ist die ganze Zeit dabei, währenddessen vernähen die Ärzte die Wunde." Diese Entwicklung schafft auch Raum für einen weiteren Trend, das Cord Milking. "Dabei wird die Nabelschnur so lange nicht durchtrennt, bis die Plazenta ausgepulst ist. Das heißt, das gesamte Blut, das noch im Mutterkuchen ist, geht über ins Baby."

So klappt's mit der Verdauung

Ein unvermeidbares Problem bei Kaiserschnitt ist der gestörte Aufbau der Darmflora. Denn auf dem Weg durch den Geburtskanal wird das Kleine mit den Bakterien der Mutter quasi eingerieben. "Sectio-Babys haben viel öfter Bauchschmerzen und Blähungen, weil ihr Darm die Milch nicht so gut verarbeitet. Da gibt es mittlerweile spezielle Probiotika für Neugeborene, die den Darm mit den entsprechenden Bakterien versorgen. So bessert sich das rasch", weiß die Ärztin. Aus dem gleichen Grund kann das Immunsystem schwächeln, hängt es doch eng mit dem Mikrobiom im Darm zusammen. Studien legen nahe, dass dadurch das Risiko für Diabetes und Allergien erhöht ist. An einer Lösung für dieses Problem arbeiten Forscher an der New York University. In einer Pilotstudie haben sie Babys unmittelbar nach der Geburt mit Bakterien aus der Vagina der Mutter eingerieben. Ihr Haut- und Darmmikrobiom war in der Folge tatsächlich besser als das von Kindern, die dieses Treatment nicht bekamen. Größere Studien stehen hier aber noch aus. Auch Stillen bessert das Problem, immerhin sind in der Muttermilch Darm- und Immunzellen. "Es dauert zwar bei Kaiserschnitt vier bis fünf Tage, bis die Milch einschießt. Wenn das Kind zu viel Gewicht verliert, soll man deshalb auch kurz zu Flaschennahrung greifen, das nimmt viel Druck aus der Situation", betont Resch. Das ständige Anlegen hat aber eine doppelte Wirkung: Es fördert den Milchfluss und stärkt die Bindung zwischen Mutter und Kind.

Energiefluss fördern

Ein weiteres Thema: Verspannungen. Beim Kaiserschnitt werden die Kleinen im Kopf-Nacken-Bereich aus dem Bauch gezogen. "Viele von ihnen sind deshalb verkrampft", weiß Craniosacral-Therapeutin Linda Steinbauer. "Man merkt das, wenn das Kind immer nur auf eine Seite schaut und sich das Köpfchen vielleicht sogar leicht abflacht, wenn es schwer zur Ruhe kommt, oft aufschreckt. Jede Spannung nimmt den Babys aber Kraft und Energie, weil die Durchblutung dort nicht so gut ist und damit die Nährstoffversorgung. Wenn man den Kindern das rausnimmt, werden sie viel ruhiger, oft machen sie auch ganz schnell den nächsten Entwicklungsschritt, können sich etwa über Nacht umdrehen." Die Craniosacral-Therapie ist übrigens deshalb auch schon für die Kleinsten so gut geeignet, weil es eine ganz sanfte Methode ist, Energie wieder in Fluss zu bringen und Verspannungen zu lösen.

Die Mutter unterstützen

Bleiben schließlich noch die Mütter, die sich von dem traumatischen, weil ungeplanten Ereignis erholen müssen. "Einige Mamis haben das Gefühl, bei der Geburt versagt zu haben. Das macht Stress, dadurch klappt es mit dem Milchfluss oft nicht so gut. Das bringt dann zusätzlichen Druck, die Mutter-Kind-Bindung kann leiden. Viele haben auch das Gefühl, dass im Körper etwas durchtrennt wurde, sie trauen sich nicht, die Narbe anzuschauen oder anzugreifen. Diesen Frauen muss man jede Unterstützung geben", betont Steinbauer und empfiehlt eine Narbenbehandlung. "Das fördert die Durchblutung und bessert die Wundheilung. Und die Frauen haben danach das Gefühl, wieder ‚ganz‘ zu sein!"

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