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Wer kann Europa? Die Kandidaten im Glaubwürdigkeits-Check

Sieben Parteien wollen am 26. Mai für Österreich ins EU-Parlament gewählt werden. Aber wie europafit sind die KandidatInnen wirklich? Für WOMAN analysieren vier Politik-Journalistinnen die jeweiligen inhaltlichen Positionen. Diesmal im Check: Die Glaubwürdigkeit der KandidatInnen.

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Wer kann Europa? Die Kandidaten im Glaubwürdigkeits-Check
© Photo by Christian Wiediger on Unsplash

Was machen die dort überhaupt? Wenn es um die EU-Wahl geht, sind viele WählerInnen verunsichert: Wer sind die KandidatInnen hinter den Parteien, wer die Menschen hinter den PolitikerInnen? Und was sind ihre konkreten Anliegen? Wir haben vier Innenpolitik-Journalistinnen gebeten, die KandidatInnen einem inhaltlichen Check zu unterziehen.

Birgit Entner-Gerhold (Vorarlberger Nachrichten), Petra Stuiber (Der Standard), Barbara Tóth (Falter) und Ulla Kramar-Schmid (ZIB 2) haben die Positionen der sieben EU-Kandidaten analysiert: Für welche Inhalte stehen sie und wie wollen sie diese durchsetzen?

Otmar Karas: Er ist seit 20 Jahren im EU-Biz. "Ein glühender Europäer, der bekannt ist für seine sachlich-trockenen Abhandlungen mit emotionalem Finish", analysiert Entner-Gerhold. Ein Manko könnten die Themen-Differenzen zur Regierungspolitik der ÖVP sein.

Andreas Schieder: "Als langjähriger außenpolitischer Sprecher der SPÖ wirkt er inhaltlich sehr sicher", attestiert Petra Stuiber. Entner-Gerhold: "Er weiß, wie die Mühlen der EU mahlen. Und wird seine Position als Oppositionspolitiker ausnutzen, um auf sozialdemokratische Klassiker zu setzen -von einer fairen Steuerpolitik bis zum europäischen Mindestlohn."

Harald Vilimsky: Aufgefallen ist er zuletzt durch Angriffe gegen Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. "Er ist das Angebot für EU-Skeptiker. Der einzige der Spizenkandidaten, der sich für mehr Kompetenz der Nationalstaaten einsetzt", beschreibt ihn Entner-Gerhold. Stuiber formuliert es so: "Der blaue Brüssel-Veteran hat bei den FPÖ-Wählern hohe Glaubwürdigkeit als ,Stachel im Fleisch der Zentralisten'.

Werner Kogler: "Als Aufdecker steht er für Sauberkeit in der Politik und punktet im Wahlkampf mit Schmäh, Selbstironie und wenig Wehleidigkeit", meint Stuiber. Entner- Gerhold: "Das Thema der Grünen, die Klimawende, könnte Kogler Rückenwind verschaffen. Wenn er es schafft, aus den Fehlern der NR-Wahl zu lernen "

Claudia Gamon: "Die ideale Galionsfigur für junge, liberale Europa-Euphoriker, die Zukunftsthemen gekonnt ausspielt", findet Stuiber. Entner-Gerhold sieht es ähnlich: "Ihr Programm ist eine Ansage an jene, die keine Sozialunion, aber dennoch mehr Europa möchten. Und an alle, die der ÖVP weniger abgewinnen können und sich auch bei den Grünen nicht ganz wiederfinden."

Johannes Voggenhuber: Entner-Gerhold: "Die Institution der EU kennt er in-und auswendig, war er doch langjähriger EU-Madatar. Nach seinem Rücktritt 2009 kehrt er jetzt zurück und will Europa retten -mit leicht lehrerhaftem Ton." Dass er oft auf seine Vergangenheit anspielt, hat auch Stuiber erkannt: "Er hat seine Fans, aber ob er als One-Man-Show, die er in Wahrheit ist, so zieht, dass es für den Einzug ins EU-Parlament reicht, ist fraglich."

Katerina Anastasiou: "Ihr Programm liest sich wie ein Best-of linker Parteien: gegen Waffenlobbys, gegen Banken und Konzerne, für eine soziale, ökologische und feministische Zukunft zum Wohle aller'", schlussfolgert Stuiber. "Eingebettet in die Fraktion der Europäischen Linken ist möglicherweise fehlendes Know-how in den Finessen der Europapolitik gut auszugleichen."

Thema: EU-Wahl 2019