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Wiedereinstieg nach der Karenz: Eine Expertin gibt Tipps!

Frauen, die aus der Karenz kommen, sind sich oft nicht sicher, wie der nächste Schritt ihrer beruflichen Laufbahn aussieht. WOMAN.at hat mit Eva-Maria Kraus gesprochen, die genau für solche Fälle ein spezielles Karenz-Coaching anbietet.

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karenz coaching
© Photo by Sai De Silva on Unsplash

Nach der Karenz stehen vielen Frauen - und auch Männer - vor der Frage, wie es mit dem beruflichen Werdegang weitergehen soll. Reicht Teilzeit oder wird es dann mit dem Geld knapp? Soll ich gleich mit 40 Stunden einsteigen oder langsam die Arbeitszeit erhöhen? Und was, wenn ich eigentlich lieber mit den Kindern zuhause bleiben würde - wie wirkt sich das auf mein Leben aus? Diese Fragen sind bei Eva-Maria Kraus gut aufgehoben. Die Trainerin bietet spezielles Karenz-Coaching an und hat damit auch den ersten Platz des Europäischen Preis für Training, Beratung und Coaching gewonnen.

Nach drei Jahren Karenz merkte Eva-Maria Kraus, dass sich ihre Ziele verschoben hatten. In ihrem Freundeskreis berichteten die Mütter dasselbe. Und das brachte Kraus auf die Idee, ein komplett neues Seminar zu kreieren: NewView Mum - Mama Canvas. Im Interview mit WOMAN.at erklärt sie, wie ihr Trainingskonzept genau aussieht und was Unternehmen tun können.

(c) Eva-Maria Kraus

Sie haben den Europäischen Preis für Training, Beratung und Coaching gewonnen. Wie hat sich das angefühlt?

Eva-Maria Kraus Es hat sich toll angefühlt und war die Bestätigung dafür, dass ich den richtigen Riecher hatte, an dem Thema dranzubleiben. Und es war die Bestätigung dafür, dass alle Mütter, die bei dem Pilotprojekt mitgemacht haben, wirklich einen Nutzen daraus ziehen konnten.

Wie sind Sie zu ihrer Selbstständigkeit gekommen? Eigentlich habe ich eine Ausbildung in der Werbebranche gemacht und bin 2003 fertig geworden. Und damals ist gerade die erste Internetblase geplatzt. Also die ersten Firmen, die wirklich aufs Internet gebaut haben, sind bankrott gegangen. Und es sind Freunde von mir arbeitslos geworden. Also dachte ich mir, dass ein solches Schicksal auch mich in Österreich einholen könnte. Ich beschloss, dass ich ein zweites Standbein brauche, damit ich besser abgesichert bin. Ich habe eine berufsbegleitende Trainerausbildung gemacht, bei der ich gemerkt habe, dass mir das wirklich gut liegt.

Trotzdem habe ich mir gesagt, dass es sich erst lohnt, komplett umzusatteln, wenn ich einmal eine gute Position in der Werbeagentur erreiche. Und so wurde ich recht flott Etat-Direktorin. Doch 2009 habe ich beschlossen, dass ich nicht länger zwei Berufe auf einmal machen kann und will. Ich habe bei A1 als Trainerin angefangen und habe diesen Job zum Hauptberuf gemacht. Nach meiner Karenz letztes Jahr, bin ich nicht in den Job zurückgekehrt, sondern habe den Sprung ins kalte Wasser gewagt und habe mich selbstständig gemacht.

Die Idee zu Mama Canvas ist aus Ihrer persönlichen Erfahrung entstanden?

Eva-Maria Kraus Ja, am Ende der Karenz habe ich das Gefühl gehabt, dass ich in der klassischen "Mutter-Rolle" gelandet bin. Und das hätte ich mir vorher nie gedacht, dass ich voll ausgelastet bin mit dem Haushalt und dem Organisieren der Familie. Doch dann habe ich gemerkt, dass mir nach drei Jahren Karenz etwas fehlt. Ich habe überlegt, was das sein könnte, denn es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich kein Ziel vor den Augen hatte. Ich habe aufgrunddessen noch eine Ausbildung gemacht, weil ich dann doch warten wollte, bis mein Sohn in den Kindergarten kommt. Innerhalb dieses Ausbildung ging es sehr viel um Mentalarbeit, wo mir die Idee gekommen ist, diese auf mich selbst anzuwenden.

Und da hat es dann wieder "klick" gemacht und ich hatte ein Ziel vor den Augen, nämlich das eigene Institut zu gründen. Ich habe dann Gespräche im Freundeskreis geführt, mit Müttern, die vor der Karenz Führungspositionen innehatten, aber mittlerweile nicht mehr wussten, was sie nach der Karenz machen sollten. Das waren Themen, die mich beschäftigt haben, aber auch meine Freundinnen. Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht alleine damit bin. Und ab da plante ich das Seminar. Ich wollte, dass es Businesstools enthält und nicht, dass es ein "weiches" Seminar wird. Man sollte eben nicht nur in sich gehen, sondern mit einem Ziel rauskommen und wissen, was der nächste Schritt ist.

»Kommunikation auf Augenhöhe ist das A und O.«

Worum geht's im Seminar genau?

Eva-Maria Kraus Es geht um die Frage, wie sich Frauen in der Karenz weiterentwickeln, welche Stärken sie entwickeln, welche ihrer Stärken sich verändern. Welche Businesstools kann ich verwenden, um meine Ziel klar zu kommunizieren? Interessant war, dass alle Frauen schnell gemerkt haben, dass sie im selben Boot sitzen. Alle wollten automatisch zu denselben Themen arbeiten - egal, ob Väter oder Mütter! Das Seminar dauert zwei ganze Tage und das Ziel ist es, eine individuelle Lösung zu finden. Diese Lösung finde nicht ich für die Mütter, sondern sie gehen ins sich, definieren, was sie wollen und bestimmen dann die Rahmenbedingungen. Manche Frauen können ihren Wunsch nicht immer so ausleben, da ihnen das Geld oder die Unterstützung fehlt. Doch auch in solchen Fällen ist es möglich, einen Plan zu fassen, der sich für die Frauen gut und richtig anfühlt. Oft ist dies eine Frage der Perspektive, also wie ich eine Situation bewerte.

Das erste Seminar war mehr oder weniger ein Pilotprojekt, wo ich mich mit zehn Frauen zwei Tagel lang zusammengesetzt habe und wir uns überlegt haben, was das Seminar wirklich braucht. Und das war der Beginn einer richtigen Bewegung, denn die Frauen haben sich danach sofort auf Facebook vernetzt; eine Gruppe gegründet. Und sie treffen sich noch immer und tauschen sich aus.

Was brauchen Unternehmen von Müttern, die in den Job zurückkommen? Das Ziel ist für mich, den Kreis des Seminars auf die Unternehmen zu erweitern. Denn für mich ist das Seminar etwas, dass die Unternehmen direkt den Müttern und Vätern anbieten sollten. Proaktives Karenzmanagement braucht die Wirtschaft. Das ist ein Feedback, das ich häufig von Unternehmen gehört hab. Wenn die Mutter mit sich selbst im Einklang ist, dann hat das Auswirkungen aufs Team. Und wenn eine Mutter kurz nach dem Einstieg in den Beruf draufkommt, dass das Arrangement nicht ganz so passt, dann muss es auf beiden Seiten die Möglichkeit zur klaren Kommunikation geben. Die Kommunikation auf Augenhöhe ist das A und O.

Im Gespräch mit deutschen Unternehmen hat es sich gezeigt, dass das Interesse an einem solchen Seminar groß ist. Vor allem, da eine Lücke in diesem Bereich besteht. Viele haben mir gesagt, dass sie noch nie von einem solchen Konzept gehört haben, aber das genau das richtige für sie wäre. Das bestärkt mich natürlich darin, den Business-Part noch auszubauen.

Was brauchen Mütter von den Unternehmen, wenn sie in den Job zurückkehren?

Eva-Maria Kraus Sie brauchen eine individuelle Zieldefinition und die Möglichkeit, klärende Gespräche zu führen, auch wenn sich etwas geändert hat. Jede Mutter muss erst mal für sich selbst definieren, was sie sich vom Job erwartet, wie viel Zeit sie investieren kann und will und welche Ideen sie für den Einstieg hat. Im Unternehmen wiederum müssen dann aber auch Personen sitzen, die wissen, wie sie ein solches Einstiegsgespräch auf Augenhöhe führen können. Wenn beide ein klares Bild vorm Auge haben, sollte dies kein Problem sein.

Falls sich der Job verändert hat – zum Beispiel eine Führungskraft nach der Karenz Projekte leiten soll, sollte auch klar von Seiten der Mutter kommuniziert werden, dass hier eventuell eine Weiterbildung für den neuen Aufgabenbereich notwendig ist. Das Unternehmen sollte dies aber auch als Chance sehen und unterstützen, da die neue Rolle im Arbeitsleben pro-aktiv eingenommen wird.

(c) Eva-Maria Kraus

Wann sollen sich Frauen idealerweise um diese Themen kümmern?

Eva-Maria Kraus Man muss sich ja spätestens vier Monate vor dem Wiedereinstieg beim Arbeitgeber melden. Unternehmen könnten schon hier die Einladung zum Seminar aussprechen. Aber wenn Frauen wieder einsteigen, kommt es vor, dass sie erst dann merken, dass die Vereinbarkeit doch nicht so einfach ist, wie am Anfang gedacht… daher empfehle ich den Arbeitgebern immer, das Angebot für das Seminar für rund 1 bis 1,5 Jahre aufrecht zu lassen! Denn es kommt häufig vor, dass Frauen mit einem klaren Plan in die Arbeit zurückkommen, aber dann in der Anfangsphase schon merken, dass sie unglücklich sind. Die Balance zwischen Arbeit und Familie muss einfach stimmen.

Worauf kommt es beim Einstieg in die Arbeitswelt an?

Eva-Maria Kraus Häufig ist es eine Frage von Ausstrahlung. Wenn ich mit hängenden Schultern durch die Welt gehe, dann reagiert die Welt entsprechend auf mich. Wenn ich aber voll und ganz hinter meinen Entscheidungen stehe und einfach das mache, was ich sage, wird sich auch mein Umfeld schnell danach richten. Dies ist wichtig, wenn es darum geht hinter den eigenen Entscheidungen stehen. Denn wenn eine Frau draufkommt, dass sie bei ihren Kindern bleiben will, ist das auch okay. Genauso, wenn eine andere Frau entscheidet, es soll gleich wieder ein Arbeitsverhältnis mit 40-Stunden-Woche sein. Worauf es ankommt ist: kann ich meinen Plan durchführen? Was brauche ich dafür - wie viel Geld, wie viel Unterstützung? Und: wie kann ich die Entscheidung vor mir selbst rechtfertigen. Um diese Fragen zu beantworten bekommen die Mütter und Väter in Seminar Zeit und den fachlichen Rahmen um für sich selber zu reflektieren was, wie und wann möglich sein soll.

Teilen Väter dieselben Erfahrungen?

Eva-Maria Kraus Darin habe ich zwar nicht so viel Einsicht, denn in meinem Freundeskreis haben die Väter eher eine kürzere Vaterzeit genommen. Doch einen Vater gab es, der in Teilzeit in seine Arbeit zurückgekehrt ist. Und bei ihm sind dann dieselben Fragen und Probleme wie bei den weiblichen Kursteilnehmerinnen aufgekommen. Daran sieht man, dass dies auch ein strukturelles Problem ist.

Was war das schönste Feedback, das Sie für Ihre Arbeit bekommen haben?

Eva-Maria Kraus Für mich sind die Geschichten der Mütter das Schönste. Gar nicht das Feedback zu meiner Person, sondern die Erfolgsgeschichten und, dass sich die Mütter der ersten Gruppe immer noch treffen.

Themen: Eltern, Kinder

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