Ressort
Du befindest dich hier:

Karin Resetarits-Kraml will Wrabetz nach-
folgen: "Ich will ORF-Generalin werden!"

Sie war Moderatorin, EU-Politikerin und Lokalbesitzerin, ist fünffache Mutter. Jetzt will Karin Resetarits-Kraml, 49, zurück zum ORF: als Chefin! Im Talk mit Euke Frank über ihre Programmvisionen, Frauen im ORF und warum sie sich gute Chancen ausrechnet.


  • Bild 1 von 5 © Julia Stix
  • Bild 2 von 5 © Julia Stix

Kaum jemand in der heimischen Medienszene hat so viele verschiedene Leben geführt wie Karin Resetarits-Kraml. Nun soll ein weiteres hinzukommen. Wenn es nach ihr geht, wird sie ab kommendem August im 6. Stock des ORF-Zentrums sitzen und die Geschicke des größten heimischen Medienunternehmens lenken.

Die fünffache Mutter (ihre Tochter Bonamie Wolke kam vergangenes Jahr zur Welt, ihre vier Söhne sind zwischen 10 und 26) wird im Dezember 50, hat vor zwei Jahren ihren langjährigen Lebensgefährten und Vater eines ihrer Söhne, Martin Kraml, geheiratet und seinen Namen angenommen.

Kraml kommt auch vom Fernsehen, hat seine eigene Produktionsfirma und ist der starke Mann hinter dieser umtriebigen Frau. Im großen Interview mit WOMAN gibt sie ihre Kandidatur bekannt und nennt bereits die ersten Pläne.

Frank: „Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss“ – das wäre kein Buchtitel über Ihr Leben. In unserem Vorgespräch haben Sie angedeutet, was Sie planen...

Kraml: Ich werde heuer im Sommer bei der Generaldirektorenwahl des ORF antreten.

Frank: Ihr Entschluss wird in der Medienbranche für Aufsehen sorgen. Sie haben als ORF-Moderatorin, als Gestalterin von Beiträgen gearbeitet, haben Sendungen entwickelt, auch die ZiB 1 präsentiert. Und Sie sind 2003 nicht gerade in Harmonie aus dem Unternehmen geschieden. Warum wollen Sie zurück?

Kraml: Damals haben viele gesagt, du wirst es bereuen. Ich hab darauf geantwortet: Wenn ich wiederkomme, dann nur als Generaldirektorin, um zu ändern, was mich stört.

Frank: Okay, das ist schnell ge-sagt, wenn man ein Unternehmen verlässt. Jetzt ist es Ihnen aber ernst. Warum glauben Sie, dass Sie das können?

Kraml: Damals war mir klar, meine journalistische Laufbahn ist zu Ende. Da durfte ich viel machen, da habe ich viel gelernt. Aber damals wusste ich auch, wenn ich bleibe, hocke ich irgendwann mal frustriert in der Kantine. Ich war über vierzig und wollte nochmals an den Start gehen. Dann kam meine politische Zeit, und nach meinem Abschied aus dem EU-Parlament habe ich mich gefragt, wofür das alles gut gewesen sein soll. Ich kenne den ORF extrem gut, ich habe viel politische Erfahrung gesammelt und im Europaparlament zum Schwerpunktthema Medienpolitik gearbeitet.

Frank: Sie haben viele verschiedene Dinge gemacht, waren Journalistin, Politikerin, Gastronomin. Böse Zungen könnten meinen, Sie wären ein Hansdampf in allen Gassen...

Kraml: Ein Menschenleben ist lang. Und wir hören doch dauernd, dass wir nicht stehen bleiben, in der Arbeitswelt flexibel bleiben sollen. Ich glaube, ich lebe das vor.

Frank: Sie haben mal gesagt: „Ich will mutig sein, will
das Leben wagen.“ Und: „Ich stürze mich gerne ins kalte Wasser, gehe gerne unbekannte Wege.“ Brauchen Sie alle paar Jahre ein neues Wagnis?

Kraml: Meine Stärke sind meine vielen Ideen. Ich habe Pioniergeist in mir, der sehr, sehr stark ausgeprägt ist. Meine Schwäche liegt in der Umsetzung. Da brauche ich professionelle Hilfe, ein gutes Team. Ich kenne mich schon so weit, dass ich weiß, ich kann nicht alles. Aber ich weiß auch, dass meine Ideen frisch und zukunftsweisend sind. Und ich bin mutig.

Frank: Das größte Medienunternehmen des Landes hatte in den letzten Monaten keine formidable Presse, die Quoten sind gesunken, das Image war angeknackst. Welche Dinge würden Sie gleich zuerst schnell in Angriff nehmen?

Kraml: Zuerst einmal muss man dem Personal neuen Mut geben. Der ORF hat einen großen Personalstand, das ist kein Nachteil. Als Gastronomin weiß ich, wie sehr man gute Leute braucht, um Dinge umsetzen zu können. Der ORF hat mehrere Tausend guter Mitarbeiter. Aber der Großteil ist frustriert, weil er in den letzten Jahren nicht ernst genommen wurde. Leute, die etwas werden wollten, sind stecken geblieben. Es gib viele Krankenstände, sehr viele Burnout-Symptome. Und deshalb werde ich gleich am Anfang mit allen Gespräche führen...

Frank: Mit allen Mitarbeitern? Das sind über 3.000...

Kraml: Ja, das dauert, aber das muss drinnen sein. Und ich würde die Devise ausgeben: Wir müssen kritisch, aber konstruktiv miteinander umgehen. Und dann würde ich gleich mal die Umtata-Musik und die Wetterkameras in der Früh abschaffen.

LESEN Sie das gesamte Interview mit Karin Resetarits-Kraml in WOMAN 04/2011!

Interview: Euke Frank