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Sarkissovas Abrechnung

Früher sorgte die Schickeria-affine Ballerina für Skandale. Jetzt tänzelt Karina Sarkissova nicht mehr übers Society-Parkett, sondern über die Bühne der Budapester Oper. Mit uns sprach sie offen über ihre Vergangenheit.

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  • Karina Sarkissova

    Karina Sarkissova: "In Budapest kann ich endlich einkaufen, ohne fotografiert zu werden."

    Bild 1 von 3 © Roland Ferrigato/WOMAN
  • Karina Sarkissova

    Sie habe die Kontrolle über ihre Medienpräsenz verloren, sagt die Ballerina.

    Bild 2 von 3 © Roland Ferrigato/WOMAN

Noch vor einem halbem Jahr sorgte Karina Sarkissova, 29, mit ihrer Sex-Beichte in der Biografie „Auf spitzen Sohlen“ für Furore – und ließ auch sonst keine Gelegenheit aus, um mit Sagern wie „Ich habe nichts drunter an“ zu provozieren. Beinahe täglich lachte ihr Gesicht aus einer Zeitung, inklusive Skandal-Schlagzeilen. Doch in letzter Zeit wurde es ruhig um die am prestigeträchtigen „Bolschoi“-Theater ausgebildete Tänzerin. Seit Sarkissova im Jänner an die Budapester Staatsoper ging, hat sie sich hierzulande aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Zumindest bis Juni. Dann kehrt sie für einen Auftritt nach Wien zurück. Aber diesmal will sie nur als Künstlerin Schlagzeilen machen: „Ich tanze eine eigene Solo-Show („32 Fouettés“ ab 13.6., Wiener Theater Akzent) . Ich will meine Prominenz nutzen, um den Menschen Ballett näher zu bringen. In Wien stand leider nur Privates im Mittelpunkt“, so die Russin beim Talk in den Räumlichkeiten der Budapester Oper – und sie gesteht: „Ich verlor die Kontrolle über meine mediale Präsenz.“ Wir wollten mehr wissen!

Karina Sarkissova im Interview:

WOMAN: Frau Sarkissova, wie geht es Ihnen hier in Budapest?
Karina Sarkissova: Es ist wunderbar! Ich habe einen Ort gefunden, an dem ich wieder für mein Können geschätzt werde. Und endlich wieder einkaufen gehen kann, ohne fotografiert zu werden!

WOMAN: In Österreich waren Sie eher für Ihre Society-Auftritte bekannt.

Sarkissova: Ja, leider. Meine künstlerische Qualität hat sich zu keinem Zeitpunkt verändert. Es interessierte schlichtweg niemanden. Es gab Journalisten, die mich oft anriefen weil sie eine Story brauchten. Als ich denen von meinen Gastspielen erzählte, stieß ich auf taube Ohren. Es zählte halt doch nur das Private. Ich tanzte jahrelang Hauptrollen an der Staatsoper. Da kannte mich niemand. Dann sitze ich mit überschlagenen Beinen als Jurorin bei „Die große Chance“, habe ein 5.000-Euro-Kleid an und labere das, was mir einfällt, ohne mich auch nur ein bisschen anzustrengen. Und bekomme dafür auch noch gutes Geld! Man erkannte mich auf der Straße nur als „die vom Fernsehen“. Das tat weh.

WOMAN: Angefangen hat aber alles mit Ihren Nacktfotos für Männermagazine. Darf man sich dann über so ein Image wundern?
Sarkissova: Wahrscheinlich nicht. Meine Offenheit wurde mir zum Verhängnis. Ich hätte nie damit gerechnet, dass diese Fotos so einen Wirbel auslösen. Aber ich bereue überhaupt nichts.

WOMAN: Auch nicht, dass Sie im TV und auf Society-Partys so präsent waren?
Sarkissova: Nein. Ich ging nur auf ausgewählte Events. In Wahrheit war das Zeitverschwendung und ermüdend. Es degradierte mich und das, was ich bisher geleistet habe. Ich fühlte mich bei solchen Veranstaltungen fehl am Platz. Die meisten Promis dort haben ja nicht mal einen Job. Außer Ex-Miss oder Ex-Schwimmerin. Von diesen Promis, die sich abends den Gratis-Sekt hinunterschütten, kenne ich keinen, der früh morgens aufsteht, um arbeiten zu gehen. Ich tue das, seit ich 15 bin. Darauf bin ich stolz.

WOMAN: Warum geht man immer wieder auf Events, die man nicht mag?
Sarkissova: Ganz simpel: wegen des Geldes. Man bekommt viel für eine Stunde Anwesenheit. Und da ich Alimente für meinen Sohn zahle und zwei Wohnungen finanzieren muss, hat sich das gut getroffen.

WOMAN: Man hatte aber schon den Eindruck, dass Ihnen der Rummel gefiel. Böse Zungen warfen Ihnen „Mediengeilheit“ vor.
Sarkissova: Blödsinn. Ich bin nicht in einer Ecke gestanden, habe gewunken und darum gebettelt, dass jemand mich interviewt. Ich bin schlagfertig und offen, das kam gut an. Anfangs mochte ich die Aufmerksamkeit, da waren mir die Medien noch wohlgesonnen.

»Ich hatte die Kontrolle verloren!«

WOMAN: Ihre Biografie mit Sexbeichte spaltete dann die Gemüter ...
Sarkissova: Am Ende wurde es zu viel. Ich hatte die Kontrolle über meine Medienpräsenz verloren. Die Leute diskutierten in Zeitungen über mich und mein Leben, ohne dass ich selbst danach gefragt wurde. Auch Interviews wurden erfunden. Irgendwann hatte ich auch das Gefühl, dass ich mein Kind nicht mehr schützen kann. Nach der Scheidung von meinem Mann äußerte sich eine Psychologin in einer Zeitung dazu, wie schlecht es meinem Sohn ginge. Das beurteilte sie nur aufgrund eines Fotos! Es war, als würde mir jemand das Herz rausreißen, es hinhalten und sagen: Schau, wie es schlägt – und dann stich zu. Ein erniedrigender Eingriff in meine Privatsphäre, kaum zu ertragen!

WOMAN: Sind Sie eigentlich wieder liiert?
Sarkissova: Ich habe seit einem Jahr einen Freund. Er besucht fast all meine Vorstellungen doppelt und dreifach. Ich halte mein Privatleben so geheim wie möglich. Mediale Präsenz ruiniert Beziehungen, das habe ich gelernt.

WOMAN: Sie leben in Budapest, Ihr Sohn Gabriel in Wien bei Ihrem Ex-Mann. Wie oft sehen Sie einander?
Sarkissova: Jedes Wochenende. Entweder fahre ich nach Wien oder er besucht mich hier. Ich denke, er ist glücklich. Deshalb klammert er nicht, weder an mir, noch an seinem Papa. Er ist der einzige Mann, für den ich alles tun würde!