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Doha: Touristin vergewaltigt - und dafür verurteilt!

Sie war als Touristin in Doha (Katar), sie wurde vergewaltigt. Als die junge Frau zur Polizei ging, wurde sie verhaftet. Nun ist sie frei – aber verurteilt.

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Doha: Touristin vergewaltigt - und dafür verurteilt!
© Reuters

Doha. Urlaub bei den Reichsten der Reichen, titeln Tourismus-Werbeprospekte über die Hauptstadt des arabischen Emirats Katar. Das Portofino am Persischen Golf, so könnte man es nennen. Ein Ort, an dem sich Touristen in 5-Stern-Hotels entspannen und abends durch ultraschicke Bars tingeln.

Für eine 22-jährige Niederländerin, von der nur der Vorname Laura bekannt ist, wurde der Urlaub in Doha zum Albtraum. Und das in mehrfacher Hinsicht.

Die junge Frau feierte in einer Hotelbar in Doha. Nach Angaben ihres Anwalts Brian Lokollo wurde sie dort unter Drogen gesetzt. Als sie aufwachte, befand sie sich in einer ihr fremden Wohnung, die Kleidung zerrissen, mit Schmerzen im Unterleib und blauen Flecken an den Oberschenkeln.

Sie zeigte die Vergewaltigung an – und wurde verhaftet

Die Niederländerin ging zur Polizei, um das Verbrechen anzuzeigen - und wurde von den Polizisten festgenommen. Denn in der Golf-Monarchie gilt die Scharia; Vergewaltigung wird als "strafbarer außerehelicher Geschlechtsverkehr" geahndet.

Seit März saß die junge Frau aus Utrecht in Doha in Haft – nun wurde sie von einem Gericht verurteilt. Ihre Strafe: Ein Jahr Haft auf Bewährung und eine Geldstrafe von umgerechnet gut 700 Euro. Sobald sie diese Summe zahle, dürfe sie den Golfstaat verlassen.

Die niederländische Botschafterin Yvette Burghgraef-van Eechoud, die im Gegensatz zum Opfer im Gerichtssaal anwesend war, sagte zur Nachrichtenagentur Reuters: ""Wir werden alles Mögliche tun, um Laura so schnell wie möglich aus dem Land zu bringen."

Der Mann, den die junge Niederländerin wegen der Vergewaltigung angezeigt hatte, wurde wegen "außerehelichen Geschlechtsverkehrs" zu 100 Peitschenhieben verurteilt, für Alkoholkonsum sollen weitere 40 Peitschenhiebe hinzukommen. Ins Gefängnis muss der Mann nicht. Er hatte angegeben, der Sex sei einvernehmlich gewesen.

Erst 2013 wurde im Nachbarland Vereinigte Arabische Emirate eine 24-jährige Norwegerin, die eine Vergewaltigung durch ihren Chef angezeigt hatte, zu 16 Monaten Haft wegen unsittlichen Verhaltens verurteilt. Später wurde die junge Frau begnadigt.

Themen: Sexismus, Report