Ressort
Du befindest dich hier:

Katharina Stemberger & Fabian Eder im Talk

Katharina Stemberger & Fabian Eder: Für das Film- und Buchprojekt "Griechenland blüht" machte das Ehepaar gemeinsame Sache. Mit uns plauderten die beiden über Krisen und Therapie.


  • Katharina Stemberger & Fabian Eder.

    Bild 1 von 2 © www.sebastianreich.com
  • "Griechenland blüht", ab dem 25.3. erhältlich.

    Bild 2 von 2 © Braumüller-Verlag

Für ihr Filmprojekt "Griechenland blüht" (ab 25. März auch als Buch im Braumüller Verlag, Anm.) – einem Lokalaugenschein bei den von der Wirtschaftskrise gebeutelten Hellenen, mit dem sie sich sogar im Europäischen Parlament Gehör verschafften – machten sie gemeinsame Sache. Stemberger dazu: "Fabian reiste dafür einen Monate durchs Land, während ich in Wien blieb, um finanzielle Förderungen zu organisieren. Wir wollten an den Menschen ran, ein anderes Bild der Griechen vermitteln, als die europäischen Medien …"

WOMAN: Ist das Projekt "Griechenland blüht" Ihre erste Zusammenarbeit?

Eder: In dieser Form, ja. Wir haben schon einige Male zusammen gedreht. Aber das waren Auftragsarbeiten.

Stemberger: Uns war dieses Projekt sehr wichtig. Es reichte uns einfach, wie die Griechen in den Medien dargestellt wurden.

WOMAN: Wann kam Ihnen die Idee zu diesem Projekt? Am Frühstückstisch?

Stemberger: Genau! Fabian meinte eines Morgens, dass es mit dem medialen Bashing gegen die Griechen reicht. Und dass man den Griechen ihr Gesicht zurückgeben müsste. Und so kam uns die Idee dazu.

Eder: Wir haben noch am gleichen Tag Freunden davon erzählt. Und eine unglaubliche Resonanz darauf erhalten, das hat dann eine Eigendynamik bekommen.

WOMAN: Herr Eder, welche Situation haben Sie vor Ort vorgefunden – im Gegensatz dazu, was medial berichtet wurde?

Eder: Ich erinnere mich noch daran, dass mir Freunde vor meiner Abreise gesagt haben: "Du wirst dort keine jungen Leute treffen, die wollen dort alle weg." Genau das Gegenteil war der Fall. Ich habe mit vielen jungen Menschen gesprochen, die sich ihrer Situation bewusst waren.

Stemberger: Ich war hin und weg von der positiven Energie, die die Menschen dort haben und habe eine irrsinnige Rückbesinnung wahrgenommen. Aber ohne, dass das resignativ war. Wir haben den Griechen die Möglichkeit gegeben, für sich selbst zu sprechen. So wie die Berichterstattung der Medien funktionierte, hatte man nämlich immer das Gefühl: Die ziehen uns das Geld aus der Tasche. Und die Populisten sind auf den Zug aufgesprungen.

WOMAN: Wenn Sie – gemeinsam oder getrennt – an Projekten arbeiten: Wie gehen Sie mit Kritik vom Partner um?

Eder: So lange sie gut ist … (lacht) .

Stemberger: Ich finde das schwierig. Als Partner ist man eine der engsten Instanzen. Und wenn man das Gefühl hat, etwas geht in die falsche Richtung, muss man etwas Uncharmantes sagen, meist auch zu unpassenden Zeiten. Das muss man fein anstellen.

Eder: Wir sagen uns oft Dinge, die der andere nicht hören will. Meistens nimmt man das zur Kenntnis, macht es aber trotzdem so wie man glaubt. Und in 90 Prozent der Fälle ist das richtig.

Stemberger: (grinst) Naja. Aber wir sind da extrem unterschiedlich. Fabian brütet über einer Idee im Stillen. Und dann legt er mir einen fertigen Roman hin. Ich präsentiere mich ihm in viel roherem Zustand. Es hat lange gedauert, bis ich gelernt habe, dass er da einfach anders ist. Früher dachte ich, er schließt mich aus oder vertraut mir nicht.

Eder: Ich habe durch Katharina gelernt, mehr und genauer über persönliches zu sprechen. Weil sie ein Thema – egal ob angenehm oder unangenehm - nicht loslässt. Das führt zwangsläufig dazu, dass man sich öffnet..

WOMAN: Ist das nicht manchmal anstrengend?

Eder: Total! (lacht)

Stemberger: Für mich übrigens auch! (zu Eder) Du könntest deinen Widerstand ruhig früher aufgeben. (zu WOMAN) Ich komme halt aus einer Familie, in der man gelernt hat, auch über unschöne Dinge zu sprechen. Und im Grunde tue ich das deshalb, weil ich ein Wohlfühl-Junkie bin. Wenn ich das Gefühl habe: Da ist etwas, das mich stört. Dann rede ich so lange darüber, bis das Problem gelöst ist.

WOMAN: Wo haben Sie einander eigentlich kennengelernt?

Eder: Am Filmset. Ich hatte immer das Credo: Fange niemals etwas mit einer Schauspielerin an!

Stemberger: Ich dachte mir nur: Der bitte nicht! Es war also keine Liebe auf den ersten Blick. Es dauerte ein halbes Jahr, bis es funkte. Fabian war der Erste, der sich nicht vor meinem Temperament schreckte. Ich hatte bei ihm das Gefühl: Ich darf so sein, wie ich bin.

Eder: Mir hat ihre direkte Art gut gefallen. Aber ich dachte mir schon: Ich schaue mir mal an, wohin das führt.

WOMAN: Mittlerweile sind Sie seit 15 Jahren verheiratet …

Stemberger: Manchmal fasziniert es mich, dass zwei so unterschiedliche Menschen so lange gemeinsam durchs Leben gehen. Ich glaube aber, die Unterschiede machen es aus. Es ist komisch, dass man auf Partnerbörsen immer nach Menschen sucht, die einem möglichst ähnlich sind. Ich hätte nie einen Mann gewollt, der so ist, wie ich. Uns ist eine ganz tiefe Verbundenheit geschenkt worden. Aber dafür haben wir eigentlich nicht viel gemacht.

Eder: Wir lassen uns Freiraum. Das tut gut und ich glaube, das ist auch sehr wichtig in einer Partnerschaft. Nichts ist schlimmer, als wenn einer dem anderen sagt, was er tun soll.

WOMAN: Was ist das Geheimnis einer gut funktionierenden Ehe/Partnerschaft?

Stemberger: Bei unserer Hochzeit in Venedig erklärte uns die Standesbeamtin, dass es in einer Ehe wichtig ist, dass jeder nach seinen Gaben etwas beiträgt. Das ist ein sehr gescheiter Satz. Jeder trägt nach seinen Stärken etwas bei – und man nimmt den anderen so, wie man ist.

WOMAN: Das klingt alles sehr harmonisch. Noch nie eine handfeste Krise gehabt?

Stemberger: Es ist irrsinnig schwierig, eine Ehe zu führen. Natürlich stolpert man, fällt auch hin. Dann muss man überlegen - lässt du dir helfen? Wenn ja, wie? Aber auch wenn man sich zeitweise denkt: Das ist mir zu anstrengend, ich will nicht mehr. Man kommt mit jedem Partner irgendwann an diese Gabelung …

WOMAN: Schon einmal eine Paartherapie gemacht?

Stemberger: Klar, das ist super! Ein sinnvolles Tool, um weiterzukommen. Manchmal braucht es halt jemand Dritten, um dich aufmerksam zu machen, wieder nach links oder rechts zu schauen.

Eder: In unserer Gesellschaft wird das vollkommen zu Unrecht tabuisiert. Wenn man Zahnschmerzen hat, geht man zum Zahnarzt. Und so ist das auch mit therapeutischer Unterstützung. Wenn man beim ersten Schmerz geht, tut’s weniger weh. Wenn man wartet, muss man den Zahn ziehen.

WOMAN: Fabian, wie zeigen Sie Katharina nach 15 Jahren Ihre Liebe? Bringen Sie Blumen mit?

Stemberger: (unterbricht) Ich sagte ihm immer: Irgendwann will ich ein Haus am Meer. Und im Garten sollen ein Zitronen- und Orangenbaum, eine Palme und Jasmin stehen. Und – obwohl er den Valentinstag hasst – und ich so tue, als wäre er mir auch nicht wichtig, was gar nicht stimmt, hat er mir heuer einen Zitronenbaum geschenkt. Und da weiß ich: Der mag mich.

Sandra Jungmann