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Katja Riemann: "Kind habe ich mitgeschleppt!"

Seit 30 Jahren ist Katja Riemann an der Spitze des deutschen Filmgeschäfts, über ihr Privatleben spricht sie selten. Für uns machte sie eine Ausnahme.

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Katja Riemann: "Kind habe ich mitgeschleppt!"

Katja Riemann: Die taffe Zarte übers Kinderkriegen einst und jetzt

© Getty Images

Sie ist nicht nur eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen des deutschen Sprachraums - zuletzt brillierte sie als pragmatische Schuldirektorin in "Fack ju Göhte“ -, sondern auch eine der schwierigsten. Vor allem in Interviews teilt Katja Riemann, 48, gerne Verbalwatschen aus, wenn ihr Fragen zu langweilig sind. Legendär ihr Auftritt beim TV-Sender NDR, wo sie den Moderator vor laufenden Kameras bloßstellte.

Bei unserem Talk zeigt sich die Deutsche allerdings nett und privat wie selten. Wir befragten Riemann zu ihrem eigenen Mutterglück. Ihre Tochter Paula ist mittlerweile 20 Jahre alt, schnupperte auch schon Bühnen-und Filmluft und absolviert gerade ihre Tanzausbildung in London. Uns erzählte Katja Riemann, wie sie es jahrelang schaffte, Kind und Job unter einen Hut zu bekommen.

»Drehbücher las ich in der Sandkiste«

WOMAN: Sie spielen im TV-Film "Kleine Schiffe" eine Frau, die mit 45 noch einmal Mutter wird. Was, wenn Ihnen das selbst passieren würde?
Katja Riemann: Wenn ich schwanger werden würde, wäre ich sicherlich nicht in der Lage, das Kind abzutreiben. Aber ich bin nicht schwanger - und lege es auch nicht darauf an.

WOMAN: Sie haben eine Tochter, Paula. Wäre ein Leben ohne Kind für Sie vorstellbar gewesen?
Riemann: Die Vorstellung, ich hätte mein Leben ohne meine Tochter verbracht, wäre undenkbar und ausgesprochen verloren. Da ich 28 war, als ich mein Kind bekommen habe, war ich für meine Generation und für eine Westlerin eine recht junge Mutter. Meine Freundinnen haben alle erst zehn Jahre später damit angefangen. Ich wollte damals schwanger werden, es war also kein Unfall. Auch mit Ende 20 war das Bedürfnis da, ein Kind zu bekommen. Warum auch immer. Vielleicht, weil Paula bereit war und zu uns wollte. Gott sei Dank.

Katja Riemann mit Tochter Paula (r.). Die 20-Jährige arbeitet ebenfalls als Schauspielerin

WOMAN: Können Sie Frauen verstehen, die so verzweifelt sind, dass Sie alles versuchen, um ein Kind zu bekommen? Oder kommt irgendwann der Punkt, an dem sich die Natur nicht manipulieren lässt?
Riemann: Was haben wir heute noch mit der Natur zu tun? Wenn man 20 Jahre lang die Pille nimmt, dann ist es - soweit ich weiß - schwieriger, stante pede schwanger zu werden. Was ist natürlich daran, Hormone so zu manipulieren, dass der Körper unentwegt denkt, er sei schwanger? Und was ist schlecht daran, die Pille zu nehmen, wenn man davon weder Pickel noch Depressionen bekommt und sie nicht andauernd vergisst? Meine Mutter war in den 60er Jahren mit über 40 Jahren noch schwanger. Das gab´s damals einfach nicht. Es war nicht "natürlich“ - um in der Terminologie zu bleiben. Heute ist es selbstverständlich. Was ist schlecht daran, wenn man mit 50 Jahren noch ein Kind zur Welt bringt, das geliebt wird und glücklich ist? Traurig ist das erst auf die Zukunft bezogen, weil man schlicht und ergreifend nicht mehr so viel Zeit mit seinen Eltern hat, wie beispielsweise meine Tochter und ich.

WOMAN: Wie haben Sie es als Künstlerin geschafft, Familie und Beruf all die Jahre unter einen Hut zu bekommen?
Riemann: Familie nicht, sondern Beruf und Kind. Die Familienidee (Anm.: Paulas Vater ist der Schauspieler Peter Sattmann ) haben wir nur fünf Jahre lang geschafft. Meine Familie ist jetzt aber wieder sehr groß, da ich heute eher mit der Wahlverwandtschaft gehe, als mit der Blutsverwandtschaft. Wie ich es geschafft habe? Ich habe mein Kind einfach immer mit auf die Arbeit geschleppt. Und meine Mutter auch. Ich wurde engagiert und dann kamen drei Frauen ans Set. Ich habe viele Drehbücher in der Sandkiste gelesen und parallel dazu Kuchen gebacken. Sandkuchen, wobei der bekloppten Ente immer der Kopf in der Form stecken blieb.

WOMAN: Gibt es auch Dinge, die Ihnen Angst machen?
Riemann: Mein Leben besteht aus Angst. Daran gewöhnt man sich.

WOMAN: Und was tun Sie gegen den Blues? Oder mögen Sie Melancholie?
Riemann: Ich hasse sie, weil sie essentiell in mir blüht. Ich möchte nicht damit kokettieren, ich will sie loswerden.

WOMAN: Können Sie gut loslassen?
Riemann: Menschen nicht, Rollen allerdings schon.

WOMAN: Was macht Ihr Leben schön?
Die Sonne, mein Kind, die Liebe, Tee, Sex, Schauspielerei, Musik, eine warme Wohnung, Räucherstäbchen und meine großartigen Freunde.: