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40, keine Kinder und glücklich

Das Thema polarisiert. Wenn Frauen sich keinen Nachwuchs wünschen, gelten sie schnell als egoistisch. Die Vorurteile kennt auch Daniela Zeller. Die Ex-Ö3-Moderatorin und Stimmtrainerin plädiert für mehr Freiheit in der persönlichen Lebensplanung.

von

Daniela Zeller

Zeller moderierte bis 2011 bei Ö3. Als Geschäfstführerin von FREIRAUM Kommunikation gibt sie Rhetoriktrainings & schreibt Bücher wie "99 Dinge für deine Ich-Kraft".

© Jürgen Hammerschmid

Angekommen. Im neuen Büro. In ihrer Mitte. Im Leben. "Endlich!", strahlt Daniela Zeller, 40, während sie uns durch ihr 200 Quadratmeter großes "Freiraum Kommunikationsinstitut" im 9. Bezirk führt. "Früher hatte ich oft das Gefühl, dass mein Leben zwar ganz schön ist - aber irgendwo da draußen wartet noch etwas Besseres auf mich." So auch beim Thema Kinder. Erst seitdem sie damit abgeschlossen hat, genießt sie, was ist. Der Prozess begann, als die Moderatorin vor sechs Jahren ihren Job kündigte: "Das haben viele nicht verstanden. Für mich war es wichtig. Jetzt bin ich wirklich ich."

»Ich habe das Thema losgelassen.«

WOMAN: Warum fühlt es sich gerade jetzt so stimmig für Sie an?
ZELLER: Die Firma läuft, alle äußeren Umstände passen. Aber als ich mich 2011 selbstständig machte, haben mich die Kommentare von anderen sehr verunsichert. Ich wusste, dass ich das Richtige mache, und es hat auch immer funktioniert, aber mental hat mich das schwer belastet. Ich konnte nächtelang nicht schlafen, weil ich mich nicht abgrenzen konnte. Jetzt bin ich erwachsen geworden, selbstbewusster. Ich glaube, das hat auch damit zu tun, dass ich letzten November meinen 40. Geburtstag hatte.

»Trotzdem war der Gedanke immer im Hinterkopf: Das muss noch erledigt werden! Daher konnte ich auch nie irgendwo ankommen, weil ich stets das Gefühl hatte, dass da noch etwas kommt. «

WOMAN: Was hat sich dadurch verändert?
ZELLER: Es war ein Einschnitt. Ich habe noch einmal alles hinterfragt: Ist es der richtige Weg? Was soll bleiben, wie es ist? Was will ich in Zukunft anders machen? Dazu gehört auch das Kinderthema, das ich für mich abgeschlossen habe. Früher habe ich immer gedacht, dass ich einmal Mutter werden würde, gleichzeitig habe ich mich aber nie reif dafür gefühlt. Trotzdem war der Gedanke immer im Hinterkopf: Das muss noch erledigt werden! Daher konnte ich auch nie irgendwo ankommen, weil ich stets das Gefühl hatte, dass da noch etwas kommt. Mit 36 hätte es sich zwar stimmig angefühlt, da hatte ich aber keinen Partner. Dann bin ich 38 geworden und habe gewusst: "Ich werde kein Baby mehr bekommen."

WOMAN: Warum kam der Entschluss so früh? Viele fangen mit 38 erst an, darüber nachzudenken?
ZELLER: 38 war immer meine Deadline. Es sagen auch viele: "Du kannst ja noch " Das weiß ich. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich innerlich schon immer gewusst, dass ich keine eigenen Kinder haben werde. In den letzten zwei Jahren habe ich dieses Thema losgelassen. Dadurch hat sich die Firma weiterentwickelt, und ich habe gemerkt, dass die auch wie ein Baby ist. Nebenbei habe ich mein Blog gestartet. Seit ich mich vom Kinderthema verabschiedet habe, kann ich mich an anderen Dingen noch viel mehr freuen. Es fühlt sich frei an. Ich bin da, wo ich sein soll.

»Ich habe mich selbst gefragt, ob es meine Weiblichkeit verändert, wenn ich kein Kind bekomme, aber ich fühle mich trotzdem feminin.«

WOMAN: Leider wird einem von der Gesellschaft oft suggeriert, dass eine Frau ohne Nachwuchs weniger wert ist. Haben Sie das auch so erlebt?
ZELLER: Schwangerschaften werden sehr glorifiziert. Manchmal sehe ich in Zeitschriften schwangere Promis, und dann steht da: "Jetzt hat sie den besonderen Baby-Glow", dabei schaut sie genauso hübsch aus wie immer. Ich habe mich selbst gefragt, ob es meine Weiblichkeit verändert, wenn ich kein Kind bekomme, aber ich fühle mich trotzdem feminin. Mit Freunden habe ich auch darüber gesprochen und gefragt: "Meinst du, fehlt mir etwas ohne Kids?" Aber sogar jene, die schon Eltern sind, haben gemeint, man kann bestimmt auch ohne glücklich sein. Das hat mich sehr bestärkt.

WOMAN: Wie hat Ihre Familie reagiert?
ZELLER: Ich denke, meine Eltern haben mich nie als Mutter gesehen. Sie haben auch nie gefragt: "Und, wann ist es bei dir endlich so weit?" Außerdem habe ich eine 20-jährige Nichte. Meine jüngere Schwester ist sehr früh Mama geworden. Da gab es nie Druck. Ich hatte auch immer Männer, die nicht unbedingt eine Familie gründen wollten.

WOMAN: Und wie ist das mit Ihrem aktuellen Partner?
ZELLER: Wir haben uns erst kennengelernt, nachdem ich das Thema für mich abgehakt hatte. Und es hat sich gut gefügt: Mein Freund hat bereits zwei erwachsene Töchter, für ihn ist das auch abgeschlossen. Das ist ein wichtiger Aspekt. Ich muss nicht wegen ihm auf Kinder verzichten oder umgekehrt. Wir hatten es beide für uns beschlossen gehabt.

WOMAN: Wenn man keine Kinder hat, verliert man häufig den Kontakt zu Freunden, die schon Eltern sind. Wie ist das bei Ihnen?
ZELLER: Ganz anders. Ich liebe Kinder und freue mich über jedes, das auf die Welt kommt. Dann nehme ich mir auch gern viel Zeit, um mit ihnen zu spielen. Mein Umfeld hat meine Entscheidung auch total verstanden. Kommentare kommen eher von jenen, die mich nicht so gut kennen. Das ist teilweise echt übergriffig. Ich kann mich wehren und abgrenzen, aber würde das eine Frau betreffen, die jahrelang verzweifelt versucht hat, ein Kind zu bekommen, täte das richtig weh. Da sollten die Leute vorsichtiger sein.

»Ich finde, es ist genauso egoistisch, wenn man unbedingt Familie will und vielleicht keine Zeit für sie hat.«

WOMAN: Was ärgert Sie an diesen Kommentaren von außen am meisten?
ZELLER: Man wird oft als egoistisch dargestellt: "Du hast ja nur deinen Job im Kopf." Das trifft mich, weil ich kein Egoist bin. Der Inhalt meines Berufs ist für mich sinnstiftend. Und ich zahle ja auch Steuern, mit denen wieder Gutes für Familien gemacht werden kann. Ich finde, es ist genauso egoistisch, wenn man unbedingt Familie will und vielleicht keine Zeit für sie hat. Ich arbeite 60 Stunden pro Woche, mit diesem Arbeitspensum wäre ich keine gute Mutter. Würde ich weniger arbeiten, wäre ich aber wieder keine gute Chefin. Dann habe ich auch oft gehört: "Beruflicher Erfolg ist schön, aber irgendwann kommst du nach Hause und bist alleine." Kinder werden auch irgendwann erwachsen. Man hat keine Garantie, dass sie bei einem bleiben.

» Es muss nicht jede Frau CEO werden, es muss aber auch nicht jede Frau Mama werden. Jede darf für sich entscheiden, wohin sie geht.«

WOMAN: Was ist Ihre Message?
ZELLER: Dass beides gut ist. Es muss nicht jede Frau CEO werden, es muss aber auch nicht jede Frau Mama werden. Jede darf für sich entscheiden, wohin sie geht. Und alles ist gleich viel wert: Es ist toll, wenn jemand Vollzeitmama ist oder vielleicht nur ein bisschen arbeitet. Genauso muss sich aber auch diejenige, die sich auf ihre Karriere konzentriert, nicht schlecht fühlen. Man schaut so oft auf das Leben der anderen: Ist das nicht toller? Ich fände es schön, wenn jeder den Fokus ein bisschen mehr auf seinen Alltag legen würde: Da gibt es auch ganz viel, das glänzt.

Thema: Report

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