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No Carbs – gut oder schädlich?

Gwyneth Paltrow sorgt mit ihrem neuen Buch für Aufregung: Ihre Kids sollen nie Kohlenhydrate bekommen und oft sogar hungrig ins Bett gehen. Das sagen Experten zu der Ernährungsstrategie des Superstars.

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Gwyneth Paltrows umstrittenes Buch "It's All Good", mit dem sie den Verzicht auf Kohlenhydrate propagiert.

In ihrem Buch "It's All Good" propagiert Gwyneth Paltrow den Verzicht auf Carbs.

© 2013 Getty Images

"Wir haben oft diesen Hunger, der davon kommt, wenn man keine Kohlenhydrate isst.“ Mit diesem Satz aus ihrem neuen Buch It’s All Good (vorerst nur auf Englisch) sorgt Gwyneth Paltrow für Entsetzen, eine Welle der Kritik ist durch die internationale Presse gegangen. Denn wenn ihre beiden Kinder Apple, 8, und Moses, 6, wirklich keine Kohlenhydrate bekommen, kann das sehr schädlich für ihre Entwicklung sein, wie Ernährungsexperten betonen.

Verzicht auf Kohlenhydrate: Extrem schädlich! "Die ganze Familie leidet unter Glutenunverträglichkeit, das heißt, wir vertragen das Klebereiweiß im Getreide nicht, darum dürfen wir keine Kohlenhydrate essen“, schreibt Paltrow in ihrem Kochbuch.

Ernährungsexperten sehen diese Einstellung kritisch. Christina Lachkovics, die mit ihrer Methode fit10 den Verzehr der richtigen Kohlenhydrate (Vollkornprodukte, die langsam verdaut werden und den Blutzuckerspiegel nicht nach oben schnellen lassen) propagiert, meint dazu: "Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das so stimmt. Kohlenhydrate sind ein Grundnahrungsmittel. Reis, Kartoffeln und Buchweizen sind glutenfrei und unproblematische Quellen.“ Auch die Allgemein- und Ernährungsmedizinerin Dr. Doris Gapp stimmt dem zu: "Ich halte nichts von einem strikten Kohlenhydrat-Verzicht. Vor allem bei Kindern im Wachstum sind sie für die Entwicklung des Gehirns ungeheuer wichtig. Natürlich muss man aber bei einer Glutenunverträglichkeit auf Nudeln, Gebäck und Mehlspeisen verzichten. Alternativen dazu sind Mais, Reis, Hirse, Buchweizen, Quinoa oder Amarant.“

Der Auslöser für Paltrows No-Carbs-Einstellung. Gwyneth Paltrows extreme Ansichten haben einen Grund. Nach heftigen Migräneanfällen im vergangenen Frühling mit anschließenden Panikattacken wollte die Schauspielerin, die ohnehin schon des Öfteren mit ihren Ernährungsstrategien für Schlagzeilen sorgte, etwas ändern. Ein Arzt ortete die Ursachen ihrer Beschwerden in der Ernährung. Sie verzichtet seither auf Kaffee, Kuhmilch, Eier, Zucker und vor allem auf Getreidesorten mit Gluten. Von der positiven Veränderung ist sie so begeistert, dass sie Rezepte entwickelte, die ihre Unverträglichkeiten berücksichtigen. Und der Hollywoodstar meint sogar, dass alle Menschen das Klebereiweiß Gluten meiden sollten, egal ob eine Unverträglichkeit besteht oder nicht.

Gesunde Alternativen. Sieht man sich die Rezepte an, wird schnell klar: Der mediale Aufschrei ist nur bedingt berechtigt. Die Rezepte basieren auf Couscous, braunem Reis oder Süßkartoffeln. Auch Fleisch und Süßes wie Bananeneis und Schokolademuffins finden sich im Kochbuch. Gwyneth ersetzt allerdings Kuhmilch durch Mandelmilch, Weizenmehl durch glutenfreies oder Süßkartoffeln und weißen Zucker durch Ahornsirup.

Sie überlegt sich Alternativen beim Kochen, die auch Ernährungsmedizinerin Gapp gut findet: "In unserer Gesellschaft werden mehr Kohlenhydrate als nötig verzehrt. Wir brauchen sie für eine ausgewogene Ernährung, doch Weißmehl und Zucker sind nicht die richtige Wahl. Damit bereits die Kinder lernen, wie richtige Ernährung funktioniert, ist es besser, ihnen das vorzuleben als nur zu verbieten. Denn alles, was verboten ist, wird umso interessanter. Obst und Gemüse, aber auch Kartoffeln und Fleisch in Maßen gehören zu einem ausgewogenen Speiseplan dazu.“ Fazit ist, dass die Kinder der Schauspielerin wohl keine herkömmliche Pizza bekommen, ganz ohne Kohlenhydrate müssen sie aber nicht leben. Und auch Süßes ist zumindest nicht ganz tabu ...

Themen: Diät, Ernährung