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"Keine Zeit zum Streiten": Heinisch-Hosek und ihr Mann im offenen WOMAN-Interview

Gabriele & Walter Heinisch-Hosek: Die Frauenministerin und ihr Mann sind seit 23 Jahren ein Paar. Noch nie haben die beiden ein gemeinsames Interview gegeben. Bei der Premiere in WOMAN erzählen sie aus ihrem ganz privaten Alltag – viel Humor inklusive!


"Keine Zeit zum Streiten": Heinisch-Hosek und ihr Mann im offenen WOMAN-Interview
© Heinz Tesarek

Sie hat sich eineinhalb Stunden in ihrem Kalender freigeschaufelt, er hat sich heute Nachmittag extra keine Termine ausgemacht. Sie ist Frauenministerin, er Amtsleiter der Marktgemeinde Guntramsdorf. Gabriele Heinisch-Hosek, 48, und ihr Mann Walter Heinisch, 55, geben exklusiv in WOMAN – und zeitgerecht zum Frauentag – ihr erstes Interview im Doppel. Als wir uns im Café des Wiener Justizpalastes treffen, plaudern die beiden offen über ihre untypische Aufgabenverteilung im Haushalt, über jene Kleinigkeiten, die einen auch nach 21 Jahren Ehe noch nerven – und über die Liebe auf den ersten Blick, zu ihrem Patensohn.

Am 8. März ist Frauentag, die Gleichberechtigung steht dabei im Blickpunkt. Klappt es bei Ihnen mit halbe-halbe?
Gabriele Heinisch-Hosek: Über 23 Jahre verteilt, geht sich’s aus.
Walter Heinisch: Jetzt lobt sie sich selbst (lacht). Ich erledige von dem, was wir zuhause machen, sicher 70 Prozent.
Gabriele (nickt): 70:30.
Walter: Wir haben einmal in der Woche eine Reinigungshilfe. Aber sonst, vom Geschirr und der Wäsche übers Einkaufen und was noch im Haus zu tun ist, das mach ich. Am Samstagvormittag gehen wir, wenn es die Zeit erlaubt, gemeinsam einkaufen. Das genießen wir dann auch.
Gabriele: Mir bleibt in der Früh das Wegräumen des Frühstücksgeschirrs. (Denkt nach.) Weil sogar meine Kleidung räumst du weg …
Walter: Schuhe putz ich auch.
Gabriele: Am Wochenende bügle ich genauso, aber er macht eindeutig mehr.
Walter: Es ist einfach der Belastung entsprechend aufgeteilt.
Gabriele: Mir macht das schon ein schlechtes Gewissen, aber es ist vereinbart, und ich glaube, es ist nur dann für eine Ehe belastend, wenn es unausgesprochen unausgewogen ist.

Eine untypische Aufgabenverteilung im Hause Heinisch. Vergleicht man nämlich die Zahlen der Frauenberichte aus den Jahren 1995 und 2010, hat sich kaum etwas getan: Frauen erledigen noch immer zwei Drittel der unbezahlten Arbeit. Wie könnte man das ändern?
Gabriele: Mein Plan ist, die Männer, die schon im 21. Jahrhundert angekommen sind, zu bestärken. Und zu sagen, es ist richtig, wenn zwei, die voll berufstätig sind, sich auch daheim die Arbeit teilen.
Walter: Ich glaube, es gibt mehr Männer, die etwas tun, es aber nicht zugeben, weil es nicht ins Weltbild passt. Da wird schon ein Staubsaugersackwechsel als sensationell angesehen. Aber es wäre auch mehr Druck von den Frauen erforderlich. Sie sollten sagen: „Was du jetzt brauchst, ist gerade nicht im Haus, bitte kümmere dich selbst drum.“
Gabriele: Frei nach dem Motto: Du brauchst ein Hemd? Dann bügel’s dir.
Walter: Oder du kaufst dir eins (lacht).
Gabriele: Die Bequemlichkeit der Männer! Daran muss gerüttelt werden.

Toleranz und Verständnis sind – im Zusammenleben mit Politikern – angeblich besonders geforderte Eigenschaften. Stimmt’s, Herr Heinisch?
Walter: Wenn man selbst ein politischer Mensch ist, und das bin ich, geht es leichter. Wenn man aber einen Partner hat, der gar kein Interesse dafür zeigt, ist es wohl anstrengend.
Gabriele: Ich höre das oft von Frauen, die sich gerne politisch engagieren würden. Bevor sie zuhause einen Streit riskieren und nur Unverständnis ernten, lassen sie sich dann für eine Wahl nicht auf die Parteiliste setzen. (Schaut zu ihrem Mann). Das ist bei uns schon sehr angenehm.

Frau Minister, als Sie in die Regierung gekommen sind, hat Ihr Mann gesagt: „Ich unterstütze dich in allem, was du tust.“ War’s harte Arbeit, dorthin zu kommen?
Gabriele: Es war vom ersten Tag an so. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass einer dem anderen was vorgeschrieben hätte. Wir haben immer versucht, alles zu teilen.
Walter: Das kann ich nur bestätigen. Wir waren uns gegenseitig nie im Weg.

Verraten Sie uns, wie man eine Beziehung 23 Jahre lang lebendig hält? Welche Ingredienzien stehen auf dem Rezept?
Gabriele: Die wenige Zeit, die man miteinander hat, möglichst intensiv verbringen, ab und zu spontan sein und sich auf Neues einlassen, alles besprechen, egal, wie klein die Sache ist.
Walter: Es sollte nicht alles planbar und berechenbar sein, immer wieder mal überraschend. Und wir haben oft wirklich viel Spaß miteinander.

Was amüsiert Sie da?
Walter: Oft ist es etwas Spontanes, wenn wir einander Dinge erzählen, die bei uns im Job vorgefallen sind.
Gabriele: Oder du liest mir eine Passage aus einem Buch oder einer Zeitschrift vor.
Walter: Oder wenn wer mit einer Aussage ganz danebenliegt. Gabriele: Obwohl, bei Monty Python muss der Walter viel mehr lachen als ich. Das finde ich nicht so lustig. Er steckt mich dann aber an, und ich lache mit.

Hand aufs Herz: Gab es trotz Harmonie auch mal eine Krise, die fast aussichtslos schien?
Walter & Gabriele: Nein.
Walter: Gestritten haben wir das eine oder andere Mal, aber das ist lange her.
Gabriele: Er dreht sich um und geht. Schwierig für mich, weil ich dann nicht fertig streiten kann. Wenn er wiederkommt …
Walter: … geht’s eh.

LESEN Sie das ganze Interview in WOMAN 05/2010!