Ressort
Du befindest dich hier:

So erziehst du dein Kind zum Narzissten!

Egoistisch, selbstverliebt, verzogen. Du meinst es besonders gut mit deinem Kind - und erziehst es damit zu einem Narzissten. Was laut Wissenschaft falsch läuft:

von

So erziehst du dein Kind zum Narzissten!
© Instagram/FreyaCharlotte

Wir lieben unsere Kinder. Wir sind stolz auf sie. Wir freuen uns über alles, was sie lernen, machen, können. Das ist völlig normal, das soll so sein. Aber es gibt einen Fehler, den Eltern bei der Erziehung machen können: Sie bewerten ihr Kind über.

"Valentin ist ja leider hochbegabt...", "Johanna kann bereits lesen, seit sie drei Jahre alt ist", "Eric kann so unglaublich zeichnen, ich schicke ihn jetzt mal in einen Förderkurs...". Man meint es lieb, man hält sein Kind für etwas ganz Besonderes, für etwas Einzigartiges. Und erzieht es damit leider auch eher zu einem egoistischen, selbstverliebten Unsympathen.

Überbewertung verwandelt Kinder in Narzissten

Wie eine aktuelle Studie der amerikanischen Gesellschaft für Psychologie belegt, ist die übertriebene (!) Begeisterung über die Taten unserer Kinder diese in kleine Egos verwandelt – was sich im Erwachsenenalter zu einer echten Persönlichkeitsstörung, dem Narzissmus, auswachsen kann.

Die Studie begleitete 565 Kinder aus Holland im Alter zwischen sieben und elf Jahren – laut Psychologen die Phase, in der sich narzisstische Prägungen entwickeln und zeigen. Die Kinder wurden von den Psychologen-Teams regelmäßig zu Denkmustern wie "Hältst du dich für besser als andere Menschen" oder "Meinst du, dass dir mehr zusteht als anderen" befragt.

Professor Brad Bushman, einer der Studienautoren: "Kinder halten sich nur dann für etwas Besseres, wenn sie es von ihren Eltern gesagt bekommen. Das klingt im ersten Moment nach einer guten Stärkung des Selbstbewusstseins, wirkt sich aber später negativ auf sie und ihr Umfeld aus."

Man solle, so der Psychologe, den Kindern nicht ständig eintrichtern, dass sie besser oder ganz besonders seien. "Ein gesundes Selbstbewusstsein und hohes Selbstwertgefühl entwickeln sich nicht durch ständiges Lob und Komplimente, sondern wenn man den Kindern mit emotionaler Wärme begegnet." Überbewertet man die Kinder ständig und feiert jede ihrer Handlungen wie ein kleines Weltwunder, empfinden sie später Widerstand oder fehlendes Lob für kleine Taten als Ablehnung und Abwertung.

Dein Kind ist ein Wunder. Aber kein Weltwunder.

Für ihr Experiment befragten die Forscher auch die Eltern der Kinder – und stellten ihnen eine kleine Falle. Sie erfanden eine gewisse "Queen Alberta" und "Die Geschichte vom Hasen Benson".

Ob die Kinder wüssten, um wen es sich dabei handle – und wie die Geschichte des Hasens ausginge? Die Eltern jener Kinder, die bereits narzisstische Tendenzen aufwiesen, behaupteten unisono, dass ihre Kinder absolut Bescheid wüssten, ja, bei der (nicht existenten) Hasen-Geschichte sogar viele schlaue Fragen gestellt hätten.

Mit-Autor Eddie Brummelman: "Eltern, die ihre Kinder auf ein ungesundes Podest stellen, rechnen dem Nachwuchs ein Wissen über unterschiedlichste Themen zu. Selbst wenn dieses nachweislich nicht vorhanden sein kann..."

Natürlich sei die Erziehung nicht der einzige Faktor, der den Narzissmus auslöst. Es gibt auch genetische und Umweltfaktoren. Dennoch, so die Psychologen, nehmen wir mit unserem eigentlich gut gemeintem Verhalten einen doch auch negativen Einfluss auf die Entwicklung unserer Kinder.

WOMAN Community

Deine Meinung ist wichtig! Registriere dich jetzt und beteilige dich an Diskussionen.

Jetzt registrieren!

Schon dabei? .