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Reisen mit Kind: Tipps

Seit Anfang des Jahres reist die österreichische Bloggerin Lena mit (29) ihrem Sohn Emilian (2) alleine durch die Welt – uns hat sie ihre persönlichen Reisetipps mit Kind verraten.


Reisen mit Kind: Tipps
© Lena Catarina Kratz

Nach knapp vier Monaten alleine mit Kind durch Japan, Thailand und Indonesien will ich es in die ganze Welt hinausposaunen: Packt eure Kinder ein und geht auf Reisen. Denkt nicht so viel nach, macht es einfach. Die größte Herausforderung besteht darin, es zu wagen. DEN Geheimtipp zum Reisen gibt es sowieso nicht, wohl eher den ein oder anderen Gedankenanstoß.

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Das Gepäck
Weniger ist mehr. Mein Rucksack für drei Monate Thailand und Indonesien hat gerade einmal 14 Kilo auf die Waage gebracht. Je weniger man dabei hat, desto mehr konzentriert man sich auf das Wesentliche. Es ist ratsam, leichte Kleidung einzupacken und im Hinterkopf zu behalten, dass die nächste Wäscherei meist gleich ums Eck ist. Festes Schuhwerk, ein Kaschmirschal und ein gemeinsames Badetuch sollten auch noch Platz im Reisegepäck finden. Dafür solltet ihr unbedingt auf jeglichen Schnickschnack verzichten. Schnell wird klar, dass man unterwegs nicht viel braucht und weniger gleich mehr ist.

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Die Reiseapotheke
In der Reiseapotheke sollte vor allem ein Erste-Hilfe-Set, das Anti-Gelsenspray "Anti Brumm" von Naturel (gegen die hiesigen Produkte sind die Mücken immun) und eine Tube "Dermodrin" – ein Wundermittel gegen Juckreiz und Überempfindlichkeiten bei Allergien, leichten Verbrennungen, Sonnenbrand und Sonnenallergien – griffbereit sein. Super eignen sich Medikamente, die sowohl für einen selbst wie auch für den Nachwuchs geeignet sind. Ich habe außerdem im Vorfeld mit meinem Arzt des Vertrauen vereinbart, dass ich ihn in Notfall kontaktieren kann und er mir mit Rat und Tat via WhatsApp oder Skype zur Seite steht. Damit sage ich aber nicht, dass man auf eine Reiseversicherung verzichten soll. Ganz im Gegenteil: Bitte unbedingt abschließen. Und wer sich diese nicht leisten kann, kann sich auch das Reisen nicht leisten.

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Die Reiseführer
Auf einen Reiseführer oder andere Ratgeber habe ich vollkommen verzichtet. Ganz nach dem Motto: Go with the flow. Es ist sinnfrei eine Route oder den Tagesablauf präzise zu planen, denn so vieles kommt unverhofft. Oft muss auch improvisiert werden, denn schließlich ist es wie zuhause: Mit Kind ist alles anders. So reist es sich zum Beispiel mit einem Kind deutlich langsamer. Dafür lernt man Menschen und fremde Kulturen viel intensiver kennen. Das Beste, was man für so eine Reise machen kann, ist dem Zufall Platz zu schaffen. Kinder sind viel anpassungsfähiger, als wir denken und können sich schnell auf neue Situationen einstellen. Aber das Wichtigste ist, offen für neue Erfahrungen zu sein, das Reisetempo an das Kind anpassen und auch mal einen Ruhetag dazwischen einlegen. Das sind drei wahre Geheimnisse für eine abenteuerliche und zugleich entspannte Zeit zu zweit.

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Die Notfallbeschäftigung
Wer das Ferne sucht und neue Länder entdecken will, wird viel Zeit in Flugzeug, Auto, Schiff und anderen Transportmitteln verbringen. Mit einem Kleinkind kann das schnell nervenaufreibend sein. Ich bin zwar absolut dagegen, dass Kinder permanent in ein viereckiges Kasterl starren, trotzdem habe ich vorab auf meinem iPad Kinderserien und Spiele installiert, die hier und da zur Bespaßung dienen. Auch wenn es so klingt, keine Sorge: Die Fortbewegung in Flugzeug, Schiff, Bus und Co ist alles, aber kein Albtraum. Kinder sind Abenteurer. Heute Pilot, morgen Kapitän. Ein wichtiger Tipp am Rande: Falls möglich und im Budget, immer Direktflüge buchen!

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Die Unterkunft
In den letzten Monaten sind wir in den unterschiedlichsten Unterkünften abgestiegen: Von Low-Budget-Bungalows im Dschungel bis hin zu luxuriöseren Hotels am Strand, Homestays und private Villen war eigentlich alles dabei. Mit Kind empfiehlt es sich bei einem Ortswechsel die ersten zwei Nächte im Voraus zu buchen. Das ist sicherlich einer der wesentlichen Unterschiede zu allen, die ohne Kind reisen. Im asiatischen Raum haben sich Agoda.com und Airbnb als beste Plattformen entpuppt. Vor Ort empfiehlt es sich dann mit den Einheimischen und anderen Backpackern zu sprechen, die einen mit Geheimtipps versorgen. So spart man sich Anbietergebühren und kann außerdem um den Preis feilschen. Das Argument "Ich habe keinen Partner, mit dem ich mir die Kosten teilen kann, ich reise mit Kind alleine" funktioniert oft erstaunlich gut.

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Die persönliche Auszeit zwischendurch
Wer alleine mit Kind reist, macht auch Abstriche. Dennoch, oder genau deswegen, ist nichts daran verkehrt, wenn das Bedürfnis aufkommt, Zeit für sich zu haben. Nur allzu gerne opfern sich Eltern zu stark auf und sind am Ende der Reise frustriert und ausgepowert. In Bali gibt es zum Beispiel wunderbare Kinderklubs und Kindergärten, die auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sind und auf Stundenbasis besucht werden können. Wie hätte ich sonst Surfen lernen können? Und nein, ich schiebe mein Kind nicht ab. Für Emilian ist die Zeit, in der er mit gleichaltrigen Lego und Autorennen spielen kann, nicht nur eine Bereicherung, sondern absolut notwendig, um auch in der Ferne den sozialen Umgang mit Gleichaltrigen zu stärken. Kinder brauchen nicht nur Eltern, sondern auch andere Kinder. Also eine klassische Win-Win-Situation, die bei niemanden Gewissensbisse auslösen sollte.

Was mir die Reise besonders gelehrt hat? Sei nicht perfekt und nimm Abstand von deinen Ansprüchen anderen gerecht zu werden. Mütter und Väter wissen schon, was sie ihren Kindern zutrauen können.

Mehr zu Lenas Reise mit Emilian kannst du auf ihrem Blog "Mit Handkuss" nachlesen oder auf Instagram verfolgen.