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Psychotherapeutin: Warum Kinder lieber draußen spielen sollten!

Klettern, fangen spielen oder aus Ästen einen Unterschlupf bauen. Eine Psychotherapeutin erklärt, wie sich das Spielen in der Natur auf die Entwicklung von Kindern auswirkt.

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Warum Kinder lieber draußen spielen sollten

Spielen in der Natur macht Kinder kreativ und sozial!

© istockphoto.com

Bewegung ist wichtig für Kinder - egal, ob drinnen oder draußen. Doch das Spielen in der freien Natur fördert das Kind auf ideale Weise. Der Sauerstoffkick vertreibt die Müdigkeit und die Beschäftigung mit Holz, Wasser oder Erde schult die Wahrnehmung. Psychotherapeutin MMag. Karin Haiderer hat selbst zwei Kinder, die den Waldkindergarten besucht haben und jetzt bei einem Lernverein im Freien sind. Im Talk mit WOMAN erklärt die Expertin der Kinderartzpraxis Schumanngasse in Wien, warum Eltern mit ihren Kleinen möglichst früh nach draußen gehen sollten!

»Die Natur fördert die Entwicklung der Kinder auf allen Ebenen. «

WOMAN: Studien belegen, dass sich Kinder immer seltener draußen aufhalten. Welche Konsequenz hat diese Entwicklung?
MMag. Karin Haiderer: Abgesehen davon, dass das Spielen im Freien und der Kontakt mit Schmutz (Pollen, Bakterien, Tierhaare) vor Allergien schützt und das Immunsystem stärkt, werden auch motorische Fähigkeiten geschult. Die Natur fördert die Entwicklung der Kinder auf allen Ebenen. Wer nur drinnen vor dem TV sitzt oder mit dem iPad spielt, ist nicht so kräftig, kreativ oder sozial, wie andere, die sich in der freien Natur aufhalten.

WOMAN: Wie kann die Natur die Kreativität der Kinder fördern?
MMag. Karin Haiderer: Die Natur bildet Problemstellungen für Kinder, welche kreative Prozesse antreiben. Ein Beispiel: Kinder möchten einen Damm bauen. Das Kind muss sich überlegen: Was brauche ich? Und wie fange ich an, damit es funktioniert? Man lernt aus Fehlern und kreiert neue Strategien, damit die Herausforderung gemeistert werden kann.

WOMAN: Wie sieht es mit dem Sozialverhalten aus?
MMag. Karin Haiderer: Ich spüre, ich höre, ich rieche, ich schmecke, ich sehe. In der Natur werden alle Sinne geschult und dadurch auch die Wahrnehmung der Kinder gefördert. Die verschärfte Sinneswahrnehmung erleichtert wiederum das Wahrnehmen unterschiedlicher Stimmungen im Umgang mit Menschen. Man könnte also sagen, dass die Natur das Sozialverhalten positiv beeinflusst.

WOMAN: Sind demnach Kinder am Land kreativer und sozialer, weil sie häufiger draußen spielen als Stadtkinder?
MMag. Karin Haiderer: Ich würde nicht sagen, dass Kinder, die am Land aufwachsen, häufiger draußen sind, als Kinder in der Stadt. Diese Kinder haben vielleicht die Natur vor der Tür, nützen sie aber nicht unbedingt mehr als Stadtkinder. Wenn die Eltern nur drinnen vorm TV herumsitzen, dann machen es meistens auch die Kinder.

»Es gibt viele Belege dafür, dass Kinder immer die Spiegel der Eltern sind.«

WOMAN: Als Grund, dass Kinder immer seltener draußen spielen, hat eine Studie die Ängstlichkeit der Eltern angegeben. Diese hätten einfach zu viel Angst, den Kindern könnte draußen etwas passieren. Welche Auswirkungen hat dies auf die Psyche der Kinder?
MMag. Karin Haiderer: Es gibt viele Belege dafür, dass Kinder immer die Spiegel der Eltern sind. Selbst wenn ich als Papa oder Mama unbewusst und ganz ohne Worte dem Kind suggeriere, die Natur sei gefährlich, so wird das von dem Kind aufgenommen. Damit schränkt man die Lust, die Welt zu entdecken enorm ein. Die Natur zu entdecken bedeutet die Welt zu entdecken und dies bleibt dem Kind damit verwehrt.

WOMAN: Demnach sind die Eltern dafür verantwortlich?
MMag. Karin Haiderer: Eltern vermitteln schon sehr früh, was zum Alltag der Familie gehört. Entweder ich drehe den Fernseher auf oder ich gehe wandern. Beides macht man mit einer Selbstverständlichkeit, die natürlich auf das Kind übertragen wird.

WOMAN: Wie können Eltern das draußen Spielen für Kinder attraktiver machen?
MMag. Karin Haiderer: Natürlich ermöglicht der Spielplatz Bewegung, die wichtig ist. Die Kreativität wird jedoch in der freien Natur ohne Vorgaben viel besser gefördert. Der Spielplatz ist ein Konstrukt, welches von Erwachsenen entworfen wurde und den Kindern wenig Freiraum für eigene Ideen gibt. Auf jeden Fall muss sich bei den Eltern etwas ändern, damit sich die Kinder ändern. Das bedeutet: Kinder schnappen und mit ihnen rausgehen – auch wenn man anfangs auf Widerstand stößt, weil sie das Faulenzen zuhause gewöhnt sind!

MMag. Karin Haiderer - Kinder Psychotherapeutin
MMag. Karin Haiderer, Psychotherapie für Kinder - in der Kinderarztpraxis Schumanngasse

Themen: Eltern, Kinder

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