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Kinder: selbstbewusst stottern?

Weicht beim eigenen Kind irgendetwas von der "normalen" Entwicklung ab, ist bei den Eltern die Sorge groß. Beim Stottern jedoch kann laut einer neuen Studie namens „Kinder Dürfen Stottern“ mehr Gelassenheit auch wirkungsvoll sein.

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Kinder: selbstbewusst stottern?
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Kinder, die stottern, leiden häufig – nicht nur wegen des nicht flüssigen Sprechens, also der unfreiwilligen Pausen, Dehnungen und Wiederholungen, sondern auch wegen möglicher Folgen wie Scham, soziale Ängste bis hin zu Mobbing.

Die Herausforderungen, denen stotternde Kinder im Alltag begegnen, sind groß, und viele sind dadurch auch emotional belastet. Doch nicht jedes Kind fühlt sich durch sein Stottern beeinträchtigt. Manche verfügen über eine so große psychische Widerstandsfähigkeit, in der Fachsprache Resilienz genannt, dass sie die Herausforderung des Stotterns bewältigen, selbstbewusst damit umgehen und sogar gestärkt daraus hervorgehen.

Wie genau Resilienz und Stottern zusammenhängen, untersucht aktuell Sabrina Heiler am Fachbereich Gesundheit der FH Münster, in ihrem Promotionsvorhaben: „Kinder, die selbstbewusst mit dem Stottern umgehen, greifen auf Schutzfaktoren zurück. Das sind Ressourcen wie zum Beispiel Empathie oder Optimismus. Genauso wichtig ist aber auch die elterliche Unterstützung“, so Heiler. Eltern stotternder Kinder seien häufig besorgt über die Auswirkungen des Stotterns auf das Kind und seine Entwicklung. „Sie machen sich Selbstvorwürfe. Manche tabuisieren sogar das Stottern, um ihr Kind zu schützen. Das kann dazu führen, dass dieses dadurch noch mehr verunsichert ist.“

In einer neuen Studie untersucht Heiler, wie betroffene Kinder die Situation selbst erleben und wie Eltern ihre Schützlinge wahrnehmen – noch bevor eine Stottertherapie beginnt. „Mein Ziel ist es, die Ressourcen der Kinder gleich am Anfang zu untersuchen, um diesen Status Quo gezielt in die Therapie einbinden zu können.“ Denn wie diese ablaufe, sei auch stark abhängig von Maßnahmen, die zu den Bedürfnissen des Kindes passen müssen. „Es gibt schon viele Ansätze in diesem Bereich, die auch die Ressourcen berücksichtigen. Ein detailliertes Wissen darüber speziell bei Kindern kann die Planung einer Therapie verbessern und so das Kind in seiner Resilienz stärken.“ Ein niedriges Selbstbewusstsein lasse sich zum Beispiel gezielt fördern.

Manchmal sorgen sich die Eltern mehr, als die Kinder

Eine Herausforderung sei, dass das Störungsbild des Stotterns sehr vielfältig ist. „Der Stotterschweregrad ist unterschiedlich, die Therapieansätze sind es auch, und es lässt sich nicht eindeutig vorhersagen, bei welchen Kindern sich das Stottern im Laufe der Entwicklung zurückbildet.“ Die Chancen für diese spontane Rückbildung seien bis zum Schuleintritt am höchsten, und eine Therapie begünstige diesen Effekt. Mit zunehmendem Alter sinke die Wahrscheinlichkeit allerdings. „Eine frühzeitige Therapie ist also wichtig. Und dazu zählt auch, dass mit dem Stottern offensiv umgegangen wird. Die Enttabuisierung ist ein wichtiger Punkt. Besonders für die Eltern ist auch die Beratung im Rahmen der Stottertherapie sehr entlastend, was sich dann wieder positiv auf das Kind auswirken kann.“

"Kinder dürfen stottern"

Heiler weiß genau, wovon sie spricht: Die Klinische Linguistin hat sich auf das Stottern spezialisiert und selbst schon viele Kinder und Jugendliche in der logopädischen Praxis behandelt. Mit Prof. Dr. Anke Kohmäscher arbeitet sie nun an dessen Forschungsvorhaben PMS KIDS. Kohmäscher erforscht zusammen mit Prof. Dr. Stefan Heim, Universitätsklinikum Aachen, die Wirksamkeit des Verfahrens „Kinder Dürfen Stottern“ (KIDS).

Dieses ist in der ambulanten Therapie weit verbreitet. „Wir untersuchen unter Alltagsbedingungen, wie sich der Ansatz KIDS bei stotternden Kindern zwischen sieben und elf Jahren auf das Befinden und das Sprechen auswirkt“, erklärt Kohmäscher. Seit Oktober 2018 arbeiten sie daran, bis zum Frühjahr 2022 läuft die PMS KIDS-Studie. Für diese Studie werden noch Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesucht: stotternde Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren, die in Deutschland leben und derzeit nicht in sprachtherapeutischer Behandlung sind. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden den Eltern anschließend zur Verfügung gestellt. Wer Interesse hat, meldet sich per Mail an sabrina.heiler@fh-muenster.de oder telefonisch unter +49 251 83-65893.