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Kinderarbeit: Die Doppelmoral der Modeindustrie

Würdest du eine 10-Jährige 16 Stunden in einer Fabrik arbeiten lassen? Tag für Tag? Dieses Experiment zeigt, was passiert, wenn sich Kinder hierzulande für einen Job in einem Modegeschäft bewerben.

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"Wie alt bist du", fragt diese Verkäuferin das Kind.

© Video: Fashion Revolution

Kaufst du auch hin und wieder Shirts um ein paar Euro, Hosen um zehn Euro oder Schuhe, die gerade mal fünfzehn Euro kosten? Falls ja: Vielleicht wurden diese Produkte zu üblen Produktionsbedingungen in einem Entwicklungsland hergestellt. Vielleicht sogar von einem Kind. Von einem Kind, das täglich 16 Stunden arbeiten muss - sieben Tage die Woche. Unter Bedingungen, die nicht einmal hierzulande einem Erwachsenen zugemutet werden. In Ländern wie Bangladesh oder Indien gibt es kein gesetzliches Mindestalter für Arbeit. In vielen Ländern werden Kinder sogar versklavt und zur Arbeit gezwungen. Für uns unvorstellbar. Und doch sind wir schuld daran, dass Kinderarbeit überhaupt existiert.

Ein Experiment mit versteckter Kamera

Klar, wir würden es nie zulassen, dass ein 10-jähriges Kind wie ein Erwachsener arbeiten gehen muss. Aber warum machen wir da einen Unterschied zu den Kindern, die unsere Kleidung herstellen? Genau diese Doppelmoral von europäischen Unternehmen wurde nun in einem Experiment mit versteckter Kamera entlarvt. Fünf Kinder bewerben sich per Internet, Telefon oder persönlich bei großen Modeketten um einen Job. Die Reaktion sind wenig überraschend immer ähnlich: Die Leute von den Modegeschäften fragen die Kinder nach ihrem Alter und erklären dann, dass sie einfach zu jung seien, um zu arbeiten. "Da musst du noch etwas größer und älter werden" oder "Du bist leider zu jung" sind die Begründungen für die Ablehnungen.

Kinder bewerben sich in Modegeschäften - das Experiment
Kinder bewerben sich in Modegeschäften - das Experiment


Dass aber genau die Kleidung, die in den Geschäften verkauft wird, ebenso von Kindern unter teilweise schrecklichen Bedingungen produziert wurde, scheint keinen zu interessieren. Zeigt man den Kunden dann Bilder von Kinderarbeit, ist die Betroffenheit groß.

Das Experiment "The Child Labour Experiment" wurde für die bevorstehende Fashion Revolution Week durchgeführt. Diese findet wieder von 18. bis 24. April 2016 weltweit statt und soll an die Katastrophe von Bangladesh vor 3 Jahren erinnern, als über 1000 Menschen in einer Texilfabrik ums Leben kamen.

Unter dem Motto "Who Made My Clothes" soll auf der ganzen Welt daran erinnert werden, dass hinter jedem Kleidungsstück eine Geschichte, ein Mensch, ein Schicksal steht.

Kinder bewerben sich in Modegeschäften - das Experiment


Was kann ich tun?

Wer dazu beitragen möchte, dass sich die Arbeitsbedingungen in Textilfabriken ändern und Kinderarbeit verboten wird, kann folgendes tun:
1. Nicht zum Billigsten vom Billigen greifen. Wenn ein Shirt nur 3 Euro kostet, musst du davon ausgehen, dass es nicht "sauber" produziert wurde.
2. Lieber Kleidung tauschen, anstatt sich ständig neue Klamotten zu kaufen. Auch eine Shoppingpause macht dich nicht unglücklich. Das Experiment hat eine Wienerin durchgeführt und sie gibt tolle Tipps: 6 Monate Shoppingpause - das ist passiert
3. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, kaufe Labels, die ihre Ware unter Garantie fair produzieren:
www.zerum.at
www.green-shirts.com
www.vivanda.at
www.waschbaer.at
www.avocadostore.de

Ein Zeichen setzen!

Wenn du ein Zeichen setzen willst, teile das Video vom Experiment (oben) mit dem Hashtag #whomademyclothes, um auf Kinderarbeit aufmerksam zu machen. Oder du drehst deine Kleidung von rechts auf links, so dass das Label sichtbar wird und schickt an die Labels auf Facebook, Twitter oder Instagram die Anfrage "Who Made My Clothes"? Sicher interessant zu sehen, was die Modemarken so antworten!

Würdest du das 2-Euro-T-Shirt kaufen?

Themen: Report, Videos