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Erschütternd: Das Kinderbordell in Bangladesch

Sie werden hier geboren, sie verbringen ihr weiteres Leben hier: Diese erschütternden Bilder zeigen den Alltag des ältesten Kinderbordells von Bangladesch.


Erschütternd: Das Kinderbordell in Bangladesch

Die 16-jährige Maya trägt Lippenstift für ihren Freier auf

© REUTERS/Andrew Biraj

Maya ist 16 Jahre alt. Ihr gesamtes bisheriges Leben hat sie im Kandapara-Bordell verbracht. Ihr Mutter, eine Prostituierte, hat sie hier auf einer der durchgelegenen Matratze zur Welt gebracht, hier ist sie aufgewachsen. Seit sie 13 ist, bietet Maya ihren Körper ebenfalls gegen Geld an.

Bangladesch ist eines der wenigen muslimischen Länder, in denen Prostitution legal ist. Das Kandapara Bordell im Bezirk Tangail ist das älteste und zweitgrößte im Land - es existiert seit über 200 Jahren. 2014 wurde das Kandapara, ein fast schon zum Stadtviertel ausgeufertes Ungetüm aus Steinhäusern und Wellblechhütten, fast zur Gänze abgerissen. Und wenig später von NGOs wieder aufgebaut. Denn viele der Frauen wurden hier geboren oder leben hier, seit sie Teenager sind. Mit dem Abriss nahm man ihnen nicht nur ihre Arbeit, sondern auch ihr Zuhause. Die meisten wussten nicht wohin, lebten zwischenzeitlich auf der Straße.

Die 17jährige Hashi bringt einen Freier in ihre Unterkunft, während Maya (vorne) noch auf Kunden wartet

"Auch Sexarbeit ist Arbeit", protestierten Befürworter des Bordells. Zusammen mit den Frauen demonstrierten sie für die Rechte der Prostituierten als Arbeitnehmer – Ende 2014 konnte die "Bangladesh National Women Lawyers Association" die Gerichte überzeugen, dass die Räumung des Kandapara Bordells illegal war. Die über 800 Frauen zogen zurück in ihre zwar armseligen, aber doch Unterkünfte. Heute ist das Bordellviertel von einer Mauer umgeben. Im Inneren gibt es Straßenhändler, Essstände oder Teestuben – eine Stadt in der Stadt hat sich gebildet. Mit ihren eigenen Hierarchien.

Am untersten Ende der Rangordnung stehen jene Kinderprostituierten, die nicht hier geboren, aber von ihren bettelarmen Familien an Menschenhändler verkauft wurden. Im Alter von 12 bis 14 Jahren werden sie nach Kandapara gebracht und in die Obhut einer älteren Prostituierten gestellt. Hier haben sie keine Rechte, nur Schulden. Sie dürfen das Bordell nicht verlassen, müssen ihren gesamten Verdienst an die Frau, bei der sie leben, abtreten. Die wieder zahlt einen hohen Beitrag an jene Zuhälter, denen die Kinderprostituierte gehört – nur das Geld, mit dem sie sich und das Mädchen ernährt, darf die Unterkunftgeberin behalten.

Erst wenn die Kinderprostituierte ihre Schulden abgezahlt hat (was laut Schätzungen der Hilfsorganisationen erst nach etwa fünf Jahren der Fall ist), darf sie als Sexarbeiterin unabhängig Geld verdienen – und auch erst ab diesem Zeitpunkt Kunden ablehnen oder das Bordell verlassen. Die meisten Frauen bleiben. Als "Huren" stigmatisiert, können sie außerhalb kaum eine Familie gründen, wie die Washington Post berichtet.

Bilder aus dem Kandapara, dem ältesten Bordell Bangladeschs

Hashi schläft mit ihrem "Babu", quasi ihrem Zuhälter. Die meisten der Frauen haben Ehemänner oder Partner, die ihnen einen Teil ihres Geldes abnehmen.

Hashi zeigt ihre Packung Oradexon. Das Stereoid ist die geheime Droge in den 14 offiziellen Bordellen Bangladeschs. Es wirkt entzündungshemmend, aber auch dämpfend. Für die jungen Frauen, die hier oft traumatisches erleben, ist es ein Weg, um zu überleben. Eine – hier durchaus erwünschte – Nebenwirkung des Oradexon: Man nimmt zu. "So wirken wir für die Kunden attraktiver und gesünder."

Die 17-Jährige wäscht sich nach dem Besuch eines Freiers. Zwischen 15 und 20 Kunden bedienen die minderjährigen Mädchen hier pro Tag. Umgerechnet acht Euro verdient sie dafür. An guten Tagen.

Oft kommen die Kunden zu zweit. Privatsphäre gibt es im Bordell nicht. Vorhänge trennen die Kammern oder dienen als Tür der Wellblechhütten. Viele der Prostituierten haben kleine Kinder, die vor dem Raum spielen, während ihre Mutter die Freier abfertigt.

Hashi legt ein wenig Make-up auf, ehe neue Kunden kommen. Die 17-Jährige wurde mit 12 Jahren von Menschenhändlern nach Kandapara verschleppt, seitdem hat sie es nie verlassen. Innerhalb der Steinmauer blüht der Schwarzmarkt. Kleidung, Schminke, Drogen – alles kann hier gekauft werden.

Zwischen zwei Freiern raucht Hashi eine Zigarette. Zukunftspläne, Hoffnungen? "Ich kenne kein anderes Leben. Was soll ich mir wünschen? Ich will, dass mein Sohn ein guter Mensch wird."

Thema: Sexismus