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Kindererziehung:
11 Fragen, viele Meinungen

Wenn es um Kindererziehung geht, gibt es nicht die eine Wahrheit. Im Gegenteil: Welche Süßigkeiten sind okay? Wie viele Spielsachen braucht mein Kind? Darf ich Familienfotos auf Facebook posten? Elf Fragen, viele Meinungen: Experten und Promi-Mamas sagen, was sie darüber denken.

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Kindererziehung:
11 Fragen, viele Meinungen
© istockphoto.com

Darf ich Fotos von meinem Kind auf Facebook posten?

Ruth Bernhardt (Mamacoach, Kinesiologin, 2 Kinder, Alva, 5 und Noah, 2 1/2): "Jede Familie muss für sich entscheiden, ob und in welchem Ausmaß sie Bilder ihrer Kinder in den sozialen Medien veröffentlicht. Wenn Fotos online gestellt werden, sollte das sehr achtsam passieren. Und im Bewusstsein, dass im Web ständig auch Missbrauch mit Daten geschehen kann."

Lilian Klebow (Schauspielerin, 2 Kinder, Charlie, 3, und Sonny, 8 Monate): "Ich tue das nicht. Meine Mama hatte in der Küche ein Foto von mir als Nackabatzl stehen. Es war aus heutiger Sicht ein echt süßes Foto, aber wie peinlich mir das war, wenn Freunde zu Besuch waren! Tja, und auf Facebook sind halt sehr viele 'Freunde zu Besuch'. Ich respektiere gerne die Privatsphäre meiner Kinder. Auch wenn ich verstehen kann, dass man seine Freude mit der ganzen Welt teilen möchte."

Müssen Kinder immer aufessen?

Bernhardt: "Das Thema beschäftigt uns Eltern von Anfang an: Unsere Kinder sollen sich gut entwickeln, wachsen und gesund sein. Allerdings gilt: Jede/r is(s)t anders! Jedes Kind hat verschiedene Geschmäcker und braucht unterschiedlich viel und oft Nahrung. Mir gefällt der Ansatz, Kindern beizubringen, auf ihr Körpergefühl zu hören – zu spüren, wann sie satt sind, wann sie Hunger haben, was ihr Körper braucht. Das können sie dann lernen, wenn wir ihr Empfinden auch respektieren und ernst nehmen."

Vera Russwurm (Moderatorin, 3 Kinder, Yara, 28, Florentina, 25, Anabel, 18): "Es ist wie beim Frühstücksbuffet im Hotel – zuerst lieber weniger auf den Teller geben, man kann sich Nachschub holen, wenn man noch Hunger hat. Alles andere ist Essensverschwendung. Das soll auch den Kindern klar sein: Essen ist da, damit man es isst, nicht damit man es verschwendet. Sind sie ganz klein, können sie das noch nicht einschätzen, aber ab der Volksschule sollten sie sich selbst so viel nehmen, wie sie brauchen. Streitereien darüber, dass aufgegessen werden soll, sind unnötig. Es ist zu respektieren, wenn ein Kind etwas wirklich nicht mag. Das ist ja bei uns Erwachsenen auch so."

Darf ich meine Bedürfnisse als Mama an erste Stelle stellen?

Russwurm: "Als meine Kinder noch klein waren, war es mir immer wichtig, dass ich bei ihnen zu Hause bin. Deshalb habe ich auch versucht, so viel wie möglich von daheim zu arbeiten. Nagelstudio, Fitnesscenter oder Massage? Das war mir nicht wichtig! Ich habe das auch nie als Verzicht gesehen, mir wäre es leid um die gemeinsame Zeit gewesen."

Bernhardt: "Unbedingt! Gibt es im Flugzeug einen Notfall, werden wir aufgefordert, zuerst uns die Sauerstoffmaske aufzusetzen, erst danach den Kindern. Denn nur wenn wir gut versorgt sind, können wir uns auch um andere kümmern. Das gilt auch für den Mamaalltag. Nur wenn man Kraft und Energie hat, kann man seinen Kindern davon geben."

Wie lange dürfen Kids mit dem Handy spielen?

Sandra Teml-Jetter (Familienberaterin, 3 Kinder, Lukas, 22, Franziska, 15, Lorenz, 13): "Je jünger, desto weniger. Der Zugang der Eltern spielt eine wichtige Rolle: Was wird vorgelebt? Kids fällt es ungemein schwer, zu Verlockungen Nein zu sagen. Egal ob Süßes oder Medien. Da braucht es eine präsente Begleitung und Führung."

Klebow: "Ich bin bekennende Smartphone-Verweigerin. Und ich war schockiert, dass meine Tochter eine der wenigen ist, die noch nie ferngesehen hat. Ja, man muss Kinder beschäftigen. Ja, das ist manchmal anstrengend! Ich halte es für gefährlich, Kinder zu früh an Bildschirme zu gewöhnen. Es gibt neurologische Studien, die beweisen, dass Kinder nicht zwischen 2D und der Realität unterscheiden können. Und schon ein 30-minütiger Medienkonsum kann die Verbindung der Synapsen in den kleinen Köpfen stören. Ich glaube nicht, dass wir die Langzeitfolgen in puncto Konzentrationsschwäche einschätzen können."

Wie viele Spielsachen braucht mein Kind?

Bernhardt: "Weniger ist oft viel mehr! Welche Spielsachen ein Kind 'braucht', hängt vom Alter, der jeweiligen Entwicklungsphase und den damit verbundenen Interessen ab. Kinder können auch mit simplen Alltagsgegenständen (z. B. Kochlöffel, Sieb …) unglaublich gut spielen und ihrer Fantasie freien Lauf lassen."

Russwurm: "Ich war immer der Meinung: Je mehr, desto besser! Weil ich dachte, dass das einen höheren Lerneffekt bringt. Durch viele Dinge bekommen sie mehr Anregungen und sind herausgefordert. Heute glaube ich das nicht mehr. Ein Kind kann sich auf ein Spielzeug viel besser konzentrieren."

Was, wenn Eltern sich in Erziehungsfragen nicht einig sind?

Klebow: "Laut Jesper Juul muss man sich nicht immer einig sein. So viel zur Theorie. In der Praxis finde ich das schwierig. Ich denke, man sollte das Kind nicht verwirren und so ehrlich wie möglich sagen: 'Mama sieht es so, Papa so.' Und dann hoffen, dass es das tut, was Mama will."

Russwurm: "Es wäre toll, wenn man sich immer einig wäre – wohl aber auch unmöglich, es gilt ja, Tausende Entscheidungen zu treffen. Und da gibt es oft heftige Kontroversen. Ich war auch in vielen Dingen anderer Ansicht als mein Mann. Vor den Kindern zu diskutieren, ist nicht sinnvoll. Wir haben aber immer versucht, es vorher auszusprechen und dann vor den Kindern eine Linie zu vertreten."

Wie viel Süßes ist okay?

Klebow: "Verbieten bringt nur das Gegenteil! Ich finde es aber verantwortungslos, wie schon in Kindergärten und auch Schulen damit umgegangen wird. Kinder brauchen nicht nach jedem Essen eine süße Nachspeise. Man konditioniert sie so auf Süßes. Es gibt Kindergärten, in denen selbst gebackene Kuchen zu Geburtstagen verboten sind!? Also sind Konservierungsstoffe und lauter Müll besser? Meiner Meinung nach sollte man weißen Zucker, Glucosesirup, industriell Gefertigtes und die typischen Limonadenautomaten in Schulen verbieten. Genauso angeliefertes und aufgewärmtes Essen. Ich backe mit Charlie selbst Kuchen und achte darauf, dass sie ein Mal am Tag etwas relativ gesundes Süßes bekommt. Genußvoll und mit Spaß. Mit Kids backen und kochen ist einfach wunderschön. Ich bin ein Riesenfan des Blogs 'Carrots for Claire' und ihrer Rezepte. Mit Kokosblütenzucker, Obst, Dattelsüße. Es gibt viele Alternativen."

Bernhardt: "Süß muss nicht Zucker oder ungesund bedeuten. Da gibt es auch gesunde Alternativen. Wie viel, ab wann und was genascht wird, ist in jeder Familie – und oft auch noch beim ersten Kind – anders. Das ist okay, so lange die Ernährung ausgewogen bleibt. Die Frage, die man sich stellen sollte, ist: Welchen Umgang habe ich mit Süßigkeiten?"

Wie viel Zeit muss ich mir für die Familie nehmen?

Russwurm: "Qualität ist bedeutender als Quantität. Ich habe immer gearbeitet, es war mir aber auch wichtig, dass wir als Familie eine fröhliche Zeit mit Erlebnischarakter haben. 24 Stunden nebeneinander sind nicht so wertvoll wie drei Stunden miteinander. Neben der Mutterrolle ist es aber auch essenziell, dass man sich als Frau & Geliebte wahrnimmt. Freiräume mit dem Partner müssen sein. Dann sind die Kinder mal bei den Großeltern oder jemand anderem, das darf und soll man unbedingt machen. Auch wenn die Kleinen dann jammern, weil sie nicht mit dürfen – Zeit als Paar muss sein."

Bernhardt: "Viele Mütter tendieren zur Perfektion: 100 Prozent im Job, 100 Prozent im Haushalt, 100 Prozent als Mama, 100 Prozent als Partnerin oder für Freundinnen. Das geht sich nicht aus. Und da ist noch nicht einmal die Ich-Zeit dabei. Wenn wir dauernd im Minus mit unserer Energie sind, ist das Konto irgendwann leer und nur schwer wieder aufzufüllen. Es geht also im ersten Schritt darum, sich davon zu lösen, dass man alles geben und für alles Zeit aufbringen muss. Liebevoll mit sich selbst zu sein und zu erkennen: Ich gebe mein Bestes. Aber ich muss nicht über meine Grenzen gehen. Babys brauchen natürlich mehr Zuwendung und Betreuung. Wie viel Zeit dann für Job, Haushalt und Kinder verwendet wird, hängt vom jeweiligen Lebensmodell ab: Ist man berufstätig? Wie ist die Kinderbetreuung geregelt, wie die Hausarbeit aufgeteilt?"

Wann sind Strafen erlaubt?

Teml-Jetter: "Ich halte überhaupt nichts von Strafen. Auch weil sie völlig willkürlich und zusammenhanglos vergeben werden. Ohne den von den Eltern gewünschten Lerneffekt. Strafen, Drohungen, Erpressungen – Erziehung mithilfe von Angsteinflößen ist nicht Teil meines Paradigmas. Die Alternative ist die Gestaltung einer Beziehung zu meinem Kind."

Russwurm: "Bei Lügen sind Strafen erlaubt. Die Frage ist aber immer auch: Was ist eine Strafe? Meine Mutter hat mit mir psychologische Gespräche geführt, da hätte ich mir manchmal Fernsehverbot oder Hausarrest gewünscht. Es war mir immer irrsinnig unangenehm, wenn meine Eltern mich beim Lügen erwischt haben und ich danach mit ihnen darüber sprechen musste. Diese Methode hat auch dazu geführt, dass ich es dann schon im Vorhinein vermieden habe. Ich als Mutter habe immer wieder Strafen angekündigt, ich hatte aber nie die Härte, es dann durchzuziehen. Mein Mann war da noch inkonsequenter. Wenn man mit Strafen droht, muss dies schon auch die Konsequenz haben, dass die Kinder das dann nicht bekommen oder tun dürfen."

Ist es normal, dass mich die Kinder manchmal zur Weißglut treiben?

Klebow: "Ja, völlig. Das sind Momente, in denen man einfach verzweifelt. Ich hasse mich, wenn ich wütend werde, dann auch noch. Trotzdem werde ich es aber leider. Wir machen Fehler. Schreien. Sind unfair. Aber wir können uns entschuldigen und sagen, dass es nicht richtig war. And after all: Sie sind Kinder. Es ist ihr Job, ihre Grenzen auszutesten. Und unserer ist es, sie zu lieben."

Bernhardt: "Zur Beruhigung vorweg: Ich kenne viele Mamas, aber keine, die IMMER entspannt ist. Jeder von uns stößt manchmal an seine Grenzen. Was die eine Mama zur Weißglut bringen kann, mag eine andere überhaupt nicht aufregen. Wenn wir beginnen, uns mit anderen zu vergleichen, achten wir nur noch auf den Aspekt beim anderen, von dem wir denken, dass wir ein Defizit haben. So entsteht der Eindruck: Alle anderen machen es besser! Allen anderen fällt es leichter! Alle anderen haben einfachere Kinder! Das bringt uns nicht weiter. Wir sollten uns eher fragen: Wie möchte ich als Mama sein? In welchen Situationen wünsche ich mir, entspannter zu sein? Daran kann man ganz gezielt arbeiten."

Was, wenn Geschwister streiten?

Russwurm: "Es gibt Phasen, in denen Kinder ständig streiten. Danach sind sie aber auch wieder ein Herz und eine Seele. Ich habe immer Ruhe eingefordert – egal wer sich worüber beschwert hat. Die sollen sich das untereinander ausmachen. Dann sind sie von einer Sekunde auf die andere wieder ein Team und gegen die Mutter, die sich eingemischt hat. Mit 'Schuldsprüchen' muss man vorsichtig sein, da liegt man oft daneben. Wichtig ist, finde ich, dass man nicht immer versucht, das kleinere Kind zu verteidigen. Die Jüngere hat bei uns die Ältere oft so lange sekkiert, bis sie eben grantig wurde."

Teml-Jetter: "'Mama, das gehört dazu!', hat meine Tochter mal gemeint. Ich bin ein Einzelkind, und für mich war das Neuland. Wenn die Kinder streiten, kann ich sie fragen, ob sie meine Hilfe brauchen. Grundsätzlich muss ich als Erwachsener für die Sicherheit sorgen. Ich kann mich auch liebevoll körperlich einbringen und die Aufmerksamkeit von den Kids auf mich lenken."

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