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Darf ich Kinderfotos auf Facebook und Instagram posten?

Man will seine entzückenden Zwerge am liebsten der ganzen Welt zeigen. Aber darf man Kinderfotos im Internet posten? Wie die Gesetzeslage aussieht:

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Darf ich Kinderfotos auf Facebook und Instagram posten?
© Instagram

Wir lieben unsere Kinder, sie sind grandios und lustig und zuckersüß! Weshalb wir regelmäßig stolz die Fotos unserer Kinder auf Social Media-Plattformen wie Facebook oder Instagram posten. Manche Eltern starten sogar einen Baby- oder Familienblog, um die Öffentlichkeit an der Entwicklung ihrer Kinder teilhaben zu lassen. Hat ein Blog besonders viele Follower, gibt es eventuell sogar ein paar Werbegeschenke oder einen kleinen Nebenverdienst durch Werbeeinnahmen.

Aber wie sieht hier eigentlich die rechtliche Situation aus? Dürfen Eltern Fotos und Videos ihrer Kinder in den sozialen Netzwerken veröffentlichen und sind Babyblogs überhaupt erlaubt?

Gesetz: Sind Kinderfotos im Internet erlaubt?

Gleich vorweg: Gegen ein privates Familienalbum oder private Videos ist auch aus rechtlicher Sicht überhaupt nichts einzuwenden. Für private Zwecke können wir das Heranwachsen unserer Kinder natürlich in all seinen Facetten festhalten.

Anwältin Carmen Thornton: Gibt für WOMAN regelmäßig Rechtsauskunft

Trotzdem muss uns Eltern bewusst sein, dass auch Kinder Persönlichkeitsrechte haben. Dazu gehören das Recht auf Privatsphäre und Anonymität und das Recht am eigenen Bild. Eine Veröffentlichung von Aufnahmen ist daher ohne Zustimmung des Kindes nicht zulässig, wenn dadurch berechtigte Interessen der Kinder verletzt würden. Um die Zustimmung erteilen zu können, muss das Kind aber in der Lage sein, die Folgen seiner Entscheidung zu begreifen. Das ist in der Regel erst bei über 14-jährigen Kindern der Fall. Babys und Kleinkinder können der Veröffentlichung nicht selbst zustimmen. Die Zustimmung der Eltern als gesetzlicher Vertreter reicht aber entgegen einer weit verbreiteten Meinung nicht aus.

Die Eltern können diese Entscheidung also nicht für ihre Kinder treffen, sondern dürfen Fotos und Videos ihrer Kinder nur veröffentlichen, wenn dadurch die Privatsphäre des Kindes nicht verletzt wird. Als Faustregel gilt: Aufnahmen, die einem selbst unangenehm wären, sollte man lieber nicht in den sozialen Netzwerken teilen.

Wenn wir anlässlich der Geburt unseres Kindes ein Foto posten, um auch unsere Freunde an dem freudigen Ereignis teilhaben zu lassen, ist das natürlich in Ordnung. Auch gegen Fotos vom ersten Schultag oder der Geburtstagsfeier und harmlose Familienfotos ist nichts einzuwenden. Grundsätzlich spricht auch nichts dagegen, in einer WhatsApp-Gruppe Aufnahmen unserer Kinder an Verwandte oder Freunde zu schicken, wenn sie nicht besonders peinlich sind oder dadurch die Intimsphäre der Kinder verletzt wird.

Fotos, die das Kind bloßstellen, entwürdigend sind oder in die Intimsphäre eingreifen, haben in den Sozialen Netzwerken hingegen nichts verloren. Bei Videos sollte man generell eher zurückhaltend sein. Aufnahmen von Kindern mit vollen Windelhosen, am Töpfchen und von den ersten Essversuchen sind zwar lustig, aber nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. In der Schule kann so etwas später leicht zu Mobbing führen. Und pubertierende Jugendliche sind meistens nicht sonderlich begeistert, wenn ihre erste Liebe sie so sieht.

Ein absolutes No-Go sind Nacktfotos, egal in welchem Alter! Das gilt auch für Babys. Solche Fotos verletzen nicht nur die Intimsphäre der Kinder, sondern können auch leicht in die falschen Hände geraten. Auch "Erziehungsmethoden", bei denen die Eltern ihre Kinder bewusst in der Öffentlichkeit bloßstellen, sind nicht nur vollkommen unangebracht, sondern auch aus rechtlicher Sicht unzulässig.

Streng genommen wären Babyblogs nicht erlaubt...

Auch Baby- oder Familienblogs greifen in der Regel in die berechtigten Interessen des Kindes ein und sind daher streng genommen nicht erlaubt, vor allem dann, wenn sie auch zu Werbezwecken verwendet werden. Werbung mit Babys und Kleinkindern ist in Österreich grundsätzlich nicht zulässig. Wer auf seinen Baby Blog trotzdem nicht verzichten möchte, sollte zumindest darauf achten, dass die Anonymität des Kindes gewahrt ist (zB indem man das Kind nur von hinten fotografiert oder die Fotos durch Instagram Sticker oder Verpixelung anonymisiert).

Wenn der (Ex)-Partner die Persönlichkeitsrechte des Kindes verletzt, kann man als obsorgeberechtigter Elternteil dagegen mit einer Unterlassungsklage vorgehen. In besonders schwerwiegenden Fällen könnte auch das Jugendamt einschreiten. Theoretisch können schwere Eingriffe in die Privatsphäre des Kindes sogar zur Entziehung der Obsorge führen...

Die Expertin: Carmen Thornton ist selbständige Rechtsanwältin in Wien. Ihre Kanzlei Thornton-Law ist spezialisiert auf Scheidungen, Obsorge und Unterhaltsverfahren. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Themen: Instagram, Kinder

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