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Kinderwunsch: Ein Mann erzählt

Geht es um einen sehnlichen Kinderwunsch, ist es meist die Perspektive einer Frau, die man hört. Aber wir haben einen Mann gebeten zu erzählen, wie es für ihn war, als es mit dem Babyglück nicht klappen wollte. Wie es ist, Sex nach Stundenplan zu haben, und wie die Beziehung zu scheitern drohte.

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Kinderwunsch: Ein Mann erzählt
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Gleich nach unserer Hochzeit 2003 stand für uns fest, dass wir ein Baby wollten. Wir waren beide 28 Jahre alt. Also: Worauf noch warten?

Der Sex machte Spaß. Dass es nicht sofort klappte, machte uns in den ersten Monaten keine Sorgen. Ich dachte nicht weiter darüber nach, nur Karin wurde zunehmend nervöser. Nach einem halben Jahr empfahl uns ihr Gynäkologe die Kalendermethode.

Ab da lief es im Bett nicht mehr. Wie auch? Drei Wochen durfte ich nicht ran, und wenn sie ihren Eisprung hatte, sollte ich am besten drei Mal täglich kommen. Manchmal schaffte ich nicht mal mehr eine Erektion, weil ich mich so unter Druck gesetzt fühlte.

In der ersten Zyklushälfte war Karin extrem freundlich zu mir. Sicher, damit ich um den Eisprung herum willig antrete. Dafür zuckte sie in der zweiten Zyklushälfte wegen jeder Kleinigkeit aus. Nach über einem Jahr entschlossen wir uns zum Fortpflanzungs-Check. Das niederschmetternde Ergebnis: Ihre Eileiter waren verklebt und meine Spermien langsam.

Markus, 42: "Ich fühlte mich wie ein Zuchthengst, der auf Abruf bereit stehen musste. Die Lust am Sex war mir längst vergangen."

Der Arzt empfahl eine In-vitro-Fertilisation. Gleich beim nächsten Zyklus könnten wir starten. Mir ging das alles zu schnell. Karin freute sich und schöpfte Hoffnung. Also machte ich mit. Zuerst wurde sie zwei Wochen lang in den künstlichen Wechsel versetzt. Inklusive aller Gefühlszustände. Entweder war sie ständig am Heulen, extrem gereizt oder überdreht. Ich bin gerne länger im Büro geblieben und habe versucht, das zu verdrängen. Mit Freunden traf ich mich immer weniger. Die blöden Fragen nervten: "Na, bist endlich gelandet?"

Die Anspannung war enorm. Karin fing schon zu weinen an, wenn sie im Fernsehen ein Baby sah. Nach einem Monat wurden die Hormone wieder in die Höhe geschossen. Dann die Nachricht: Zwei Eier wären reif zur Befruchtung. Also ab in die Klinik und auf Kommando masturbieren. Ich fühlte mich wie ein Zuchthengst, der auf Abruf bereitstehen musste.

Dann hieß es warten. Schließlich das niederschmetternde Ergebnis: Es hatte nicht geklappt. Vier Mal wiederholten wir dieses Prozedere, dann kündigte sich endlich unsere Tochter an. Während der Schwangerschaft wechselten Glücksgefühle mit großer Angst. Es lief alles gut, unser Sonnenschein Sophie ist heute zwölf. Und unsere Beziehung? Sagen wir so, wir haben einen guten Therapeuten...

Thema: Eltern

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