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Kleine Schmerzen, großer Schweinehund: Tini Kainrath & Bianca Schwarzjirg im Gespräch

WOMAN bat zum Schlagabtausch: Sängerin und Sportmuffel Tini Kainrath diskutierte mit Moderatorin und Sportskanone Bianca Schwarzjirg über konstruierte Körperbilder und wie man mit dem Schweinehund umgeht.


Kleine Schmerzen, großer Schweinehund: Tini Kainrath & Bianca Schwarzjirg im Gespräch
© Roland Ferrigato

WOMAN: Überschlanke Celebrities sind oft Thema in den Medien. Frau Kainrath, Sie sind ein Vollweib und stehen zu Ihren Kurven. Was geht Ihnen bei solchen Bildern durch den Kopf?

Kainrath: Nach meiner Erfahrung richtet sich jeder Körper ein bisschen nach der Seele, das wird immer vergessen. Ich persönlich fühle mich besser, wenn ich etwas mehr auf den Rippen habe. Ich war auch schon schlanker als jetzt, aber da habe ich mich so unbeschützt gefühlt. Ich bin halt ein zartes Seelchen im Inneren. Das sieht man nicht gleich (lacht) , aber das ist ja der Plan.

Schwarzjirg: Ich finde, bei den Stars ist wahnsinnig viel von den Medien konstruiert. Jede Klatschzeitung berichtet, wer gerade dünn ist und wer dick. Die Körperwahrnehmung wird auch oft von außen gesteuert. Wenn wir das Feedback bekommen „Hey, du schaust aber gut aus“, dann denken wir nach, warum das so ist. Vielleicht, weil ich zwei Kilo abgenommen habe? Gutes Aussehen wird automatisch mit dem Gewicht in Verbindung gebracht. Ich persönlich finde es aber nicht schön, wenn jemand so extrem dünn ist!

WOMAN: Was denken Sie sich, wenn Sie einen extrem dünnen/dicken Menschen auf der Straße sehen? Löst das etwas aus im Hirn?

Kainrath: Ich versuche, mich nicht zu identifizieren. Ich bin ja persönlich betroffen, da ich selber ein Essproblem habe. Ich sehe das und versuche, es nicht zu beurteilen. Das ist für mich persönlich besser.

Schwarzjirg: Das ist bewundernswert, wenn man das kann. Wenn ich jemanden sehe, der wirklich so knochendünn ist, denke ich mir: Um Himmels Willen, die Person hat offensichtlich ein Problem, eine Geschichte, weil sonst passiert das nicht. Das denke ich mir auch bei sehr dicken Menschen. Und ich finde weder das eine noch das andere schön.

Kainrath: Aber es geht nicht darum, ob etwas schön ist oder nicht.

Schwarzjirg: Ja, ich weiß, aber wir sind einfach so programmiert...

Kainrath: Aber eigentlich ist die Überlegung, ob sich diese Person wohlfühlt. Schön ist ja ein total leerer Begriff... Diese Person hat offensichtlich eine Geschichte. Wenn ich einen äußerlich extremen Menschen sehe, egal ob das körperlich oder in einer anderen Form ist, denke ich mir: Da steckt etwas dahinter, das ich nicht kenne, also versuche ich, nicht vorschnell zu urteilen. Rein optisch würde ich mir denken, das ist hässlich, aber wenn ich die Geschichte dahinter kenne, dann kann ich auf diesen Menschen stolz sein, dass er noch da ist und sich durchgekämpft hat.
Das Gros der Menschen schaut ja Gott sei Dank normal aus. Die Betroffenen sind in der Minderzahl und deswegen reden wir immer nur über Oberflächlichkeiten. Und es ist auch gut, dass die Mehrzahl der Menschen das Problem nicht kennt. Die sollen froh sein, dass das so ist und müssen sich darum nicht kümmern, finde ich.

WOMAN: Wie gehen Sie selbst mit ihrem Körperbild um? Frau Schwarzjirg, Sie waren früher Leichtathletin. Zur Zeit trainieren Sie für den Halbmarathon auf Mallorca. Können Sie sich ein Leben ohne Sport überhaupt vorstellen?

Schwarzjirg: Nein. Ich habe mit zwölf angefangen zu trainieren, war bei Staatsmeisterschaften und Europa-Cup dabei, das hat Spaß gemacht und war auch gut für mein Selbstwertgefühl. Ich bewege mich immer noch sehr viel. Wenn ich keinen Sport mache, geht mir etwas ab.

Kainrath: Ich komm immer so schlecht rein in die Bewegung. Kennst du das auch?

Schwarzjirg: Klar, der Schweinehund ist da. Seit drei Monaten will für den Marathon trainieren, zwei-, dreimal die Woche schaffe ich es inzwischen auch. Und es tut jedes Mal gut! Mein letzter Marathon-Trainer hat auf meine Ausreden gesagt: Wenn du Sport machen willst, findest du die Zeit.

Kainrath: Aber du läufst offensichtlich gerne, das ist hilfreich...

WOMAN: Machen Sie Sport Frau Kainrath?

Kainrath: Die Dinge, die ich am liebsten mache, gehen alleine nicht, Tanzen zum Beispiel. Und mein Leben ist ja auch recht unregelmäßig. Laufen mag ich gar nicht, da streiken meine Knie. Und Walken, das geht mir eigentlich auf die Nerven, immer die Stecken mitzerren... Aber noch weniger Spaß macht es, wenn ich gar nichts mache. Weil da fangt der Rücken an zu zwicken. Also geh ich ins Fitnesscenter und schnell spazieren.

Schwarzjirg: Yoga und Pilates würde da helfen...

Kainrath: Ja, aber das ist wieder so eine Sache. Da muss ich gewisse Zeiten einhalten. Ich bin auch nicht gern in einer Gruppe oder an einem Ort, wo ich erst hingehen muss. In so einem Raum, da seh ich nach zehn Minuten nichts Neues mehr und mir wird fad. Das Ganze dauert aber zwei Stunden...

WOMAN: Ihr Schweinehund scheint sehr groß zu sein...

Kainrath: Wenn die Schmerzen klein sind, ist der Schweinehund groß (lacht) . Aber wenn ich mein Alter und alles mögliche andere spüre, dann gewinnt hoffentlich bald wieder die Einsicht...

Schwarzjirg: Wenn ich unrund bin oder es irgendwo Streit gibt, dann geh ich gerne laufen. Da klärt sich der Kopf und ich komme auf viele Problemlösungen.

Das komplette Interview finden Sie in WOMAN 18/2011!

Redaktion: Pia Kruckenhauser, Jasmin Altrock